„Bezwingende Schärfe, schonungslose Kälte, großartige Schilderung von Zuständen“ – das Urteil der Neuen Berliner Zeitung – Das 12-Uhr-Blatt nach der Premiere von „Cyankali“ im September 1929 fiel überschwänglich aus. In seinem Stück stellte sich der Arzt, Dramatiker und Humanist Friedrich Wolf entschieden gegen den Abtreibungsparagraphen 218 des Reichsstrafgesetzbuches. Fast 100 Jahre später fiel der Stoff Anna Stiede in die Hände. Die 1987 in Jena geborene Darstellerin, Performancekünstlerin und Politologin war nach eigenen Angaben „total baff“ angesichts Friedrich Wolfs progressiver Position zu Abtreibung und Frauenrechten war. Anna Stiede machte sich an eine Neubearbeitung, die nun, am 5. Juli, im Friedrich-Wolf-Literaturhaus zu sehen sein wird.
Wild, präzise und zeitlos ist ihre Version, die in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerkollektiv Panzerkreuzer Rotkäppchen und in Kooperation mit der Bundestagsabgeordneten Katalin Gennburg (Die Linke) entstanden ist. Ihr Stück zieht eine eindringliche Linie von den Kämpfen arbeitender Frauen in der Weimarer Republik bis in unsere Gegenwart und beleuchtet, wie sehr das Recht auf Schwangerschaftsabbruch den Fortschritt politischer Verhältnisse spiegelt.
Im Zentrum stehen Erfahrungen von Frauen mit ostdeutscher Biografie – Frauen, die in der DDR unter einer diesbezüglich liberaleren Gesetzgebung ein höheres Maß an körperlicher Selbstbestimmung kannten, und die mit dem Ende der DDR ein Recht verloren, das für sie selbstverständlich war.
Die Veranstaltung wird gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
Weitere Details zur Aufführung:
Ort: Wolf-Bühne im Garten des Friedrich-Wolf-Literaturhauses
Beteiligte: Anna Stiede (Idee, Recherche & Spiel), Susann Neuenfeldt (Regie & konzeptuelle Entwicklung), Al Titzky (Musik & Performance), Holger Duhn (Licht). In der Rolle der Hete: Ines, Traudel, Werner.
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