Do you speak TikTok?

Eine Handreichung für Eltern und Bezugspersonen

TikTok gehört für viele Jugendliche längst zum Alltag – für Eltern ist die Plattform jedoch oft schwer zu durchschauen. Im Rahmen der Online-Veranstaltungsreihe „TikTok, Discord & Co. – Was Eltern wissen müssen“ hat Charlotte Lohmann einen Einblick gegeben, wie TikTok funktioniert, warum die App für junge Menschen so attraktiv ist und welche Risiken damit verbunden sein können.

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TikTok ist eine kostenlose Social-Media-Plattform, die insbesondere bei Kindern und Jugendlichen beliebt ist. Die 2018 mit der bekannten Kurzvideo-App „Musical.ly“ zusammengeführte App hat sich seitdem zu einem festen Bestandteil der digitalen Lebenswelt vieler junger Menschen entwickelt. Für viele Jugendliche gehört TikTok fest zum digitalen Alltag. 

Die JIMplus-Studie 2026 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) zeigt, dass 13 Prozent der befragten 14- bis 17-Jährigen TikTok täglich mehr als drei Stunden nutzen – der höchste Anteil intensiver Nutzung unter den untersuchten Plattformen. Auf die Frage, welche Plattform sie am meisten vermissen würden, nannten 37 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Jungen TikTok.

Für Eltern und Bezugspersonen ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Oft stellen sie sich die Frage, was so faszinierend an der App ist. Was fasziniert mein Kind so sehr daran? Wie funktioniert der Algorithmus und was wird meinem Kind angezeigt? Welchen Einfluss haben Werbung, Trends oder Influencerinnen und Influencer? Und vor allem: Wie kann ich Kinder und Jugendliche gut begleiten? 

Diese Leitfragen helfen dabei, TikTok besser zu verstehen und mit dem eigenen Kind ohne erhobenen Zeigefinger, verständlich und alltagsnah ins Gespräch zu kommen.

1. Was ist TikTok und wie funktioniert die App?

TikTok ist eine Social-Media-Plattform, auf der Nutzerinnen und Nutzer Videos ansehen, erstellen und teilen können. Die Inhalte reichen von Tanz und Musik über Lip-Sync und Comedy bis hin zu Challenges, kreativen Tutorials, Nachrichten und Lernvideos. Beliebt sind auch Formate wie „BookTok”, bei dem sich Nutzerinnen und Nutzer über Bücher austauschen. Videos können kommentiert, gelikt und geteilt werden. Filter, Musik und Effekte erleichtern die kreative Gestaltung der eigenen Videos.

Das Besondere ist der Algorithmus: Im sogenannten „Für dich“-Feed werden automatisch Videos vorgeschlagen, die zu den vermuteten Interessen der Nutzerinnen und Nutzer passen. Entscheidend ist beispielsweise, wie lange Videos angesehen, ob sie gelikt oder geteilt werden. So entsteht ein personalisierter Videostream. Durch das endlose Scrollen folgt unmittelbar ein Video auf das nächste. Das kann dazu führen, dass Jugendliche länger in der App bleiben als beabsichtigt. 

Auch unbekannte Personen können mit ihren Videos schnell große Reichweiten erzielen. Influencerinnen und Influencer nutzen diese Aufmerksamkeit unter anderem, um Produkte zu bewerben und Trends zu prägen.

Tipp: Den „Für dich“-Feed (FYP) zurücksetzen

Werden immer wieder ähnliche, unangenehme oder einseitige Inhalte angezeigt? TikTok bietet die Möglichkeit, den „Für dich“-Feed zurückzusetzen. Dadurch werden die Videoempfehlungen neu aufgebaut. 

So geht’s: Profil → Einstellungen und Datenschutz → Inhaltspräferenzen → „Für dich“-Feed aktualisieren.

TikTok ist laut Nutzungsbedingungen ab 13 Jahren erlaubt. Für Direktnachrichten gilt ein Mindestalter von 16 Jahren und für Livestreams sowie virtuelle Geschenke von 18 Jahren.

