Vom Wald-Workshop zur Weltpolitik

Wie sich der Nachwuchs in Biosphärenreservaten international vernetzt

Journalistin Kristina v. Klot trifft in Brandenburg Menschen, die nicht zuletzt für mehr Partizipation und Mitbestimmung eintreten. In der Schorfheide-Chorin trifft sie Marla Schulz, Mitgründerin des Jugendnetzwerks Biosphäre e.V. Ihr Credo: Mitstreiter für die Großschutzgebiete finden, die das globale UNESCO-Programm lokal voranbringen – mit mehr Spielraum für die junge Generation.

Netzwerken in Natur und Gemeinschaft

„Nachhaltigkeit ist ein riesengroßes Thema in meiner Generation. Und ich will mich nicht nur im Job, sondern auch in meiner Freizeit dafür einsetzen, die Lebensgrundlagen des Planeten zu erhalten!“

Die Schorfheide-Chorin, die zu den drei Biosphärenreservaten zählt, die in Brandenburg liegen, war Mitte 2025 Ausflugsziel des Jugendnetzwerks Biosphäre. „Bei solchen Workshops erkunden wir die Natur, tauschen uns mit der Verwaltung aus, helfen den Rangern bei Arbeitseinsätzen, sind oft mit dem Rad unterwegs, gehen schwimmen, kochen zusammen und haben viel Spaß!“, erklärt Marla Schulz. Die 29-Jährige stammt aus Wiesbaden und arbeitet für „Nationale Naturlandschaften e.V.“, einem Dachverband der Großschutzgebiete Deutschlands, zu dem auch die 18 Biosphärenreservate gehören. 

Portrait Marla Schulz
© Kristina v.Klot

Setzt auf eine grenzüberschreitende Vernetzung: Marla Schulz vom Jugendnetzwerk Biosphäre engagiert sich EU-weit. 

Ihr persönlicher Antrieb, das Zusammenleben von Mensch und Natur zu verbessern, deckt sich mit der Leitidee der Biosphärenreservate. Und diesen Anspruch will auch das Jugendnetzwerk Biosphäre e.V., das Marla 2024 mitgegründet hat, in die Köpfe der Leute bringen. „Nachhaltigkeit ist ein riesengroßes Thema in meiner Generation“, betont sie. „Und ich will mich nicht nur im Job, sondern auch in meiner Freizeit dafür einsetzen, die Lebensgrundlagen des Planeten zu erhalten!“ Für das Vorhaben, in Biosphärenreservaten jungen Erwachsenen eine stärkere Stimme zu geben, erhielt das Netzwerk, das bislang aus 30 Leuten besteht, 2025 den Deutschen Jugend-Naturschutzpreis.

Kaum jemand wusste, was Biosphärenreservate von anderen Arealen unterscheidet:

„Es sind Modellregionen, in denen man gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erforscht, wie man mit der Natur respektvoll zusammenlebt, damit alle profitieren.“

Und wie hat Marlas Engagement begonnen? Nach ihrem Bachelor im Fach Geografie wechselte sie in den Masterstudiengang „Nachhaltige Regionalentwicklung“ an die Hochschule Eberswalde. 2022 lernte sie in einem Praxissemester das Biosphärenreservat Spreewald kennen und befragte 16- bis 30-Jährige, wie sie die Schutzgebiete wahrnehmen. „Kaum jemand wusste, was Biosphären von anderen Arealen unterscheidet“, erklärt Marla: „Es sind Modellregionen, in denen man gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung erforscht, wie man mit der Natur respektvoll zusammenlebt, damit alle profitieren.“ Als Beispiele für Mitwirkung nennt sie Konzepte für nachhaltige Open-Airs, Regional- und Handwerksmärkte und Renaturierungs-Vorhaben, an denen Landwirte vor Ort beteiligt sind.

