Wer hat Angst vorm Regenbogen?

Warum Diversität kein Problem, sondern die Lösung sein kann

Vortrag & Gespräch

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Collage mit Regenbogenflagge und Melanie Jaeger-Erben
© Gerd-RŸdiger Hoffmann (links) & Stephan Ršhl, CC BY SA 4.0 (rechts)

Vortrag & Gespräch mit Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben 

Eine gemeinsame Veranstaltung von Seenland-Buchhandlung und Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. im Rahmen der 36. Brandenburgischen Frauenwochen zum Thema "WTF - Wut trifft Feminismus" 
 
Es ist schon seltsam: Themen wie Migration, Gleichstellung, Klimapolitik, sexuelle Selbstbestimmung, Ökologie und Diversität werden fast ausschließlich als Probleme, als Last, für die Gesellschaft in den politischen Debatten und Medien präsentiert. Wirtschaftswachstum durch Aufrüstung erscheint dagegen immer mehr als Lösung. Wie ist das möglich? Welche Rolle spielen die weiterhin bestehenden patriarchalen Strukturen in der Gesellschaft?
 
Sicher, ohne Beachtung dieses Sachverhaltes kommt eine konsequente Kritik des gegenwärtigen Zustandes nicht aus. „Es gibt Tage, da scheint das Weltgeschehen eine deprimierende Männerveranstaltung zu sein …“, schreibt Melanie Jaeger-Erben in einem Artikel der Tageszeitung nd-Der Tag. Da könnte man schon mal wütend werden.
 
Doch sie will bei dieser Feststellung nicht stehenbleiben. Ihr geht es um eine genaue Analyse, damit die Ursachen deutlich werden und an Lösungsansätzen gearbeitet werden kann. Ebenfalls in dieser Zeitung stellt sie die Frage „Sind Männer das Problem?“ und schreibt: „Um die Probleme der Welt sinnvoll zu analysieren, braucht es einen Perspektivwechsel. Statt Schuld entlang binärer Kategorien zuzuweisen, gilt es Machtstrukturen, Systemlogiken und soziale Dynamiken hinterfragen. Warum gibt es immer noch ein Übergewicht an männlich dominierten Entscheidungsträgern? Warum haben Konzerne und Einzelpersonen so viele Möglichkeiten, Gemeingüter wie die Umwelt auszubeuten? Und warum ist es gesellschaftlich akzeptabler, mit nationalistischen Parolen Wahlen zu gewinnen als mit einem Plan für soziale Gerechtigkeit?“
 
Ihr geht es darüber hinaus also darum, die richtigen Fragen zu stellen, eben nicht nur dem Ärger Luft zu machen. Das ist auch seit Jahren der Ansatz der kulturell-politischen Bildungsveranstaltungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Senftenberg. Und dennoch, strenges wissenschaftliches Arbeiten schließt nicht aus, sich solidarisch gegenüber Betroffenen zu verhalten und gegen patriarchale Verhältnisse und Denkweisen zu protestieren. Grund für energischen Widerspruch gibt es, wenn in Senftenberg gewählte Abgeordnete mit einem Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert kommen und öffentlich ihren Widerwillen gegenüber der Regenbogenfahne zum Ausdruck bringen. (grh)
 
MELANIE JAEGER-ERBEN (geb. 1977) ist seit 2021 Professorin für Technik- und Umweltsoziologie an der BTU Cottbus - Senftenberg. Bis 2025 war sie Mitglied der Sachverständigenkommission für den vierten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. 

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