Ist mein Kind bereit für TikTok?
Neben dem Mindestalter von 13 Jahren ist entscheidend, welche Medienkompetenzen ein Kind bereits mitbringt.

Kann es …

  • Informationen hinterfragen und Werbung erkennen?
  • Privates schützen und eigene Grenzen setzen?
  • problematische Inhalte erkennen, blockieren und melden?
  • eigene Bildschirmzeiten regulieren und Pausen einlegen?
  • Hilfe holen, wenn etwas unangenehm oder beängstigend wird?


Diese Fähigkeiten müssen nicht von Anfang an vollständig vorhanden sein. Sie entwickeln sich durch Gespräche, gemeinsames Ausprobieren und eine altersgerechte Begleitung.

Kindheit ohne TikTok – geht das?
Nicht jedes Kind muss auf TikTok sein! 

Auch wenn die App im Freundeskreis beliebt ist, besteht kein Grund, möglichst früh einzusteigen. Das Mindestalter von 13 Jahren ist keine pädagogische Empfehlung. Eltern dürfen die Nutzung bewusst aufschieben und gemeinsam mit ihrem Kind entscheiden, wann es bereit dafür ist.

Tipp: Tauschen Sie sich mit anderen Eltern über gemeinsame Regeln aus. Das kann den Gruppendruck verringern. Nehmen Sie gleichzeitig die Sorge Ihres Kindes ernst, etwas zu verpassen oder ausgeschlossen zu werden. content.


2. Chancen – TikTok als kreativer Raum und Lernort

TikTok bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken, neue Interessen zu entdecken und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Sie können eigene Videos erstellen, an Trends teilnehmen und verschiedene Lebensentwürfe kennenlernen. Gleichzeitig wird die Plattform auch als Lern- und Informationsraum genutzt. So vermitteln kurze Erklärvideos beispielsweise Wissen zu Mathematik, Geschichte, Naturwissenschaften oder gesellschaftlichen Themen. Auch etablierte Wissens- und Nachrichtenangebote wie „Quarks” oder die „Tagesschau” sowie Gedenkstätten sind auf TikTok vertreten.

Jugendliche nutzen TikTok zunehmend auch als Suchmaschine, um nach Alltagstipps, Anleitungen, Empfehlungen oder Informationen zu bestimmten Themen zu suchen. Die kurzen, anschaulichen Videos können Neugier wecken, den Zugang zu komplexen Themen erleichtern und bei den Hausaufgaben helfen. Allerdings gilt: Nur weil etwas verständlich erklärt wird, ist es noch lange nicht richtig. Quellenkritik bleibt deshalb wichtig.

3. Risiken – Was Eltern wissen sollten

Desinformation und Extremismus

Falschinformationen, manipulierte Videos oder KI-generierte Inhalte können täuschend echt wirken. Auch extremistische Akteurinnen und Akteure nutzen TikTok, um mit emotionalen Botschaften, Feindbildern und einfachen Erklärungen Jugendliche anzusprechen. Der Algorithmus kann dazu beitragen, dass ähnliche Inhalte wiederholt angezeigt werden und einseitige Sichtweisen verstärkt werden.

Parasoziale Beziehungen: Durch persönliche Einblicke und direkte Ansprache können Jugendliche das Gefühl entwickeln, Influencerinnen und Influencer sehr gut zu kennen. Diese einseitigen emotionalen Beziehungen können einerseits Orientierung bieten, andererseits aber auch unkritisches Vertrauen, Konsumdruck und eine starke Beeinflussung begünstigen.

Problematische Rollenbilder: Unrealistische Schönheitsideale, Körpertrends oder stereotype Geschlechterbilder können das Selbstbild von Jugendlichen beeinflussen und ihre Erwartungen an Aussehen, Beziehungen und Verhalten prägen.

