Leichte Sprache
Ausstellung
17. April 2013 bis 12. September 2013

Gemischtes Doppel

Satirische und komische Blätter von F.W. Bernstein und Christiane Steltner
„Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche!“ F.W. Bernstein, der Erfinder dieses Satzes, wurde im März 75 Jahre alt. 150 satirische Blätter von F.W. Bernstein und Christiane Steltner sind in der Landeszentrale ausgestellt.
Gemischtes Doppel

Was passiert, wenn Erdbeere auf Kastanie trifft? Ist es eine Metapher? Ein Witz mit tieferer Bedeutung? Oder doch eine  Anspielung auf kommende politische Koalitionen? Die Antwort bleibt dem Betrachter überlassen.

Wer verbirgt sich hinter dem Künstlernamen F.W. Bernstein? Der zeichnende Dichter oder der reimende Karikaturist? Beides kann er ausgezeichnet. Dennoch gibt er, der bürgerlich Fritz Weigle heißt und ordentlich studiert hat, als Beruf stets „Schulmeister“ an. Und als solcher unterrichtete er zunächst Kunst und Deutsch in Frankfurt am Main, bevor er als Professor für Karikatur und Bildgeschichte an die Hochschule der Künste nach Berlin ging.

Eine seiner Studentinnen dort war Christiane Steltner. Beide verbindet seitdem die Leidenschaft fürs Zeichnen und für komische Kunst. Seit mehr als 30 Jahren stehen sie in einem gezeichneten Briefwechsel und stellen gern gemeinsam aus. Als „gemischtes Doppel“ sind sie deshalb in der Sommer-Ausstellung in der Landeszentrale zu erleben – mit hintersinnig-fröhlichen Kommentaren zu Politik und Weltgeschehen, mit klassischer Karikatur oder freien Arbeiten.

Glückwunschkarte von Cleo-Petra KurzeDa werden die Ordnungshüter aufs Korn genommen, Friedrich II. auch nach dem Jubiläumsjahr geehrt, Päpste porträtiert oder die Kastanie einer genauen Betrachtung unterzogen. Was passiert zum Beispiel, wenn Erdbeere auf Kastanie trifft? Ist es eine Metapher? Ein Witz mit tieferer Bedeutung? Oder doch eine  Anspielung auf kommende politische Koalitionen? Die Antwort bleibt dem Betrachter überlassen. 

Doppelt hält besser

Der Lehrer Bernstein / Weigle hatte eigene Vorstellungen vom Kunstunterricht. Es widerstrebte ihm, schlechte Noten zu geben und so bekamen seine Schüler im Fach Zeichnen stets eine 1. Sein Beispiel machte leider keine Schule, so dass er als Kunstprofessor seinen Studenten empfahl, das zu zeichnen, wofür sie in der Schule ein „mangelhaft“ bekommen hätten. Seine Kritik am Schulsystem kann er  in einem Satz zusammenfassen: „Manche Kinder lernen trotz Schule!“ 

Der gezeichnete Briefwechsel ist beiden ein Bedürfnis. Als Material dient alles, was bezeichnet und bemalt werden kann. Vom Karton bis zum Packpapier, von der Tapete bis zur Badematte bleibt nichts unbenutzt, sofern es sich mit Stift und Pinsel bearbeiten lässt. Der so praktizierte sparsame Umgang mit Ressourcen gibt den Werken nicht nur eine spezielle Haptik, sondern vermählt auch das Material mit dem Inhalt zu neuen, überraschenden Aussagen.

Dabei darf das „gemischte“ Doppel ganz wörtlich genommen werden: Die eine beginnt – der andere vollendet. Oder umgekehrt. Manchmal arbeiten sie auch Stift an Stift gemeinsam auf einem Blatt. Kein Wettbewerbsgedanke spornt sie dabei an, sondern die Lust, sich auszudrücken, zu reflektieren, zu kommentieren, abzubilden oder dem Sinn im Unsinn auf die Spur zu kommen.

Die Themen

Keiner Redaktion verpflichtet, können sich beide auch Themen außerhalb von Jahrestagen oder Trends widmen. So wird der Blickwinkel auf Preußisches gerichtet, denn Ehre, Pflicht und Tradition verdienen auch nach dem Jubiläum ironische Aufmerksamkeit. Blätter gegen rechte Gewalt und menschliche Dummheit werden wie Alltägliches und (allzu) Menschliches immer wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt.

Die Eindrücke ihrer ersten Reise nach Rom verarbeitet Christiane Steltner 2009 im stets griffbereiten Skizzenbuch. Später dann beginnt sie sich – inspiriert durch ein Plakat – mit den Kirchenoberhäuptern zu beschäftigen und porträtiert die historischen Päpste kenntnisreich und mit Witz und Hintersinn.

Als dauerhaftes Objekt der künstlerischen Auseinandersetzung erweist sich die Kastanie. Bereits in den 1980-er Jahren nimmt sich Bernstein diese erst stachelige, dann glänzend braune runde Frucht vor. Später dann untersucht und studiert er gemeinsam mit Christiane Steltner, zeichnet und aquarelliert sie und erfindet schließlich die doppelte K-Frage: die Kunst-Kastanie oder die Kastanien in der Kunst.

Bildergalerie
Gemischtes Doppel
Gemischtes Doppel
Gemischtes Doppel
Gemischtes Doppel
Gemischtes Doppel
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
Kunst-Kastanie oder Kastanien in der Kunst
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Kommentare

Sterbehilfe kann so grausam sein

Sterbehilfe kann so grausam sein
F. W. Bernstein und Christiane Steltner als „Gemischtes Doppel“

Ein Kommentar zur aktuellen Ausstellung von Gerold Paul in den PNN vom 4.07.13

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)

Danke!

Danke für den großartigen Artikel und die Bildergalerie zu  Bernsteins Werken. Sind ein paar wirklich gute Exemplare dabei. Können Sie die Bildergalerie auch zum Download anbieten, mit hochauflösenden Bildern?

LG

Boris

Eigene Bewertung: Keine

Danke 2

Lieber Boris Schneider,

vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Momentan sind keine Downloads für Bilder zur Ausstellung vorgesehen. Für weitere Auskünfte können Sie uns gern anrufen (0331 866 3541) oder eine E-Mail an info@blzpb.brandenburg.de schicken. Wir setzen uns dann gern mit Ihnen in Verbindung. Viele Grüße, Ihre Landeszentrale

 

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