Vom Kommen, Gehen und Bleiben. Theatrale Forschung zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft in der Stadt Eisenhüttenstadt

Workshop

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Die heutige im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree gelegene Stadt Eisenhüttenstadt, die bis zum Tod des sowjetischen Diktators Josef Wissarionowitsch Stalin 1953 seinen Namen trug, ist seit Jahrzehnten vom Kommen, Gehen und Bleiben von Menschen aus unterschiedlichsten Gründen geprägt. Aufgrund eines Beschlusses wurde sie ab Juli 1950 als sozialistische Planstadt für das Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) nahe dem seit dem13. Jahrhundert bestehenden Ort Fürstenberg (Oder) errichtet. Diese Stadtneugründung und der städtebauliche Aufbau mit diversen Baudenkmalen macht die Stadt zu einem besonderen Bauensemble mit zunächst sieben Wohnkomplexen. Einst mit Dienstleistungseinrichtungen und Kindergärten ausgestattet handelt es sich mittlerweile aufgrund rückläufiger Einwohnerzahl und sinkenden Bedarfs durch das Stahlwerk EKO um eine „schrumpfende Stadt“.

In unserem zweitägigen Workshop begeben wir uns auf die Spuren dieser durch Wandel charakterisierten Geschichte und fragen nach den Auswirkungen auf die damals und heute hier Lebenden. Gemeinsam wollen wir erproben, wie sich künstlerische Methoden in der Geschichtsvermittlung einsetzen lassen. Was benötigen Menschen, um sich selbst entweder aktiv zu erinnern oder anhand von tradierten Erzählungen gleichsam selbst Teil dieser „Erinnerungskultur“ zu werden? Gibt es hier Unterschiede zwischen den Generationen? Und falls ja, worin genau bestehen sie? Auf jeden Fall begreifen wir „Erinnerung“ und die Auseinandersetzung mit gelebter und erfahrener Geschichte als viel mehr und im Grunde gänzlich anderes als ein zum Glück selbst in der Schule heute kaum noch übliches Repetieren historischer Jahreszahlen.

Bleibt jedoch gerade bei diesem aktivierenden Zugang zu und dem vitalen Blick auf Geschichte die Frage: Wie kommt man ins Erzählen? Und warum braucht es überhaupt Erzählungen, also Geschichten, um sinnhaftes Erinnern zu produzieren? In unserem Workshop, der auf aktive Partizipation ausgelegt ist, greifen wir auf Ansätze des biographischen Theaters mit einer besonderen Schwerpunktsetzung auf Objekte zurück.

Ziel unseres Workshops ist es, die Teilnehmenden ganz konkret und praktisch mit Methoden der künstlerischen Forschung zu politisch-historischen Themen bekannt zu machen. 

Dafür werden alle Teilnehmenden vor Beginn des Workshops aufgefordert, einen Gegenstand auszusuchen und mitzubringen, der in ihren Augen mit dem Thema Kommen, Gehen und Bleiben in Eisenhüttenstadt zu tun hat. Dies kann eine Fahrkarte sein, ein Ausweis mit Meldeadresse „Stalinstadt“, aber auch eine Kohlenschaufel, die nicht mehr benötig wurde, weil die neue Wohnung über Fernwärme verfügte - oder ein Bild des Hauses auf der polnischen Seite der Oder, das nach dem 2. Weltkrieg verlassen wurde. 

Diesen Gegenstand wollen wir dann im Rahmen des Workshops künstlerisch erforschen und mit den Mitteln des Objekttheaters wie des biographischen Theaters zum Sprechen bringen, das heißt, die Geschichten, die sich in den Gegenständen verbergen, ins „Offene“ holen.

Zielgruppe 

Unser Workshop-Angebot richtet sich an alle, die sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts, in- aber auch außerhalb der Stadt Eisenhüttenstadt auseinandersetzen, sie anderen vermitteln möchten, aus dezentralen Erinnerungsorten und Gedenkstätten kommen oder sich ehrenamtlich in dem Feld engagieren. 

Die Teilnehmendenzahl ist auf 20 begrenzt.

Ablauf

1. Ein Input mit Beispielen des Theaterregisseurs Kai Schubert (Partizipation und/oder künstlerische Projekte, in denen es um Geschichtliches geht: Herzberg, Fechenbach-Projekt)

2. Thematischer Input mit Bezug zur Stadt Eisenhüttenstadt - anhand von 3 Objekten. Daran schließen sich gemeinsame Übungen unter Einbeziehung der von den anderen Teilnehmenden mitgebrachten Objekte an. Gemeinsam nähern wir uns der großen Frage nach den Voraussetzungen von „Erinnerung“, setzen uns aber auch mit allen weiteren, im Verlauf des Workshops entstehenden Fragen auseinander. So könnte sich beispielsweise die Frage ergeben, wie man sich in andere Zeitschichten hineinversetzen kann, ob das überhaupt erstrebenswert ist und nicht zuletzt welchen geschützten Raum es braucht, um angesichts teilweise hoch emotional verhandelter Geschichte überhaupt die eigene Stimme zu finden.

Von den Teilnehmenden mitgebrachte Objekte dienen als Scharnier zwischen der Geschichtswissenschaft, wo es als Wissensträger fungiert, und dem Objekttheater, in dem es darum geht, die Objekte zum Leben zu erwecken und durch die Animation die in ihm steckende Geschichte zu „befreien“. Bei dieser Art der künstlerischen Erforschung der Objekte und dem Erlernen von Methoden und Strategien werden Spielmomente und Miniaturszenen entstehen, die die Teilnehmenden dann als Teil ihres Repertoires in die eigenen politisch-kulturelle Bildungspraxis einbauen können.


Kooperationspartner: Netzwerk Zeitgeschichte. Gedenkstätten – Forschung – Zivilgesellschaft (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) und Plattform Kulturelle Bildung (Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte)

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