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Kurze Geschichte des märkischen Glaubens

Einen Rat zum Umgang mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen hat der Alte Fritz hinterlassen: »Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der fiscal nuhr das auge darauf haben, das keine der andern abruch Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden!«

Die Trauung des Augustinermönches Martin Luther mit der aus dem Kloster Nimbschen geflohenen Nonne Katharina von Bora war alles andere als ein normaler Vorgang des Jahres 1525. Diese Hochzeit hat Geschichte geschrieben. Seit der Reformation hat das evangelische Pfarrhaus in der geistigen, sozialen und politischen Kultur Deutschlands eine bedeutende Rolle gespielt, wie drei kurze Erinnerungen zu den Brandenburger Pfarrhäusern von Mittenwalde, Lobetal und Schwante zeigen.

Mittenwalde. Paul Gerhardt, der Dichter des berühmten Sommergesangs »Geh aus mein Herz und suche Freud« war seit 1651 Pfarrer in Mittenwalde. Als er diesen Dienst antrat, lag das Ende des Dreißigjährigen Krieges erst drei Jahre zurück. Bis heute zählt Paul Gerhardt zu den berühmtesten Lieddichtern des deutschsprachigen Raums. Selbst Johann Sebastian Bach griff auf seine Texte zurück. Ganz offensichtlich inspirierten den Theologen seine Mittenwalder Erfahrungen und Begegnungen zum weiteren Dichten. Denn in dem 1653 von Johann Crügers in fünfter Auflage herausgegebenen Gesangbuch fanden sich 64 neue Lieder. Lobetal.

Lobetal. Am Abend des 30. Januar 1990 rollten zwei schwarze Limousinen vor das Lobetaler Pfarrhaus. Die Wagen hielten, ein gebrechlicher Mann stemmte sich aus einem Wagen, gefolgt von seiner Frau. Aufgebrachte Bürger und sensationsheischende Journalisten folgten Erich und Margot Honecker, die nun ausgerechnet in einem Pfarrhaus Zuflucht fanden. Über Wochen belagerten sie das Haus und beschimpften Pfarrer Uwe Holmer für sein Erbarmen. Doch naiv waren die Pfarrersleute nicht. Sie hatten die Verbrechen der vergangenen Jahrzehnte nicht vergessen. Dennoch nahmen sie die Honeckers auf, bis sie am 3. April 1990 nach Beelitz in ein sowjetisches Militärhospital gebracht werden.

Schwante. Noch bevor sich das Land am Glück des Mauerfalls berauschte und längst abgeschriebene Hoffnungen ins Kraut schossen, versammelten sich am 7. Oktober 1989 im Pfarrhaus von Schwante 43 Frauen und Männer, um etwas geradezu Unglaubliches zu wagen. Sie waren zusammengekommen, um eine Sozialdemokratische Partei in der DDR zu gründen. Markus Meckel, Martin Gutzeit, Stephan Hilsberg, der später als IM enttarnte Ibrahim Böhme, Harald Seidel und viele andere trugen dazu bei, dass die 43 Jahre währende Zwangsunterbrechung sozialdemokratischer Politik in Ostdeutschland an diesem Tag endete.

Der geistige Freimut, der zur Gründung der SPD in Schwante führte, die gelebte Barmherzigkeit, die in der Aufnahme der Honeckers im Lobetaler Pfarrhaus erkennbar wurde, und die in Paul Gerhardts Liedern anklingende Tiefendimension einer mit Gott im Zwiegespräch stehenden Existenz bebildern die christliche Prägung Brandenburgs. Gleichzeitig werfen diese Erinnerungen ein kleines Schlaglicht zurück auf die epochalen Umbrüche der Jahre 1989 /1990. Sie zeigen, welche besondere Rolle der Evangelischen Kirche in der DDR zugewachsen war. Die Offenheit gegenüber den oppositionellen Gruppen, die Montagsgebete und die klare Ablehnung jeder Form von Gewalt haben den Charakter der »Friedlichen Revolution« entscheidend geprägt. Dass sehr viele Brandenburgerinnen und Brandenburger einen Anteil an dieser einzigen geglückten deutschen Revolution hatten, bietet Anlass zu berechtigtem Stolz auf das Erreichte, aber vor allem zu großer und tiefer Dankbarkeit.


Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden

Inzwischen zählt der Herbst 1989 zu unserer Landesgeschichte. Ein Vierteljahrhundert nach der Gründung des Bundeslandes Brandenburg lassen sich die Spuren der Säkularisierung und vor allem die Ergebnisse der religionsfeindlichen SED-Politik in Zahlen wahrnehmen. Knapp 80 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger Brandenburgs leben statistisch gesehen areligiös; sie sind nicht kirchlich gebunden.

Etwa 500.000 Bürgerinnen und Bürger gehören einer Religionsgemeinschaft an. Damit bringen 20 Prozent der 2,5 Millionen Brandenburger ihre religiöse Haltung durch ein Mitgliedschaftsverhältnis zum Ausdruck. Die bei weitem größte Gruppe der religiös gebundenen bilden mit knapp 400.000 Mitgliedern die evangelischen Christen.

 

Doch auch die Katholiken, die Neugründung jüdischer Gemeinden, die jüngst eingerichteten Jüdischen Studien an der Potsdamer Universität, die Existenz einer buddhistischen Klosterschule in Päwesin oder die Al Farouk Moschee Potsdam belegen, dass unsere Gesellschaft nicht nur areligiöser, sondern zugleich auch vielfältiger und multireligiöser geworden ist.

Es ist damit zu rechnen, dass die steigende Zuwanderung von Flüchtlingen nach Brandenburg unsere Gesellschaft zukünftig noch vielfältiger und multireligiöser machen wird. Dabei darf man durchaus gespannt sein, wie sich religiös geprägte Menschen und brandenburgische Atheisten und Agnostiker begegnen werden. Ebenso interessant ist die Frage, ob das christliche Erbe nach und nach einfach verschwindet oder wir eine Renaissance des Christentums erleben werden.

Der Alte Fritz hat uns mit einer Randverfügung vom 22. Mai 1740 zumindest einen Rat zum Umgang mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen hinterlassen: »Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der fiscal nuhr das auge darauf haben, das keine der andern abruch Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden!«


Starke Gemeinschaften

Wer nach den Wurzeln der christlichen Kultur in unserer Region forscht, stößt auf die Bedeutung der Mönche und ihrer Klostergemeinschaften. Der Brandenburger Dom, die Wiege der Mark, steht als steinerner Zeuge in der Landschaft. Im Jahre 1147 berief der letzte Wendenfürst Pribislaw acht Prämonstratenser aus Leitzkau nach Brandenburg an der Havel. Diese ließen sich vorerst auf einem Gebiet der heutigen Altstadt nieder. Die Prämonstratenser bildeten ab 1161 das Brandenburger Domkapitel. Im Jahre 1165 zog der Konvent auf die Dominsel um und legte dort den Grundstein zum heutigen Dom.

Über den Brandenburger Dom hinaus sind die Mönchs- und Nonnenklöster untrennbarer Bestandteil der Besiedlungsgeschichte der Mark. Insbesondere die Zisterzienserklöster trugen zur Kultivierung des Landes bei. Allein zwischen 1200 und 1250 entstanden etwa 160 Zisterzienserinnenklöster im deutschen Sprachraum. In Brandenburg kann man in Heiligengrabe, Chorin, Doberlug-Kirchhain, Lehnin, Himmelpfort, Ziesar, Marienfließ und Neuzelle auf den Spuren der Zisterzienser wandeln und noch heute über ihre Lebenstüchtigkeit staunen. Die klösterlichen Lebensgemeinschaften schufen landwirtschaftliche Musterbetriebe und förderten den Obst- und Weinbau. Die Pferde- und Fischzucht sowie der Wollhandel gaben Zeugnis von der hochmittelalterlichen Kultur.