Gefährdende Kommunikation: Cybermobbing, Hasskommentare, sexualisierte Belästigung oder Cybergrooming, also die gezielte sexuelle Kontaktanbahnung gegenüber Minderjährigen, stellen weitere Risiken dar. Auch gefährliche Challenges und die unbedachte Weitergabe privater Informationen können problematisch sein.

4. Sicherheit – Wie können Eltern begleiten?

Warum das richtige Alter so wichtig ist

Bei der Anmeldung muss unbedingt das tatsächliche Geburtsdatum angegeben werden. Denn TikTok passt seine Sicherheitsfunktionen an das Alter der Nutzer an. So sind Konten von 13- bis 15-Jährigen zunächst privat, Direktnachrichten sind gesperrt und das Herunterladen ihrer Videos durch andere ist nicht möglich. Ab 16 Jahren stehen weitere Funktionen, wie beispielsweise die Möglichkeit, Direktnachrichten zu versenden, zur Verfügung. Livestreams und virtuelle Geschenke sind erst ab 18 Jahren erlaubt.

Für alle unter 18-Jährigen ist außerdem ein tägliches Bildschirmzeitlimit von 60 Minuten voreingestellt. Dieses kann jedoch überschritten werden.

Tipp für Eltern: Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das hinterlegte Alter und nutzen Sie den Begleiteten Modus, um zusätzliche Schutzmaßnahmen zu vereinbaren.

Mehr erfahren: Altersgerechter Schutz bei TikTok

Gut zu wissen: Der Begleitete Modus bei TikTok

Mit dem Begleiteten Modus können Eltern ihr eigenes TikTok-Konto mit dem ihres Kindes verknüpfen und wichtige Sicherheitseinstellungen verwalten. Dazu gehören:

  • Bildschirmzeit: Tägliche Zeitlimits und feste Auszeiten festlegen, beispielsweise während der Hausaufgaben oder nachts.
  • Inhalte: Den eingeschränkten Modus aktivieren und bestimmte Themen mithilfe von Stichwortfiltern ausblenden.
  • Privatsphäre und Kontakte: Einstellen, wer das Profil sehen, Videos kommentieren oder Nachrichten senden darf.
  • Kontakte im Blick behalten: Einsehen, welchen Accounts das Kind folgt, wer ihm folgt und welche Accounts blockiert wurden.

Wichtig: Der Begleitete Modus ermöglicht keine vollständige Überwachung. Eltern können darüber nicht einfach private Nachrichten mitlesen oder sämtliche angesehenen Videos nachvollziehen. Er ersetzt deshalb keine vertrauensvollen Gespräche über die Mediennutzung. 

Um den Begleiteten Modus nutzen zu können, muss TikTok sowohl auf dem Smartphone der Jugendlichen als auch dem der Eltern installiert sein.

So geht's: TikTok öffnen → Profil → Einstellungen und Datenschutz → Begleiteter Modus. Anschließend die beiden Konten miteinander verknüpfen. Eine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es bei Medien-kindersicher.de

Begleitender Medienkonsum

Technische Schutzmaßnahmen allein reichen nicht aus. Entscheidend sind Interesse, Gespräche und Vertrauen. Eltern sollten TikTok daher nicht nur als Gefahrenquelle betrachten, sondern die digitale Lebenswelt ihrer Kinder kennenlernen.

TikTok als Gesprächsanlass – fünf Beispielfragen für den Alltag

  • Zum Mitfühlen: „Hast du heute ein Video gesehen, das dich besonders berührt, glücklich gemacht oder zum Nachdenken gebracht hat?“
     
  • Zum Staunen und Lernen: „Hast du auf TikTok etwas Neues entdeckt oder gelernt, wovon du mir unbedingt erzählen möchtest?“
     
  • Zum gemeinsamen Ausprobieren: „Hast du eine coole Idee, ein Rezept oder etwas Kreatives entdeckt, das wir zusammen ausprobieren oder nachmachen könnten?“
     
