Aktuelle Ausstellung
17. April 2013 bis 13. September 2013

Gemischtes Doppel

Satirische und komische Blätter von F.W. Bernstein und Christiane Steltner
Die Landeszentrale stellt erneut Werke eines der bedeutendsten Künstler des Landes aus. F.W. Bernstein steht für humorvolle Gesellschaftskritik, die Annäherung politischer Satire von Ost und West und für die Lust, im Team - hier im Doppel mit Christiane Steltner - zu wirken.
Gemischtes Doppel

Wer verbirgt sich hinter dem Künstlernamen F.W. Bernstein? Manche erinnern sich vielleicht. Zum zweiten Mal nach 2003 stellt die Landeszentrale Werke eines der bedeutendsten satirischen Künstlers der Bundesrepublik aus. Anlass ist der 75. Geburtstag von Fritz Weigle, alias F.W. Bernstein, dessen Name für fröhlich-anarchische Gesellschaftskritik steht. In den alten Bundesländern ist der Zeichner, Dichter und Karikaturist - u.a. für das Satiremagazin "Titanic" - vor allem als Schöpfer des Sinnspruchs "Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche" bekannt.
 
Vor zehn Jahren zeigte die Landeszentrale "Die korrigierte Weltgeschichte", einen gezeichneten Briefwechsel zwischen F.W. Bernstein und dem Ostberliner Karikaturisten und Illustrator Manfred Bofinger.
 
In der aktuellen Ausstellung werden neben klassischen Karikaturen, politischen Cartoons und freier Malerei auch Ausschnitte eines gezeichneten Briefwechsel gezeigt. Seit 30 Jahren tauschen sich F.W. Bernstein und Christiane Steltner zeichnend und schreibend aus. Der doppelte Blickwinkel auf die großen und kleinen Ereignisse dieser Welt ist stets kritisch, amüsant und oft auch lehrreich.

Erdbeere trifft Kastanie

Beim Anblick des unmittelbar bevorstehenden und sicher schmerzhaften Aufeinanderprallens zuckt jeder unwillkürlich zusammen. Eine Metapher? Eine Allegorie? Ein Witz mit tieferer Bedeutung und politischer Botschaft? Vielleicht ein Hinweis auf die kommende rot-grüne Koalition? Oder doch eher präzise gezeichneter Nonsens, der die Freude am Gedankenspiel zeigt? Die Erklärung bleibt dem Betrachter überlassen.
 
Zwei Ideen und zwei Handschriften auf einem Blatt – so stellt sich das „gemischte Doppel“ vor: F.W. Bernstein und Christiane Steltner, die sich seit rund 30 Jahren zeichnend und malend die Welt erklären. Alles kann, nichts muss ein Thema sein. Deshalb finden sie immer wieder Neues und Besonderes. Längst pflegen beide weitere gezeichnete Korrespondenzen, doch die ihrige ist die am längsten währende und wohl auch die intensivste.Zeichnung: FW Bernstein

Die Künstler

Bernstein, der bürgerlich Fritz Weigle heißt und aus dem Schwäbischen stammt, wurde nach seinem Studium Lehrer für Deutsch und Zeichnen und gab später als Professor an der HdK Berlin seine Erfahrungen an künftige Kunsterzieher weiter. Eine davon war Christiane Steltner, eine waschechte Berlinerin, die vor und neben ihrem Studium in mehr als fünfzehn Berufen arbeitete und heute Kinder unterrichtet.

Zeichnung: FW BernsteinDer Lehrer Weigle hatte eigene Vorstellungen vom Kunstunterricht. Es widerstrebte ihm, schlechte Noten zu geben und so bekamen seine Schüler im Fach Zeichnen stets eine 1. Sein Beispiel machte leider keine Schule, so dass er als Kunstprofessor seinen Studenten empfahl, das zu zeichnen, wofür sie in der Schule ein „mangelhaft“ bekommen hätten. Seine Kritik am Schulsystem kann er  in einem Satz zusammenfassen: „Manche Kinder lernen trotz Schule!“ 

Der gezeichnete Briefwechsel ist beiden ein Bedürfnis. Als Material dient alles, was bezeichnet und bemalt werden kann. Vom Karton bis zum Packpapier, von der Tapete bis zur Badematte bleibt nichts unbenutzt, sofern es sich mit Stift und Pinsel bearbeiten lässt. Der so praktizierte sparsame Umgang mit Ressourcen gibt den Werken nicht nur eine spezielle Haptik, sondern vermählt auch das Material mit dem Inhalt zu neuen, überraschenden Aussagen.

Dabei darf das „gemischte“ Doppel ganz wörtlich genommen werden: Die eine beginnt – der andere vollendet. Oder umgekehrt. Manchmal arbeiten sie auch Stift an Stift gemeinsam auf einem Blatt. Kein Wettbewerbsgedanke spornt sie dabei an, sondern die Lust, sich auszudrücken, zu reflektieren, zu kommentieren, abzubilden oder dem Sinn im Unsinn auf die Spur zu kommen.

Die Themen

Keiner Redaktion verpflichtet, können sich beide auch Themen außerhalb von Jahrestagen oder Trends widmen. So wird der Blickwinkel auf Preußisches gerichtet, denn Ehre, Pflicht und Tradition verdienen auch nach dem Jubiläum ironische Aufmerksamkeit. Blätter gegen rechte Gewalt und menschliche Dummheit werden wie Alltägliches und (allzu) Menschliches immer wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt.

Die Eindrücke ihrer ersten Reise nach Rom verarbeitet Christiane Steltner 2009 im stets griffbereiten Skizzenbuch. Später dann beginnt sie sich – inspiriert durch ein Plakat – mit den Kirchenoberhäuptern zu beschäftigen und porträtiert die historischen Päpste kenntnisreich und mit Witz und Hintersinn.

Als dauerhaftes Objekt der künstlerischen Auseinandersetzung erweist sich die Kastanie. Bereits in den 1980-er Jahren nimmt sich Bernstein diese erst stachelige, dann glänzend braune runde Frucht vor. Später dann untersucht und studiert er gemeinsam mit Christiane Steltner, zeichnet und aquarelliert sie und erfindet schließlich die doppelte K-Frage: die Kunst-Kastanie oder die Kastanien in der Kunst.

Bildergalerie
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
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Kommentare

Danke!

Danke für den großartigen Artikel und die Bildergalerie zu  Bernsteins Werken. Sind ein paar wirklich gute Exemplare dabei. Können Sie die Bildergalerie auch zum Download anbieten, mit hochauflösenden Bildern?

LG

Boris

Eigene Bewertung: Keine

Danke 2

Lieber Boris Schneider,

vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Momentan sind keine Downloads für Bilder zur Ausstellung vorgesehen. Für weitere Auskünfte können Sie uns gern anrufen (0331 866 3541) oder eine E-Mail an info@blzpb.brandenburg.de schicken. Wir setzen uns dann gern mit Ihnen in Verbindung. Viele Grüße, Ihre Landeszentrale

 

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