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Islamische Kultur und Geschichte

Ein Überblick
Der Islam ist die jüngste und nach wie vor vitalste der drei monotheistischen Weltreligionen. Aber im Gegensatz zum modernen Christentum und der jüdischen Religion fordert der Islam bis heute nicht nur die geistige, sondern auch die weltliche Unterordnung.
Pilger in Mekka, im Hintergrund die heilige Kaaba; Foto: Ali Mansuri <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons">CC-BY-SA</a>

Fast täglich tauchen Schlagworte wie Islam oder Islamismus in den Nachrichten auf. Meist unter negativen Vorzeichen, denn in den dazugehörigen Meldungen geht es fast immer um Terror, Anschläge, Krieg, Ausschreitungen, Rückständigkeit oder Menschenrechtsverletzungen.

Die Trennung dieser politischen Themen von religiösen Hintergründen fällt umso schwerer, da der Islam nicht zwischen weltlichen und religiösen Dingen unterscheidet. Für den Außenstehenden ist es deshalb schwer, ein differenziertes und objektives Bild vom Islam zu gewinnen.

 

Bildergalerie
Sieger der Geschichte: Eine umfangreiche Studie des renommierten Pew Research  Centers  prognostiziert  ein ungebrochenes,  überdurchschnittliches Wachstum des Islam. Die übrigen Religionen  bleiben  weit  dahinter zurück. (Quelle: Peter Ortag, Islamische Kultur und Geschichte)
Die Mehrzahl der gegenwärtig rund 1,6 Milliarden Muslime weltweit lebt in Süd- und Südostasien. Allein in den vier Ländern mit der höchsten Anzahl von Menschen, die sich zum Islam bekennen (Indonesien, Pakistan, Indien und Bangladesch) gibt es mit über 683 Millionen Moslems deutlich mehr Gläubige als in den 22 Staaten der Arabischen Liga zusammen (etwa 370 Millionen Muslime). Besonders im eigentlich überwiegend hinduistisch geprägten Indien nimmt der muslimische Bevölkerungsanteil stetig zu (1983: 10,7 %, 2011: 13 %). Großes Wachstumspotential hat der Islam auch noch in Afrika südlich der Sahara. In Amerika, Australien und Ozeanien hingegen ist die Religion nur relativ gering vertreten. (Quelle: Peter Ortag, Islamische Kultur und Geschichte)
Auch in den kommenden Jahrzehnten bleibt  der  Islam  die  erfolgreichste Glaubensgemeinschaft.  Alle  anderen Religionen  stagnieren  oder  werden sogar  Anhänger  verlieren.  Um  2070 könnte  es  auf  der  Welt  gleichviele Christen und Muslime geben, und bis zur Jahrhundertwende wird der Islam möglicherweise die mitgliederstärkste Religion auf der Welt sein.  (Quelle: Peter Ortag, Islamische Kultur und Geschichte)
Kein »Haus des Friedens«: Die islamische Welt in Afrika und Nahost ist durch eine Vielzahl von Spannungsherden gekennzeichnet. Zwischen vielen Nachbarstaaten gibt es ungelöste Grenzstreitigkeiten, und vielfach mischen sich ethnische und eligiöse Konflikte zu einem scheinbar unlösbaren Ganzen. (Quelle: Peter Ortag, Islamische Kultur und Geschichte)
Befragt nach der Richtigkeit der These, dass der Islam zu Deutschland gehöre, äußerten sich die Deutschen bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts 2015 überwiegend ablehnend. (Quelle: Peter Ortag, Islamische Kultur und Geschichte)

Der Islam ist die jüngste und nach wie vor vitalste der drei monotheistischen Weltreligionen. Aber im Gegensatz zum modernen Christentum und der jüdischen Religion fordert der Islam bis heute nicht nur die geistige, sondern auch die weltliche Unterordnung. Schon in dieser Zeit und in dieser Welt soll das Reich Gottes erschaffen werden, sollen möglichst viele Völker im »Dar al-islam«, dem »Land des Islam«, leben. Die anderen Menschen freilich verharren noch unbefreit im »Dar al-harb«, dem »Land des Krieges«.

