Leichte Sprache

Was mir diesmal aufgefallen ist…

An dieser Stelle möchte ich mich dem Liedgut widmen, mit welchem deutsche Fans aktuell ihre Mannschaft unterstützen.

Dabei beziehe ich mich nicht auf die „Sieg“-Anfeuerung, die vornehmlich bei einer eigenen Führung skandiert wird. Ich kann verstehen, dass diese auf den einen oder anderen befremdlich wirkt, zumal die EM bekanntlich in Polen und der Ukraine stattfindet.

Wer aber gelegentlich ins Stadion geht oder einfach nur die Bundesliga verfolgt weiß, dass dieser Ausruf an jedem Wochenende durch die deutschen Stadien hallt und somit weder ein Phänomen in Bezug auf die deutsche Nationalmannschaft noch auf diese EM darstellt.
 

Anders verhält es sich mit dem Lied „Mexico“ von der Band „Böhse Onkelz“.

Dieses hört man seit geraumer Zeit aus dem „deutschen Block“, vornehmlich wenn die DFB-Elf im Ausland antritt, so auch jetzt in Polen und der Ukraine. Zum Verständnis: Die „Böhsen Onkelz“ waren eine Band, die mit der simplen Botschaft „Wir gegen alle“ die Metamorphose von der rechten Szene-Band hin zum lukrativen Mainstream schaffte. Das Lied „Mexico“ (1985) kommt zunächst recht unpolitisch daher und bezog sich auf die bevorstehende WM 1986 in Mexiko. Bis dato (1985) „beglückten“ die „Onkelz“ ihre „Fans“ mit Liedern wie: „Türken raus“ oder „Deutschland den Deutschen“.

Das vorhergehende Album („Der nette Mann“, 1984) wurde 1986 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wegen „tendenziell nationalsozialistischer“ und „den Nationalsozialismus unreflektiert übernehmender“ Texte indiziert.

Dass das Label (Rock-O-Rama), bei dem die Platte „Mexico“ veröffentlicht wurde, zu diesem Zeitpunkt zahlreiche rechtsextreme Musikgruppen unter Vertrag hatte, macht es auch nicht besser. Welches Verhältnis die Gruppe in jener Zeit speziell zum Fußball hatte, spiegelt sich zudem in ihren Texten wider: 

und singen uns're Lieder.
Wir schwör'n auf uns're Farben
und machen alles nieder!
Fußball und Gewalt
blutige Schlachten im Wald.
Fußball und Gewalt! …“
(aus „Fußball und Gewalt“ vom Album „Der nette Mann“)

Insofern eignet sich auch „Mexico“ meines Erachtens nur bedingt als „Hymne“ für deutsche Auswärtsfans. Ich weiß, an den „Böhsen Onkelz“ scheiden sich die Geister. Immerhin schaffte es diese Band 2005, mehr als 100.000 Besucher auf ihr Abschiedskonzert zu locken. Trotz allem bin ich ein Verfechter einer kreativen und bunten Fankurve. Die Adaption dieses Liedes („Mexico“) ist für mich jedoch weder das eine noch das andere.

Ergänzende Beiträge oder andere Meinungen sind natürlich wie immer erwünscht!

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"Mexico" und die Onkelz

Zum 20jährigen Bestehen der Onkelz erschien 2001 der Onkelz der dreiteilige Sampler "Gestern / Heute / Morgen". Die auf diesen CDs enthaltenen Songs stellen einen Querschnitt durch das Schaffen der Band bis zu diesem Zeitpunkt dar.

Da sich die Onkelz inwischen schon längst von jeglichem politischen Extremismus ausdrücklich distanziert hatten (auf den CDs ist u.a. "Deutschland im Herbst" enthalten), finden sich darauf nahezu zwangsläufig kaum Stücke aus den Anfangsjahren. Eine der wenigen Ausnahmen stellt "Mexico" dar. Zu dem Lied heißt es dabei im Booklet rückblickend, daß es sich nicht um den "stärksten" Song, aber um einen der "bekanntesten" und "erfolgreichsten" handeln würde.

Der Sampler verkaufte sich damals äußerst gut für ein Produkt dieser Art (sie sind ja als solche bei vielen Fans eher unbeliebt). Begehrt war er insbesondere bei den jüngeren Onkelz-Anhängern und dies waren ja tatsächlich ein Vielfaches als diejenigen, die schon vor dem Beginn der neunziger Jahre die BO überhaupt kannten.

Schon vor diesem Hintergrund erscheint mir der Kontext, in den nun der Song, sondern auch die Onkelz allgemein hier in einem Blog zum Thema "Die extreme Rechte" gezogen werden, absolut bemüht und konstruiert. Denn den meisten BO-Fans ist "Mexico" zwar nicht nur über die erwähnten CDs, sondern auch über die Konzerte gut bekannt - aber eben in einem ganz anderen Zusammenhang, als demjenigen, der hier skizziert wird. Für sie steht "Mexico" in keinem Zusammenhang mit "Fußball und Gewalt", sondern vielmehr als beliebter Partyschlager der Onkelz allgemein.

Zudem ist zu fragen, weshalb der Kritikpunkt das Lied "Mexico" ist, jedoch nicht der Text von "Mexico" hier zitiert wird, sondern eben ein anderer.

Ansonsten halte es zum Thema BO mit dem derzeitigen Manager von Frei.Wild, der im Zusammenhang mit dieser Gruppe zu der Erkenntnis kam, daß einem das, was man in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter falsch gemacht hat - selbst wenn man sich wiederholt davon distanziert - in Deutschland von interessierter Seite nur dann ein Leben lang vorgehalten wird, wenn es irgendwie die "rechte Seite" betrifft. Wogegen man auch Menschen, die tatsächliche Verbrechen begangen haben - Totschlag, Morde, Kinderschändung usw. - oder sich in zunächst in linksextremen Kreisen bewegt haben, das Recht auf eine "Läuterung" sehr schnell bemüht bzw. gelten läßt ...

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