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Christliche Kultur und Geschichte

Ein Überblick von Peter Ortag
Alle Jahre wieder begibt es sich zu Deutschland am Ende des Monats Dezember, dass sich auf wundersame Weise die Kirchen füllen. Denn es gilt, einer rührenden Geschichte zu lauschen... Dann aber schnell nach Hause zur Bescherung. Weshalb sonst wird dieses Fest gefeiert?
Foto: Eric Wüstenhagen | flickr | CC BY-SA

Alle Jahre wieder begibt es sich zu Deutschland am Ende des Monats Dezember, dass sich auf wundersame Weise die Kirchen füllen. Bis zum letzten Platz, so dass oft genug Stühle herbeigetragen werden müssen. Und dies nicht nur einmal am Nachmittag und Abend: denn es ist Weihnachten, und zumindest da gehört es sich, einmal im Jahr das Gotteshaus zu besuchen.

Denn es gilt, einer rührenden Geschichte zu lauschen, die man schon aus Kindheitstagen kennt und dennoch immer wieder gern hört. Es ist die Geschichte von der Geburt eines armen Kindes, Tiere sind auch mit dabei ... dann aber schnell wieder nach Hause, denn es gibt die Bescherung. Geschenke für alle. Weshalb sonst wird schließlich dieses Fest gefeiert? An den vorangegangenen und folgenden Sonntagen ist es wesentlich ruhiger in den Kirchen beider Konfession.

Nachdem das Christentum über 1000 Jahre lang den Alltag und das Leben der Deutschen prägte, verschwindet es mehr und mehr aus dem Bewusstsein der Allgemeinheit. Mag statistisch gesehen noch die Mehrzahl der Bürger dieses Landes einer christlichen Gemeinschaft angehören, so ist der Abwanderungstrend in Richtung Glaubenslosigkeit offenbar nicht zu stoppen.

So gesehen dürfte den meisten Menschen das, was in den christlichen Kirchen gelehrt wird, inzwischen ebenso fremd sein wie der Glaubensinhalt anderer nicht-»abendländischer« Religionen. Dass sie sich damit mehr und mehr den Zugang zum eigenen kulturellen Erbe versperren, wird ihnen möglicherweise erst dann bewusst, wenn sie doch einmal eine Kirche betreten, vor den Gemälden alter Meister stehen oder die Werke klassischer Komponisten hören.

Was also spricht dagegen, sich wenigstens fundamentale Kenntnisse über das Christentum anzueigenen? Abseits von süßlicher Weihnachtsromatik und Hollywood-Klischees gibt es dabei viele interessante Details zu entdecken.

Egal, wie kritisch bis ablehnend der Einzelne dem Christentum gegenüber stehen mag – ob wir es wollen oder nicht, es ist ein Teil unserer nationalen und kulturellen Identität. Sich dem zu verschließen, bedeutet, sich von einer Vergangenheit zu isolieren, ohne die es keinen Zugang zu Gegenwart und Zukunft gibt.

 

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Anteil der Christen
Angehörige zu den Konfessionen
Die  Zerrissenheit  der  christlichen  Gemeinschaft  wird  besonders  in  Europa deutlich. Während sich die katholische Kirche vor allem in den romanischen Länder behauptete, wurden die nördlichen Länder protestantisch. Die meisten slawischen Völker hingegen blieben der Orthodoxie treu. <br><br>Dort, wo die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen und Religionen zusammenleben, kam es in der Vergangenheit häufig zu Konflikten, die mittlerweile größtenteils ausgeräumt sind. Problematisch ist die Situation allerdings noch auf dem Balkan, vor allem im Kosovo. Hier hat die Bevölkerungsgruppe der muslimischen Albaner mit westlicher Duldung die Serben soweit verdrängt und schließlich die einseitige Autonomie der Provinz vom serbischen Staat erklärt. Quelle: Peter Ortag: Christliche Kultur und Geschichte
Während die katholische Kirche in Deutschland traditionell stark im Westen und Süden vertreten ist, dominieren die protestantischen Kirchen den Norden und Osten. <br><br>Deutlich wird dies auch an der Kleinteiligkeit der Bistümer und Landeskirchengrenzen. In Gebieten der jeweiligen konfessionellen Minderheit (Diaspora) sind deren Grenzen oft weiter gefasst. Quelle: Peter Ortag: Christliche Kultur und Geschichte
Der christliche Festkreis. Quelle: Peter Ortag: Christliche Kultur und Geschichte

Da die politischen Bruchlinien der Gegenwart nicht selten vermeintlich entlang unterschiedlicher religiöser Orientierungen verlaufen, ist dieses Wissen um diese Traditionen nötiger denn je. Denn wenn die Beweggründe der dem »christlichen« Westen feindselig gegenüberstehenden Kräfte transparenter werden sollen, muss eine eigene Position gesucht und gefunden werden. Gerade der Herausforderung durch den Islamismus, der eine »Bruderreligion« des Christentums in politische Geiselhaft genommen hat, steht der inzwischen säkulare Westen auch deshalb so hilflos gegenüber, weil sein eigenes traditionelles Wertesystem zusammengebrochen ist.

An seine Stelle ist eine zwar universelle, grellbunt-laute, aber austauschbar-belanglose »McDonaldisierung« getreten, die alles andere als sinnstiftend ist. Was also spricht dagegen, sich wenigstens fundamentale Kenntnisse über das Christentum anzueigenen? Abseits von süßlicher Weihnachtsromatik und Hollywood-Klischees gibt es dabei viele interessante Details zu entdecken.

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Mit dem Ihnen vorliegenden Bändchen jedenfalls versuche ich, Sie möglichst vorurteilsfrei mit den Grundlagen der christlichen Religion und Geschichte vertraut zu machen, ohne dabei die bequeme Schwarz-Weiß-Schablone anzulegen. Werbung und unkritisches Verständnis für die Religion erwartet Sie dabei nicht, metaphysisch-spekulative Abschweifungen ebensowenig.

Es geht also nicht um Sinn oder Unsinn eines Glaubensbekenntnisses, sondern um seine Erscheinungsform und Wirksamkeit in Vergangenheit und Gegenwart. Und dies gewissermaßen im Schnelldurchlauf. Dass dabei wieder vieles an (auch durchaus wichtigen) Fakten unberücksichtigt bleibt, mögen Sie mir bitte nachsehen. An diesen Stellen bleiben Sie gefordert, weiter nachzuschlagen, nachzulesen, nachzufragen und nachzuschauen, um gegebenenfalls noch mehr über ein Bekenntnis zu erfahren, welches auch nach 2000 Jahren immer noch die weltweit erfolgreichste Religion ist. 

Auszug aus dem Buch "Christliche Kultur und Geschichte" von Peter Ortag, das hier bestellt oder online gelesen werden kann.

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