Sozialismus oder staatlicher Kapitalismus: “Chinas Sozialismus neu entdecken”

Buchvorstellung und Streitgespräch mit Prof. Dr. Michael Brie (Berlin)

Buchvorstellung

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Ausschnitt aus dem Buchcover "Chinas Sozialismus neu entdecken" von Michael Brie
© VSA-Verlag

Gemeinsam laden Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. und die Seenland-Buchhandlung ein zu Buchvorstellung und Streitgespräch zu Chinas Politik mit 

* Prof. Dr. Michael Brie (Sozialphilosoph) und 
* Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph)

Bereits im Jahre 2023 erschien von Michael Brie im Hamburger VSA-Verlag das Buch „Chinas Sozialismus neu entdecken“ (174 S., 14 €). Bereits dieser Titel dürfte nicht so recht zur gängigen Berichterstattung über China passen. 2024 erschien in einer Neuauflage von Brie „Eine Flugschrift“ über die ökologische Modernisierung der Volksrepublik: „Projekt ‚Schönes China‘“ (120 S., 12 €).

Es war also zu erwarten, dass Michael Brie widersprochen wird. Felix Wemheuer kritisiert Brie sowie die Debatten der Rosa-Luxemburg-Stiftung allgemein, dass noch immer „ein lineares Fortschrittsnarrativ“ vertreten würde (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198238.china-grosser-sprung-in-den-kapitalismus.html).

Vielleicht stellt sich tatsächlich die Frage, ob die Politik Chinas mit dem traditionellen begrifflichen Instrumentarium analysiert werden kann. Das ist eine Frage, die vor allem Linke stellen. Auf konservativer Seite jedoch scheint es vielmehr so, dass gesetzte ideologische Schlagwörter die offizielle deutsche Sicht auf den größten Handelspartner Deutschlands bestimmen. Eine Schlüsselstellung nimmt hier offenbar das Reden über China vom „systemischen Rivalen“ ein. Doch ist jede Kritik an der offiziellen deutschen Regierungsposition gleich eine Verteidigung der chinesischen Innen- wie Außenpolitik? Oder ist es nicht vielmehr so, dass als absolut gefasste „europäische Werte“ als abstrakter Maßstab für die Bewertung genommen werden und damit Meinung an die Stelle von Analyse tritt?

Brie meint: „Heute sind Worte wie ‚China-Versteher‘ zu Schimpfworten geworden. Das ist eine katastrophale Verengung im öffentlichen Diskurs auch der Linken, die sich damit dem Mainstream anpasst. Jede ernsthafte Kritik verlangt die Konstruktion eines Raums, in dem das, was kritisiert wird, zunächst einmal analysiert und verstanden wird.“ (Brie 2023, S. 9)

Prof. Dr. Michael Brie, geb. 1954, ist Philosoph und Sozialwissenschaftler. Seine Forschungsschwerpunkten sind Theorie und Geschichte des Sozialismus und Kommunismus, sozial-ökologische Transformation und revolutionäre Realpolitik. Er ist Mitglied des Vorstands der Rosa-Luxemburg-Stiftung. 

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