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Die extreme Rechte

Rechtsextreme Gesinnung wird weder vererbt noch passiert sie zufällig. Doch warum wird jemand Anhänger dieser extremen Anschauung? Wofür steht die Ideologie und warum ist Rechtsextremismus eine Gefahr für die Demokratie und das Zusammenleben der Bürger?
Screenshot Landeszentrale/Quelle Youtube

Wenn vom Rechtsextremismus die Rede ist, haben wir Bilder vor Augen: Demonstrationen der NPD, nächtliche Fackelmärsche, Gewalttaten, Vorstellungen vom „typischen“ Neonazi. Aktuell sind die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund und ein Verbot der NPD Themen in der Politik und in den Medien. In den öffentlichen Debatten ist der Rechtsextremismus vor dem Hintergrund des historischen Nationalsozialismus von besonderem Interesse. Allerdings ist Rechtsextremismus zum einen ein viel alltäglicheres, zum anderen ein heutiges Phänomen.

Wie er erklärt wird, hängt oft davon ab, wer in einer bestimmten Perspektive über ein bestimmtes Problem spricht. In der politischen Diskussion um ein NPD-Verbot zum Beispiel wird damit argumentiert, dass sich die Partei aktiv-kämpferisch gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung betätige. Mit dem abstrakten Begriff sind der demokratische Rechtsstaat, die Freiheit der Wahlen, der Ausschluss von Gewalt und Willkürherrschaft sowie die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte gemeint. Extremistische Bestrebungen, die sich gegen diese grundlegenden Werte der Demokratie richten, sind auch das Beobachtungsfeld der Verfassungsschutzbehörden.

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Alltagsrassismus

Regelmäßig werden sozialwissenschaftliche Studien veröffentlicht, die über rechtsextreme Einstellungen in der Bevölkerung berichten. Auf Grundlage von Befragungen und ihrer statistischen Auswertung wird festgestellt, dass eine Zahl von Bürgern Vorurteile gegen Ausländer, gegen Juden, gegen sozial Schwache oder gegen Minderheiten hat, einen autoritären Staat befürwortet oder den historischen Nationalsozialismus positiv bewertet. Solche Statistiken können etwas über das „Klima“ in einer Gesellschaft aussagen. Zu beachten ist, dass Einstellungen, das heißt Gedanken, nicht mit einem politischen Handeln gleichzusetzen sind.

In der Praxis ist Rechtsextremismus ein vielschichtiges Problem. Am deutlichsten wahrnehmbar sind organisierte Rechtsextreme, die Einstellung und Handeln verbinden und sich als Fundamentalopposition zur demokratischen Gesellschaft verstehen. Sie nutzen Mittel der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit, um ihre Ideen von Volk, Führerstaat und „nationalem Sozialismus“ zu leben und zu verbreiten. Verbunden sind diese Vorstellungen zwangsläufig mit der Ablehnung von Pluralität und mit der Ausgrenzung aller, die nicht in die Phantasie einer homogenen deutschen Volks- und Schicksalsgemeinschaft passen. Rechtsextremismus wird zum Gewaltphänomen, wenn Vorurteile und spezifische Gruppenfeindschaften zusammentreffen mit gewalttätigem Handeln.

Darüber hinaus bietet ein derartiger Rechtsextremismus Orientierungspunkte für Jugendkulturen, soziale Milieus oder einzelne Akteure und gibt Leitgedanken, Welterklärungen und Handlungsanleitungen.

Man kann Rechtsextremismus deshalb schließlich auch als Herausforderung für eine offene demokratische Gesellschaft verstehen, eine Antwort zu geben auf die Frage, wie wir leben wollen, eine Antwort, die sich abhebt von der diskriminierenden Ordnung, wie sie in rechtsextremen Weltbildern propagiert wird.

 



Auszüge aus: Brauner Spuk? – Rechtsextreme in Südbrandenburg und was wir tun können. Eine Informationsbroschüre über Rechtsextremismus in der Region. Hg. Demos – Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung/ Mobiles Beratungsteam Cottbus (Dezember 2012)

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