Der gotische Baustil, anfangs nur zögernd übernommen, fand nicht zuletzt durch die Zisterzienser auch in Deutschland Verbreitung. An den Klosterruinen von Chorin kann man das noch heute erkennen. Die Mönche arbeiteten mit liturgischen und theologischen Handschriften. Ihre Klöster waren zentrale Orte des Wissens und der Bildung.


Reformation und Toleranz

Während der Beginn der Reformation in Wittenberg mit dem Anschlagen der 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche verbunden wird, war die Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg eher ein stiller Verwaltungsakt. Beinahe unbemerkt fand am 1. November 1539 in der Spandauer Nikolaikirche eine lutherische Abendmahlsfeier in Gegenwart des Kurfürsten Joachim II. und einiger Adliger statt. Nur wenige Tage später korrespondierte der Kurfürst mit Martin Luther und legte diesem eine neue Kirchenordnung zur Begutachtung vor. Das Vorwort habe er – wie er später bestätigte – mit eigener Faust verfasst. Diplomatisch geschickt lobte Luther insbesondere das Vorwort und kritisierte die geplante Beibehaltung der Prozessionen sowie den geplanten Umgang mit den Sakramenten.

Luthers Interventionen blieben gleichwohl ohne Wirkung. Denn parallel zur Anfrage bei Luther hatte sich Joachim II. als treuer Kurfürst direkt bei Kaiser Karl V. die Genehmigung dieser Ordnung erbeten. Sobald die kaiserliche Zustimmung vorlag, ließ er die neue Kirchenordnung für das Kurfürstentum im Jahre 1540 veröffentlichen. Damit war der Übergang zum evangelischen Glauben vollzogen.

Ebenfalls bemerkenswert ist der Wechsel von Kurfürst Johann Sigismund (1572–1619) vom lutherischen zum reformierten Bekenntnis im Jahre 1613. Die Motive für diese Entscheidung waren keinesfalls allein religiöser Art. Sicherte sich der Kurfürst doch so die Unterstützung der calvinistischen Kurpfalz und der Niederländer beim Kampf ums rheinische Erbe. Geradezu revolutionär war allerdings die Entscheidung des Kurfürsten, seiner Bevölkerung das Beibehalten des lutherischen Glaubens zu erlauben.

Damit verließ er den damals üblichen Grundsatz cuius regio, eius religio, der besagte, dass derjenige, der eine Region als Fürst beherrsche, auch das Bekenntnis seiner Bürger bestimmen könne. Damit war Johann Sigismund der erste europäische Fürst, der seinen Bürgern einen gewissen Grad an Glaubensfreiheit ermöglichte, auch wenn die Katholiken damals noch außerhalb dieser Glaubensfreiheit blieben.

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer unserem heutigen Verständnis entsprechenden Religionsfreiheit verbindet sich mit dem Edikt von Potsdam. Im Potsdamer Stadtschloss unterzeichnete Kurfürst Friedrich Wilhelm am 8. November 1685 das folgenreiche Dokument. Seine Entscheidung wurde zum Ausgangspunkt einer segensreichen Einwanderungspolitik und belegt zugleich einen toleranten Pragmatismus. Das Edikt richtete sich an die französischen Hugenotten. Sie waren, wie der Kurfürst, Anhänger des Reformators Calvin, und wurden als religiöse Minderheit im katholischen Frankreich verfolgt. Im Oktober 1685 verbot der französische König den Hugenotten die Ausübung ihres Glaubens. Eine Auswanderungswelle setzte ein.