Mohammed, Prophet und Stifter des Islam, trat in der tiefen Überzeugung auf, die Menschheit endlich auf den rechten Weg zu führen. Er wollte das Werk, das vor ihm Abraham, Mose und Jesus begonnen hatten, erfolgreich zu Ende bringen. Obwohl der Siegeszug der Muslime mit dem Schwert begann und auch Mohammed das Schwert als legitimes Mittel zur Weiterverbreitung des Glaubens ansah – der Islam respektiert den Glauben der Anderen.

Als »Ahl al-kitab«, »Volk des Buches«, konnten Christen wie Juden zumindest Duldung einfordern. Eine Duldung, wie sie das Christentum seinen brüderlichen Religionen lange Zeit strikt verweigerte.

Schreckensvision für das christliche Europa

Dennoch blieb der Islam für das christliche Europa immer eine Schreckensvision. Ob 732 bei Tours und Poitiers oder 1529 vor den Toren Wiens – immer wieder wurde das grüne Banner des Propheten zu einem roten Tuch für das »Abendland«.

In der Gegenwart schließlich hat dieser Konflikt eine neue, umfassende, ja unfassbare Dimension angenommen. Einigermaßen ratlos steht der inzwischen eher den weltlichen Dingen zugewandte Westen dem ungebrochen expansiven Glauben der Muslime gegenüber, den er, so scheint es, weniger versteht als je zuvor.

Zu diesem Unverständnis tragen auch Unduldsamkeit und Fanatismus bei, mit dem sich in den letzten Jahrzehnten der Begriff Islam immer wieder verbindet, sei es durch die theokratischen Regimes im Iran oder in Afghanistan, sei es durch die barbarischen Selbstmordattentate auf das World Trade Center, in Nahost oder im Irak.

Längst hat der offene Konflikt auch Europa erreicht. Länder mit traditionell hohem Anteil von Muslimen wie Frankreich und Großbritannien stehen vor dem Scheitern ihrer Integrationsmodelle, und auch in Deutschland muss man zunehmend erkennen, dass man bisher nicht mit, sondern neben den hier ansässigen Moslems lebt.

Stehen wir also wirklich vor einem finalen Zusammenstoß der Zivilisationen? Die allabendliche Nachrichtenlage scheint dies in immer neuen Varianten zu bestätigen.

Höchste Zeit also, mehr zu erfahren über diese Religion – jenseits von mehr oder weniger begründeten Ängsten, aber auch von verklärender Orient- und Multikulti-Romantik.

Es geht darum, Verständnis zu wecken für eine im Grunde tief humanistische und ernsthafte Welt-Sicht, die uns in vielem fremd, aber auch nahe ist.

Die Entwicklung dieses Glaubens ist eingebettet in eine sich stark verzweigende Historie. Auf diese wird in gebotener Knappheit hingewiesen, vor allem, um aktuelle Ereignisse transparenter zu machen. Ziel ist es, durch Wissen mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Islam zu erreichen. Und neuen Mut zu machen, vorurteilsfrei und offen mit den Trägern dieser Religion umzugehen.

Auszug aus: Peter Ortag, "Islamische Kultur und Geschichte", überarbeitete und korrigierte Auflage 2016

 

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Kommentare

Die Karte im Abschnitt "Islam

Die Karte im Abschnitt "Islam heute", stärkt wiedermal die eurozentrische Sichtweise, der Islam sei mit Terrorismus und Konflikten verbunden. Für mich ist die Karte zu undifferenziert dargestellt.
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Neuauflage Islamische Kultur und Geschichte

Die überarbeitete und aktualisierte Neuauflage des Buches von Peter Ortag "Islamische Kultur und Geschichte" wird im Juli 2016 erwartet. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Landeszentrale.

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Informativ mit Schwächen

Dieser Beitrag ist in kurzer und prägnanter Form informativ und trägt zum Verständnis über den Islam bei. Jedoch stolpterte ich auf nahezu fast jeder Seite über Rechtschreibfehler. Bei einer weiteren Auflage sollte dies vielleicht überarbeitet werden. 

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Überarbeitung

Hallo Nico, danke für den hilfreichen Kommentar. In der Online-Version beheben wir die Fehler umgehend. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Landeszentrale

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