Rezensionen zu: Das Brandenbuch. Ein Land in Stichworten

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Montag, 07. Dezember 2015
Wer ein Brandenburg-Kenner werden will, kann das jetzt für zwei Euro. Ein Buch erzählt kuriose Fakten - und Wunder-Geschichten.

Berliner wissen häufig wenig über Brandenburg. Potsdam kennen die meisten noch. Und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es längst auch kein Geheimnis mehr, dass es in dem oft wundersamen Land um die Hauptstadt herum glasklare Seen gibt  und herrliche Kiefernwälder. Doch wer noch mehr erfahren will über die Weiten und Tiefen des größten ostdeutschen Bundeslandes, für den ist das "Brandenburg-Buch. Ein Land in Stichworten" das Richtige. Am Donnerstagabend wurde es in Potsdam vorgestellt.

Auf 270 Seiten beschreiben 45 Autoren in über 65 Texten die Geschichte des Landes und die Eigenheiten der Bewohner  häufig mit Augenzwinkern, aber immer mit Kenntnis und Liebe zum Land. So die Ankündigung.

Wie der Aar ins Wappen kam

"Wir wollten ein neues Landeskundebuch, das sich stark an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger orientiert", sagte die Leiterin der Landeszentrale für Politische Bildung, Martina Weyrauch. "Anfang 2014 starteten wir deshalb eine Onlineumfrage und befragten vor allem junge Menschen zu den gewünschten Inhalten. Herausgekommen ist, dass sich über zwei Drittel tatsächlich ein Buch wünschen  mit frischen, neuen Gestaltungsideen." So kam das Buch ganz ohne Fotos aus  bis auf das Titelbild, das "typisch märkisch" einen lichten Kiefernwald zeigt. Ansonsten: viele Infokästen und Grafiken und handgezeichnete Illustrationen.

Von AAR bis Zweitausenddreißig  etwas rätselhaft der Untertitel des Buches. Aar ist das alte Wort für Adler, und der rote Adler ist das Wappentier Brandenburgs. Wie er ins Wappen kam, warum er plötzlich weiß im neuen Landtagsschloss hing und nun wieder "errötet" ist, das ist eine der Geschichten. Und Zweitausenddreißig? Das ist so etwas wie eine magische Zahl für das Überleben des Landes. Denn dann enden die derzeitigen Bevölkerungsprognosen. Fest steht bislang nur: In einem Teil des Landes  den um Berlin herum  wird es immer enger werden, im restlichen immer leerer. Die eine Hälfte der Bevölkerung wird sich auf 15 Prozent der Landesfläche konzentrieren, die andere hat 85 Prozent für sich  zusammen mit den zurückkehrenden Wölfen.

Das Ideal des Märkers: Wortloses Verstehen

Schon mal zur Einstimmung: Wussten Sie schon, dass Brandenburgs Wasserstraßen 32.000 Kilometer lang sind? Das entspricht der zweifachen Entfernung von Berlin nach Sidney. Dass in Brandenburg 558.800 Rinder leben und mehr als 8,5 Millionen Hühner? Dass der Brandenburger Durchschnittsbaum 21,9 Meter hoch ist, 70 Jahre alt und einen Stammumfang von 21 Zentimentern hat? Dass kein anderes Dorf in Brandenburg schräger feiert als Päwesin im Kreis Potsdam-Mittelmark? Die kleine Gemeinde erklärt sich einmal im Jahr zum Hauptkulturdorf. In Anlehnung an die Kulturhauptstädte Europas. Das Maskottchen: eine Giraffe in einem verwaisten Storchennest.

In gewohnt feinsinniger Art beschreibt die Schriftstellerin Antje Rávic Strubel in ihrem Text die Menschen. Das Ideal des Märkers: wortloses Verstehen. Sie erklärt auch, warum der Brandenburger nicht laut lacht. Sie darf das, denn sie ist gebürtige Potsdamerin. Den Brandenburger gibt es ohnehin nicht mehr. Denn von den rund 2,45 Millionen Einwohnern sind viele zugezogen, vor allem im "Speckgürtel", dem Gebiet rund um Berlin. Der Kommunalpolitiker Lutz Franzke erklärt, warum die Umlandgemeinden mehr Zuwendung der Landesregierung brauchen als bislang.

Das Lesebuch erscheint in einer Auflage von 6000 Exemplaren, 58.000 Euro hat die Regierung dafür ausgegeben. Zu beziehen ist es für zwei Euro über die Politische Landeszentrale, Heinrich-Mann-Allee 107, 14473 Potsdam. Infos unter www.politische-bildung-brandenburg.de.

Gudrun Mallwitz in der Berliner Morgenpost vom 4.12.2015
http://www.morgenpost.de/brandenburg/article20675-
0987/Brandenburg-ein-ganzes-Land-in-Stichworten.html


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