Der Kurfürst versprach sich von der Zuwanderung viele Vorteile. Seine durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkerten Länder benötigten dringend neue Siedler. Riesige Landstriche lagen brach, viele Orte waren verwüstet. Das Land brauchte Spezialisten auf westeuropäischem Niveau. Der Kurfürst bot den Hugenotten Privilegien: zunächst mietfreies Wohnen, dann schuldenfreie Grundstücke, kostenloses Baumaterial und die Befreiung von vielen Steuern und Verpflichtungen. Etwa 20.000 Hugenotten folgten der Einladung. Die Refugiés waren hochqualifizierte Gärtner, Landwirte oder Handwerker.

Auf den Tag genau zum 300. Reformationsjubiläum wurde in der Potsdamer Garnisonkirche die Lösung eines  innerevangelischen Konfliktes erprobt und praktisch umgesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Reformierte und Lutheraner nicht gemeinsam Abendmahl feiern. König Friedrich Wilhelm III. war davon persönlich betroffen. Da seine Frau anders als er dem lutherischen Bekenntnis angehörte, war es dem Paar bis zum frühen Tod von Königin Luise nicht möglich gewesen, gemeinsam das Heilige Abendmahl zu empfangen. Der König wollte die Überwindung dieser Spaltung und wandte sich mit einem Unionsaufruf an seine Bevölkerung. Die angestrebte Union von Reformierten und Lutheranern wurde am 31. Oktober 1817 mit einem gemeinsamen Abendmahl der königlichen Familie, des Hofes und der Militär- und Zivilgemeinde in der Garnisonkirche vollzogen.


Barmherzigkeit

Im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein atemberaubendes Wachstum der deutschen Großstädte. Mit dem Zuzug zahlreicher Menschen in die größer werdenden Städte verbanden sich neue soziale Herausforderungen für die Kirchen.

Das Potsdamer Oberlinhaus ist ein Beispiel für die diakonischen Aktivitäten. Seine Gründung im Jahr 1871 geht auf die Initiative des elsässischen Sozialreformers, Pfarrer Johann Friedrich Oberlin, zurück. Ein von ihm gegründeter Verein wird zum Träger und zur Keimzelle breit angelegter diakonischer Aktivitäten. 1900 erhält das Oberlinhaus auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille für sein ganzheitliches und richtungsweisendes Konzept der Behindertenhilfe. In weniger als drei Jahrzehnten waren ein Mutterhaus, eine Poliklinik, eine Kinderkrippe, ein Krankenhaus, ein sogenanntes Vollkrüppelheim, ein Krüppelschulhaus und ein Taubstummenblindenheim entstanden. Bis zum heutigen Tag genießt das Oberlinhaus einen besonders guten Ruf als Facheinrichtung zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Schwerstmehrfachbehinderungen einer besonderen Begleitung bedürfen.


Das Jahrhundert der Angst

Der Protestantismus ließ sich ebenso wie das gesamte kaiserliche Deutschland von einer im Rückblick erschreckenden Welle nationalistischer Begeisterung in den Ersten Weltkrieg hineinziehen. Die beiden biografisch mit Potsdam verbundenen Theologen Friedrich Sigmund-Schultze (1885–1969) und Johannes Lepsius (1858–1926) zählen hierbei zu den großen und beachtenswerten Ausnahmeerscheinungen. Auch während der zwölfjährigen Herrschaft der Nationalsozialisten kam es  innerhalb der Evangelischen Kirche zu erheblichen Auseinandersetzungen. Eine Mehrheit der evangelischen Christinnen und Christen teilte die allgemein zu beobachtende Begeisterung für Adolf Hitler und schloss sich der neuen Lust an der  Volksgemeinschaft an.

