Halbe und die rechtsextremistische Propaganda

Für die Rechtsextremisten ist die Ehrung der gefallenen deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges ein wesentlicher Teil ihrer Ideologie. Sie nutzen hierfür zum einen den „Volkstrauertag“* , der in der Bundesrepublik seit 1952 zwei Sonntage vor dem 1. Advent begangen wird und bereits in der Weimarer Republik auf Vorschlag des „Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des 1. Weltkrieges am 5. Sonntag vor Ostern (Reminiscere) stattfand. Die Nationalsozialisten benannten ihn 1934 in „Heldengedenktag“ um, erhoben ihn zum Staatsfeiertag und entzogen dem „Volksbund“ die Zuständigkeit für seine Ausgestaltung.

Folglich standen nun nicht mehr das christlich geprägte Totengedenken und Trauer im Mittelpunkt sondern Heldentum, Opferwille und Kampfbereitschaft. Mit Erlass Hitlers vom 25. Februar 1939 wurde der „Heldengedenktag“ auf den 16. März als Jahrestag der 1935 erfolgten Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht verlegt. Sofern dieser Tag nicht auf einen Sonntag fiel, sollte der „Heldengedenktag“ an dem Sonntag vor dem 16. März begangen werden. Damit war der christliche Bezug vollständig gelöst und der „Heldengedenktag“ zu einem nationalsozialistischen Feiertag geworden, dessen Zweck offiziell wie folgt zum Ausdruck gebracht wurde:

Die Feiern zum Heldengedenktag sollen nicht im Zeichen der Trauer stehen, sondern Ausdruck der Stärke und des unbändigen Siegeswillens des Deutschen Volkes sein. Unser Heldengedenken an diesem Tage soll weniger vom Tode unserer Gefallenen, als mehr von der Größe ihrer Leistungen und ihrer Opfer zeugen.“ **

Diese Tradition haben die Rechtsextremisten fortgeführt, indem sie seit 2001 jeweils am Sonnabend vor dem Volkstrauertag Aufmärsche am Waldfriedhof von Halbe zum „Heldengedenken“ unter den schwarz-weiß-roten Farben eines undemokratischen Deutschlands durchgeführt haben. Dieses Jahr haben sie den Bezug zum Nationalsozialismus noch deutlicher werden lassen, indem sie sich in Halbe auch an dem Sonnabend vor dem 12. März versammelt haben. Der 12. März ist sowohl der Sonntag Reminiscere als auch der Sonntag vor dem – im Jahr 2006 nicht auf einen Sonntag fallenden - 16. März. Der Website des „Freundeskreises Halbe“ , der die Aufmärsche seit 2004 propagandistisch vorbereitet, ist zu entnehmen, dass auch künftig sowohl zum „Volkstrauertag“ als auch zum „traditionellen Heldengedenktag“ in Halbe marschiert werden soll, womit die Anknüpfung an den nationalsozialistischen Staatsfeiertag deutlich wird.

Inhaltlich stehen die Aufmärsche in Halbe ebenfalls in der Tradition des nationalsozialistischen „Heldengedenktags“, bei dessen Begehung die Propaganda nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 besonderes Gewicht darauf legte, diese als Todfeind des nationalsozialistischen Deutschlands zu dämonisieren. Die Deutsche Wochenschau (655/14/1943) berichtete über die Begehung des Feiertags 1943 wie folgt:

In seiner Rede wies der Führer auf die gigantischen Vorbereitungen hin, die der Bolschewismus zur Vernichtung Europas getroffen hatte. Die Millionen Massen aus den Steppen des Ostens wälzten sich in satanischer Zerstörungswut gegen diesen Kontinent. Dass diese Gefahr von Europa abgewendet wird, ist allein das unvergängliche Verdienst jener Soldaten, derer wir heute gedenken. Heute erfüllt uns allein Liebe zu unserer Heimat zu unserem Volke und brennender Hass gegen jeden Feind.“

Dieser von den Nationalsozialisten geschürte Hass auf den früheren Feind wird beim „Heldengedenken“ in Halbe weiter gepflegt. Die „Deutsche Nationalzeitung“ berichtete unter dem 13. August 2006, der Kampf der deutschen Soldaten im Kessel von Halbe sei „heldenhaft“ gewesen, weil mit dem geglückten Ausbruch viele deutsche Soldaten vor der „stalinistischen Vernichtungsgefangenschaft“, der „mörderischen Deportation in Todeslager des Gulag“ und „abertausende Frauen und Kinder vor martervoller Schändung und vor Ermordung“ bewahrt worden seien. Während des Aufmarsches in Halbe am 13. November 2004 äußerte sich ein Redner über die im Kessel kämpfenden Soldaten ganz im nationalsozialistischen Geist wie folgt:

Sie kämpften, um das Leben von deutschen Frauen und Kindern, von Greisen und Babys zu schützen. Denn sie mussten gegen einen Feind antreten, der vielleicht ein menschliches Antlitz trug, der aber mordete, schändete, brandschatzte, der Kinder vergewaltigte, Greise an Scheunentore nagelte…dem kein Haus, nichts heilig war, keine Kirche, keine Grabstätte. Sie wussten: Hier ging es um die Existenz nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas. Und sie haben doch gesiegt! Denn die Bolschewisten sind nicht über die Elbe hinausgekommen…“
RBB. Brandenburg Aktuell vom 13. November 2004
 

 Erardo und Katrin Rautenberg



 

* Siehe dazu Thomas Peter Petersen, Die Geschichte des Volkstrauertages, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, 2. Auflage, Kassel 1998;
Verfassungsschutz des Landes Brandenburg, Die Glorifizierung des sinnlosen Sterbens. Datum und Bedeutung des „Volkstrauertages“ und des „Heldengedenktags“. Online-Publikation vom 9. März 2006

**Gauring-Mitteilungsblatt, Propaganda und Kultur, 1944, zitiert nach: Fritz Schellack: Nationalfeiertage in Deutschland 1871 bis 1945. Frankfurt a.M. 1990, S. 345

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