Das Zwickauer Terror-Trio

Was waren die Motive, die das Terror-Trio zu seinen Schreckenstaten antrieb? Aus welchem Milieu stammen sie und ihre Unterstützer? Handelte es sich um eine Zelle oder um ein größeres Netzwerk?

Das ausgebrannte Haus in Zwickau
Das zerstörte Haus der Zwickauer Terrorzelle; Foto: André Karwath

Am 4. November 2011 flog in Zwickau die Terrorzelle, die sich „Nationalsozialistischer Untergrund“ NSU nannte, auf. Der Kerngruppe, bestehend aus Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, zehn Jahre lang gemeinschaftlich gemordet, geraubt und terrorisiert zu haben.

Im einzelnen gehen die Ermittler davon aus, dass sie zwischen September 2000 und April 2007 acht türkische und einen griechischen Unternehmer durch Kopfschüsse ermordet, gezielt auf zwei Polizisten geschossen und dabei in Heilbronn eine Beamtin erschossen, zwei Sprengstoffanschläge verübt haben. Ihr Leben in der Illegalität und ihre Verbrechen sollen sie durch eine lange Reihe von Banküberfällen vom Oktober 1999 bis zum November 2011 finanziert haben. Ihre Verbrechen gelten als erster rechtsextrem motivierter Serienmord in der Geschichte der Bundesrepublik. 

Rasch war deutlich geworden, dass die drei, das sogenannte Trio, ihr Leben im Untergrund in den Jahren 1998 bis 2011 nicht ohne einen mehr oder weniger großen Helferkreis hätten führen können. Seit Böhnhardt und Mundlos am 4.11.2011 - nach einem Sparkassenüberfall von der Polizei gestellt - in einem Wohnmobil tot aufgefunden wurden und seit Beate Zschäpe die letzte gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand gesteckt hat, suchen Hunderte Ermittler die Verbrechen aufzuklären und nach Helfern, die das Trio in den Jahren seit ihrem Untertauchen im Januar 1998 gedeckt, geschützt und unterstützt haben.

Die Helfer sollen das Trio mit Waffen, Ausweisen, Autos und Wohnungen versorgt oder bei der Produktion des Selbstbezichtigungsvideo mitgewirkt haben. Dessen Verteilung und Versendung hatte Beate Zschäpe noch übernommen, ehe sie sich der Polizei in Jena stellte. Auch dabei wurde ihr geholfen. Einige Bekenner-DVDs gelangten über den Postweg an die Adressaten, einzelne wurden aber durch Kuriere abgeliefert.

Die entsetzte Öffentlichkeit, Medien und Politik fragten sich, wie konnte diese Mordserie geschehen, ohne dass die Sicherheitsbehörden einen Verdacht gegenüber möglichen rechtsterroristischen Tätern schöpften? Was waren die Motive, die das Terror-Trio zu seinen Schreckenstaten antrieb? Aus welchem Milieu stammen sie und ihre Unterstützer? Handelte es sich um eine Zelle oder um ein größeres Netzwerk?

Die mit großem personellen Aufwand durchgeführten Ermittlungen nehmen einen dynamischen Verlauf, so dass sich fast täglich neue Erkenntnisse ergeben. Nach viermonatiger Ermittlungstätigkeit sieht man etwas deutlicher. Deshalb ist heute eine Annäherung an den Komplex möglich um auf Basis der bisher bekannt gewordenen Details Antworten aus sozialwissenschaftlicher Sicht auf drei Fragen zu versuchen:

Rainer Erb, Februar 2012

Linktipps

  • Sind wir nun Zschäpe?

    In München wird nicht allein dem Überbleibsel eines Mördertrios der Prozess gemacht. Auf der Anlagebank sitzt auch Deutschland. Und damit letztlich wir alle. Also auch Sie – und ich. Sind wir kollektiv schuldig? (Cicero, 13.05.13)

  • APuZ vom 30.04.12: Rechtsextremismus

    Mit der "Entdeckung" der dreiköpfigen "Zwickauer Terrorzelle" im November 2011 ist die Diskussion über Rechtsextremismus in Deutschland in eine neue Phase eingetreten. Es gibt nun ein "Davor" und ein "Danach" – die Militanz, Gewaltbereitschaft und von Hass getriebene Entschlossenheit der Szene sind nicht mehr von der Hand zu weisen. Entsprechend werden die bestehenden Instrumente der Extremismusbekämpfung überprüft, wird über neue geeignete Maßnahmen nachgedacht. Auch ein NPD-Verbotsverfahren steht wieder zur Debatte.

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