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Konsumbürger

Lexikon Politische Bildung

Die Ausweitung der Konsumgesellschaft ließ einen neuen Typus des Konsumbürgers entstehen. Durch private ökonomische Entscheidungen werden politische Präferenzen zum Ausdruck gebracht und politische Entscheidungen gesteuert. Das reicht bis hin zu Konsumboykotten gegen einzelne Länder, politische Regime oder Unternehmen.

Es häufen sich die Beispiele, wo eine politische Meinung über den Konsum ausgedrückt wird. Eines ist die Ablehnung der deutschen Bevölkerung gegen den sogenannten Biosprit E10. Ein hoher Bioethanolgehalt im Benzin für Kraftfahrzeuge soll einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Einführung erfolgte im Zusammenhang mit der EU-Biokraftstoffrichtlinie, um den fossilen Rohstoffverbrauch und die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Die Politik verpasste jedoch eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung, die den vermeintlich aufgezwungenen Kraftstoff an den Tankstellen abstrafte. Probleme mit der Verträglichkeit bei älteren Fahrzeugtypen schüren die Angst, dass auch bei neueren Modellen Probleme auftreten können. Sogar das Land Schleswig Holstein hatte verboten, seine Polizeiwagen mit dem umstrittenen Kraftstoff zu betanken.* Auch spielte ein ökologischer Aspekt eine Rolle. Die Kultivierung von Agrarflächen mit Pflanzen, die ausschließlich der Spritgewinnung dienen oder die Abholzung von Wäldern zu diesem Zweck, führte zu dem Boykottverhalten. Die Bürgerinnen und Bürger ärgerte zudem die Subventionierung von E10, die das bisherige Superbenzin verteuerte.

Weitere Beispiele für politisch-motiviertes Konsumverhalten sind die zunehmende Ablehnung von Atomstrom, die Boykottierung von BP-Tankstellen nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010 oder die Boykotte gegen den Shell-Konzern im Jahr 1995. Nach der Bekanntgabe, dass der Konzern den schwimmenden Öltank Brent Spar im Meer versenken wollte, erfolgte ein so großes Medienecho, dass Shell einlenkte und ihn schließlich an Land entsorgte.

Auch die Lebensmittel- und Bekleidungsindustrie reagiert empfindlich auf gesteuertes Konsumverhalten. Fleisch, Fisch, Eier aus Massentierhaltung werden abgelehnt und verstärkt Bioprodukte oder Erzeugnisse mit Fair-Trade Label gefordert. 

Vorteile
+ Einfluss erfolgt sofort
+ große Medienaufmerksamkeit garantiert weite Verbreitung des Themas
+ Politik und Konzerne werden zu raschem Handeln gezwungen
+ geringe Aufwandskosten

Nachteile
- Medien können Themen aufbauschen und manipulieren
- bestimmte Produkte werden zu Unrecht verurteilt
- Einkommensabhängig, nicht alle können sich an Boykott beteiligen, wenn sie auf günstiges Produkt angewiesen sind
 

Landeszentrale, Januar 2014