Frauen in der rechten Szene

Der Anteil von Frauen in der rechtsextremen Szene steigt. Ihr Einfluss wird oft unterschätzt, da er meist nicht sofort erkennbar ist. Eine neue Generation von Rechtsextremistinnen agiert im Hintergrund und stärkt die Organisation.

Screenshot Landeszentrale / Quelle: Youtube

Rechtsextremismus gilt noch immer als Männerdomäne. Der Eindruck entsteht zum einen vor dem Hintergrund der registrierten Gewalt- und Strafdelikte: 90 bis 95 Prozent der rechtsextremen Straftaten werden von Männern begangen. Zum anderen sind die Funktionsspitzen in Parteien und Gruppen der Szene überwiegend männlich besetzt. Frauen in Führungspositionen machen dagegen nur ein Drittel aus, von den Parteimitgliedern nur bis zu 20 Prozent.

In Brandenburg ist nach amtlichen Angaben die Zahl der Rechtsextremistinnen auf rund 300 gestiegen. Davon sind neun Prozent gewaltbereit (Stand: Oktober 2012).

Dennoch bezeichnen Experten den Einfluss von Frauen in der rechtsextremen Szene als groß. Dabei sind es offenbar weniger die offiziellen Organisationen wie der "Ring Nationaler Frauen", die besonders aktiv sind, sondern im Hintergrund spielen vor allem junge Frauen eine vielfältige Rolle.

Betrachtet man zunächst den NPD-nahen "Ring Nationaler Frauen" (RNF), so scheint die Lage instabil. Noch im Oktober 2010 kündigte die Bundes-NPD auf ihrer Homepage an: "NPD-Frauenorganisation stellt sich personell breiter auf". Doch gab die damalige Bundesvorsitzende Edda Schmidt bereits einige Monate später die Arbeit auf. Und die noch im Frühjahr 2012 in den RNF-Bundesvorstand gewählte Jasmin Apfel - Frau des NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel - trat im Sommer 2012 von diesem Posten zurück.*

Nicht viel gefestigter stellt sich die Lage beim RNF Brandenburg dar. Nach dessen Gründung im Frühjahr 2009 wurden keine 20 Aktivistinnen gezählt. Nach Schätzungen des Verfassungsschutzes lag die Zahl 2012 unter 10 Mitgliedern. Ob die Vereinigung noch von Manuela Kokott geführt wird, ist ebenfalls unklar. Sie ist Schatzmeisterin der NPD Brandenburg und Mitglied im Kreistag Oder-Spree. Sie bewarb den RNF so: "Das Volk darf nicht länger aus Washington, Brüssel oder dem Zentralrat der Juden bevormundet werden." Dort, wo die NPD Brandenburg auf ihrer Homepage den NPD-Landesvorstand vorstellt, wird Kokott jedoch nicht mehr mit dem RNF in Verbindung gebracht.

Dass der RNF insgesamt von der Bundes-NPD wohl kaum als wichtiger Akteur in der Szene eingeschätzt wird, zeigen auch entsprechende Verknüpfungen auf der NPD-Homepage. Dort führt das RNF-Logo zwar tatsächlich zur Adresse ring-nationaler-frauen.de. Aber dort findet man dann keine NPD-Kämpferinnen unter dem Motto: "Frauen für Deutschland", sondern unter anderem recht einschlägige Angebote für (NPD-) Männer: "Russische Frauen", "Thailändische Ehefrau", "Polens schöne Töchter" und "Last Minute Thailand bis -90%".

Die Natur hat sich was dabei gedacht, dass es Mann und Frau gibt und der Frau ist auch entsprechend zugewiesen worden, dass sie entsprechend Kinder erziehen soll.“ Brandenburgs NPD-Vorsitzender Klaus Beier zur Rolle der Frau in der Gesellschaft*

Die rechtsextremistische Ideologie reduziert Frauen auf die Rolle der Mutter und Gefährtin des Mannes in der "Volksgemeinschaft". Dennoch hält dies junge Frauen und Mädchen nicht davon ab, sich der Szene anzuschließen.

Warum werden Mädchen rechtsextrem?
"Viel läuft über das, was ich den "Action-Moment" nenne: Junge Mädchen wollen rebellisch sein - dann erleben sie rechtsextreme Musik und Konzerte, und ihr Interesse ist geweckt."
Renate Feldmann im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

Die Journalisten Renate Feldmann* hat zahlreiche Bereiche recherchiert, in denen junge Frauen die Szene erheblich stärken: "Sie sorgen zum Beispiel für eine reibungslose Logistik. Weil sie unauffälliger sind, also scheinbar ungefährlich, mieten sie Räume für Versammlungen und Konzerte, führen Telefonate, eröffnen Konten und Postfachadressen, verkaufen rechte Waren bei eBay oder melden Aufmärsche an. Einige spitzeln auch in der linken Szene, denn den meisten sieht man ihre Gesinnung nicht an."

Neben völkischen Frauen in wallenden Kleidern oder brüllenden Glatzkopf-Mädchen kleiden sich rechtsextreme junge Frauen inzwischen wie andere Jugendliche auch: im Gothic-Look, Techno-Style, mit auffälligen Piercings oder Palästinensertüchern. Mit ihrem Auftreten haben sie das Potential, die rechtsextreme Szene zu verändern. Frauen werden bereits gezielt eingesetzt, um der Bewegung ein freundlicheres Image zu verleihen.

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www.kriegerin-film.de

Jung, weiblich, rechtsradikal. Marisa (20) ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld.

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat den Film in verschiedenen Orten in Brandenburg gezeigt.


Landeszentrale, Oktober 2012

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