  • Zum kritischen Hinterfragen: „Gab es ein Video, bei dem du stutzig geworden bist und dich gefragt hast: Stimmt das eigentlich? Wollen wir gemeinsam nachschauen?“
     
  • Zum gemeinsamen Lachen: „Welches TikTok hat dich heute so richtig zum Lachen gebracht? Zeigst du es mir?“

Solche Fragen schaffen Gesprächsanlässe, ohne den Medienkonsum ausschließlich zu problematisieren. Sie zeigen echtes Interesse, fördern gemeinsames Erleben und eröffnen nebenbei Möglichkeiten, über Gefühle, Informationen und mögliche Risiken zu sprechen. Gemeinsam vereinbarte Regeln, ein kritischer Umgang mit Informationen und eine offene Gesprächskultur stärken die Medienkompetenz. 

Wichtig ist, dass Jugendliche wissen, dass sie sich bei unangenehmen Erfahrungen jederzeit an eine Vertrauensperson wenden können, ohne sofort mit Verboten rechnen zu müssen.

5. Unterstützung und weiterführende Informationen

Optional:

☐ Das tatsächliche Geburtsdatum angeben, damit altersabhängige Schutzfunktionen greifen.

☐ Das Konto auf „Privat“ stellen, damit nur bestätigte Personen Beiträge sehen können.

☐ Den Begleiteten Modus einrichten und das Elternkonto mit dem Konto des Jugendlichen verbinden.

☐ Tägliche Bildschirmzeiten, Pausenerinnerungen und Auszeiten vereinbaren.

☐ Direktnachrichten, Kommentare und Kontaktmöglichkeiten so weit wie sinnvoll einschränken.

☐ Den Eingeschränkten Modus und gegebenenfalls Stichwortfilter aktivieren.

☐ Kontaktsynchronisierung, Standortberechtigungen und Kontovorschläge überprüfen.

☐ Ein starkes Passwort sowie eine zusätzliche Anmeldebestätigung einrichten.

☐ Gemeinsam üben, wie Videos, Kommentare und Accounts gemeldet oder blockiert werden.

Besonders hilfreich ist es, mit Kindern und Jugendlichen konkrete Situationen durchzuspielen: Was tun, wenn ein Fremder eine Nachricht schreibt, ein Video Angst macht oder eine Influencerin ein fragwürdiges Produkt empfiehlt? 

 
EmpfehlungPraktische Umsetzung
Interesse zeigen„Welche Videos findest du gerade besonders spannend?“
Gemeinsam entdeckenRegelmäßig Videos anschauen, sich gegenseitig zeigen und darüber sprechen
Kritisches Denken fördernFakten, Meinungen und Werbung unterscheiden
Rollenbilder reflektieren„Ist das ein realistisches Bild von Schönheit oder Erfolg?“
Gefühle ernst nehmenÜber Angst, Wut, Druck oder Verunsicherung durch Videos sprechen
Klare Regeln vereinbarenHandyfreie Zeiten, insbesondere vor dem Schlafengehen
Selbstständigkeit fördernJugendliche an Entscheidungen über Schutzmaßnahmen beteiligen
Offen für Probleme bleibenKeine automatischen Strafen, wenn Jugendliche von unangenehmen Erlebnissen erzählen

Charlotte Lohmann, November 2026 

Charlotte Lohmann ist Bildungsreferentin für Medienkompetenz und digitale Demokratiegefährdung. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Stärkung einer demokratischen Medienkompetenz. Dabei nimmt sie vor allem audiovisuelle Medien wie zum Beispiel TikTok, YouTube, aber auch Twitch in den Blick und entwickelte ein medienpädagogisches TikTok Action Kit. 
 

„TikTok, Discord & Co. – Was Eltern wissen müssen“ ist eine Online-Veranstaltungsreihe der Landeszentrale, die vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e. V. durchgeführt wird. Sie bietet Eltern Orientierung und Tipps zu verschiedenen sozialen und digitalen Plattformen.

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