In Brandenburg besteht noch Aufklärungsbedarf, was den Nutzen von Biosphärenreservaten betrifft

Dass Naturschutz eine gemeinschaftliche und nicht nur staatliche Aufgabe ist, wird zwar mehr und mehr anerkannt. Aber in Brandenburg bestehe noch viel Aufklärungsbedarf, was den großen Nutzen von Biosphärenreservaten betrifft, sagt Marla. Und das hat auch mit deren Entstehung zu tun: Als kurz nach der Wende in unberührten Landschaften und einstigen Truppenübungsgebieten neue Großschutzgebiete ausgewiesen wurden, waren zwar ehemalige DDR-Naturschützer federführend. Aufgrund des engen Zeitrahmens wurde dies quasi von oben entschieden, im Gegensatz zum späteren partizipativen Ansatz der UNESCO, der die Bevölkerung vor Ort einbezieht.

Filmplakat: Wie geht Natur?
© wiegehtnatur.de

Wie geht Natur? 

1990 - eine Sternstunde des deutschen Naturschutzes: Fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks entstehen auf 4,5 Prozent der Landesfläche der DDR. Maßgeblich initiiert durch den Brandenburger Biologen Prof. Dr. Michael Succow. In den letzten 35 Jahren sind viele weitere auf dieser Grundlage in Deutschland dazu gekommen. Eine deutsch-deutsche Naturschutz-Revolution.

Die Ökofilmtour zeigt den Film in vielen Orten Brandenburgs. 

Viele haben eine falsche Vorstellung vom Profil des Jugendnetzwerks Biosphäre

„Wir betreiben keinen praktischen Naturschutz, sondern suchen Leute, die im Namen unserer Generation für mehr Nachhaltigkeit sorgen.“

Umso wichtiger ist es Marla, diesen Beteiligungsgedanken stärker in den Köpfen Gleichaltriger zu verankern. Als die Vereinsmitglieder im letzten Sommer mit einer Handvoll Gäste in der Schorfheide zusammenkamen, ging es nicht nur um die Pflege nährstoffarmer Böden auf dem Programm, konkret: um das Harken von gemähtem Gras. Wichtig war auch der Austausch mit den Neulingen, die meist über Uni und Hochschule vom Netzwerk wussten und viele Fragen hatten, sagt Marla. 

„Die einen erkundigten sich nach Arbeitsplätzen, andere nach Ausbildungsmöglichkeiten in den Partnerbetrieben des Reservats und wieder andere nach Naturschutzvorhaben.“ Viele hätten eine falsche Vorstellung vom Profil des Netzwerks, sagt Marla. „Wir betreiben keinen praktischen Naturschutz, sondern suchen Leute, die im Namen unserer Generation für mehr Nachhaltigkeit sorgen.“

Die Themenvielfalt in den Arbeitsgruppen ist groß 

„Unter anderem nehmen wir uns gerade die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele vor. Wir wollen wissen, was die für unsere Jüngere bedeuten.“

Als Beispiel nennt sie ein für 2027 geplantes großes Jugendforum in der Oberlausitz, das das Netzwerk zurzeit vorbereitet. „Eine Frage ist, wie die Jüngeren den Strukturwandel erleben und welche Spielräume sie nutzen können, um ihre Region mitzuentwickeln.“ Übrigens sei die Themenvielfalt im Netzwerk groß, betont Marla: „Es gibt bei uns Leute, die wie ich eher konzeptionell arbeiten, andere bringen sich bei Themen wie Finanzen und Mittelbeschaffung ein. Man kann sich aber auch in der Social-Media-AG kreativ austoben.“ 

Ihr Schwerpunkt liegt auf der internationalen Kooperation. Kürzlich wurde sie zum „National MAB Youth Focal Point“ der UNESCO in Deutschland ernannt, einem Ehrenamt, das die deutschlandweite und die globale Vernetzung voranbringen soll. „Unter anderem nehmen wir uns gerade die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele vor und überlegen, wie wir kleine lokale oder nationale Projekte dazu umsetzen können.“