Buchcover

Gleichwohl setzte sich eine starke Minderheit entschieden gegen das Übergreifen der Naziideologie in den Bereich der Kirche zur Wehr. Die Gründung eines Pfarrernotbundes und später der Bekennenden Kirche sollte ein Bollwerk gegen die sogenannten »Deutschen Christen« bilden. Die Barmer Theologische Erklärung vom 30. Mai 1934 gab dem kirchlichen Widerstand ein klares Gründungsdokument. Zahlreiche Brandenburger Pfarrer der Bekennenden Kirche wanderten in den kommenden Jahren in die Gefängnisse von Polizei und Gestapo wegen verlesener Solidaritätsbekundungen, Geldsammlungen für die Bekennende Kirche oder wegen der Fürbitte für inhaftierte Kollegen. Der systematischen Ausgrenzung, Vertreibung und schließlich dem ins Werk gesetzten Vernichtungsfeldzug gegen das jüdische Leben im Einflussbereich der Nationalsozialisten hatte die evangelische Kirche nichts Substantielles entgegenzusetzen.

Obwohl Potsdamer Einzelpersonen wie Pfarrer Günther Brandt, Dorothea Schneider, ihre Tochter Christa-Maria Lyckhage oder Baroness Maimi von Mirbach heute in Jerusalem wegen ihrer Hilfsbereitschaft als »Gerechte aus den Völkern« geehrt werden, bleibt es aufs Ganze gesehen doch bei der beschämenden Einsicht, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland im Oktober 1945 im Stuttgarter Schuldbekenntnis artikuliert wurde:

Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.«

Nach dem herbeigesehnten Kriegsende gerieten die Kirchengemeinden in der Sowjetischen Besatzungszone in schwieriges Fahrwasser. Der Neubeginn unter sowjetischer Vorherrschaft war weder rechtsstaatlich noch demokratisch gestaltet. Nach der Gründung der DDR im Jahre 1949 unternahm die SED Versuche, die Kirche vollständig aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Als dies nicht gelang, folgten weitere von politischem Druck geprägte Phasen. Dazu zählte der Kampf gegen die Jungen Gemeinden, die Einführung der Jugendweihe oder die Kampagnen zum Kirchenaustritt in zahlreichen Betrieben. In diesem Zusammenhang sind auch die rigiden Bestrebungen zum Aufbau der sozialistischen Stadtzentren zu sehen, bei denen vielfach die Überschreibung der alten Stadtgrundrisse und ihrer Kirchen bewusst in Kauf genommen wurde.

Gleichwohl vollzog sich wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen in der evangelischen Kirche von 1945 bis in die Gegenwart hinein eine Neuausrichtung im Hinblick auf das christlich-jüdische Verhältnis, die Unabhängigkeit von Kirche und Staat, die friedensethische Positionierung, die Bejahung von Menschenrechten und Demokratie sowie die Arbeit an einem geschlechtergerechteren Verhältnis von Frauen und Männern. Diese Neuorientierung zeugt von der Bereitschaft, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und neue Wege zu beschreiten. Die erkennbare und freimütige Bereitschaft zur Reform macht die Kirche für viele Menschen interessant.
 

Die Kirche im Dorf lassen

Die Rettung zahlreicher Dorfkirchen vor dem Verfall in letzter Sekunde, die Sicherungsmaßnahmen an vielen denkmalgeschützten Gotteshäusern und die damit einhergehende Bewahrung wichtiger Kulturgüter gehören zu den großen
Erfolgsgeschichten der letzten 25 Jahre. Fast immer haben Christen- und Bürgergemeinde zusammengearbeitet, damit die Kirche im Dorf bleiben kann. Eine vergleichende Bilderserie von Aufnahmen des Jahres 1989 und 2015 würde jeweils auf einen Blick verdeutlichen, wie viel Substanz bewahrt und wiederhergestellt werden konnte.

Daran gilt es anzuknüpfen, denn diese große Rettungsaufgabe ist noch nicht beendet. Es bleibt abzuwarten, wie die Brandenburgerinnen und Brandenburger mit diesem reichen geistlichen Erbe zukünftig umgehen werden. Die Voraussetzungen sind gut. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften können frei und ohne Diskriminierung ihre Religion ausüben und um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger werben. Was für ein Segen!

Martin Vogel
Aus: Das Brandenbuch. Ein Land in Stichworten. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam 2015

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