„Als Studentin im Spreewald hätte ich nie gedacht, dass mich mein Engagement mal bis in den UNESCO-Koordinierungsrat nach China führen würde, wo ich internationale Politik hautnah miterleben kann!“

Was sie an ihrem Engagement auf globaler Ebene begeistert, ist der Kontakt und Austausch mit anderen Lebenswelten. „Aus dem japanischen Biosphären-Netzwerk erfuhr ich von den krassen hierarchischen Strukturen der Gesellschaft dort; und vom enormen Respekt vor Älteren, der Jüngeren oft im Weg steht“, berichtet sie. In der deutschsprachigen Leitungsrunde der Biosphärenreservate sei die Kommunikation auf Augenhöhe zum Glück ebenso normal wie beim Weltkongress der Biosphärenreservate, wo sie auch schon eingeladen war. 

Dass ihr das Ehrenamt immer wieder neue Türen öffnet, empfindet Marla als größten Gewinn, auch in Hinblick auf ihre berufliche Zukunft. „Als Studentin im Spreewald hätte ich nie gedacht, dass mich mein Ehrenamt mal bis in den UNESCO-Koordinierungsrat nach China führen würde, wo ich internationale Politik hautnah miterleben kann!“

Natur gemeinsam erleben – und nachhaltig nutzen lernen

So kannst du aktiv werden, eigene Ideen erproben und in Gemeinschaft wachsen:

  • Direkt loslegen: Du musst nicht gleich große Projekte stemmen – schon ein Tagesausflug ins Biosphärenreservat, ein Workshop oder ein kleines Naturprojekt mit Gleichgesinnten kann inspirierend sein und etwas in Gang setzen.
     
  • Nachhaltige Ideen einfach austesten: Hilf mit, eine Blumenwiese für Insekten anzulegen oder bei der Pflege von Feuchtgebieten, baue Nistkästen oder unterstütze bei Ranger-Einsätzen – jede Aktion zählt und macht Dich klüger.
     
  • Gemeinschaft erleben: Engagement für einen nachhaltigen Umgang mit Natur klappt am besten mit anderen: Vernetze dich mit Gleichaltrigen, um Kräfte zu bündeln – das sorgt für spannende Begegnungen und macht viel mehr Spaß als alleine loszuziehen.
     
  • Seite an Seite wachsen: Beobachten, ausprobieren, Verantwortung übernehmen – Praktische Erfahrungen helfen Dir, deine Stärken zu entdecken und deine Fähigkeiten im Umgang mit Menschen und Organisationen auszubauen. 
     
  • Vernetzen: Nutze lokale Strukturen: Umweltverbände NABU und BUND, Kultur- und Sportvereine, die Freiwillige Feuerwehr und Jugendorganisationen vor Ort bieten Unterstützung, Erfahrung und wertvolle Kontakte. 
     
  • Mehr erfahren und mitmachen:    
    Jugendnetzwerk Biosphäre e.V.
    Kontakt: info@jugendnetzwerk-biosphaere.de
    Instagram: @jugendnetzwerk_biosphaere

 

Linktipps

  • Ein Schatz in Brandenburg

    Brandenburg ist reich an Naturlandschaften, glänzt mit Artenreichtum und landschaftlicher Schönheit. Elf Naturparke, drei Biosphärenreservate und der Nationalpark Unteres Odertal bewahren und entwickeln die wertvollsten Naturschätze des Landes. Diese 15 Nationalen Naturlandschaften nehmen ein Drittel der Landesfläche ein und repräsentieren zusammen alle Lebensräume und Landschaften Brandenburgs.

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Kristina Klot
© Kristina Klot

Ehrenamtliche zeigen, dass es sich lohnt, selbst aktiv zu werden. Man überlistet eigene Vorurteile, lässt Ignoranz und Unzufriedenheit hinter sich und erlebt, wie man gemeinsam mit anderen viel bewirken kann. In der Blog-Reihe „Es bewegt sich was in Brandenburg“ stellt die Journalistin Kristina v. Klot einige dieser engagierten Menschen vor.

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