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Ausstellungseröffnung
15. Januar 2019, 16.00 Uhr

Der deutsche Müllrausch

Deutschland feiert sich gern als Land, das eine vorbildliche Entsorgung von allen möglichen Arten von Müll durchgesetzt hat. Kein Volk trennt seinen Abfall so akribisch wie wir Deutschen. In der Verwertung von Verpackungen sind wir Weltmeister. Müllverbrennungstechnik „made in Germany“ ist in der Welt hoch angesehen. Unsere Deponien zählen zu den sichersten Endlagern auf dem Planeten. Halb Europa entsorgt seinen Giftmüll deshalb vor allem bei uns. Doch: So sauber, wie immer getan wird, sind wir nicht.

Seit Anfang 2015 recherchiert der Journalist Michael Billig über illegale Deponien in Deutschland. Ja, so etwas gibt es auch bei uns und nicht nur in Italien. Allein im Bundesland Brandenburg hat Michael Billig rund 160 Fälle dokumentiert und mehr als 30 schwarze Halden mit eigenen Augen gesehen. Das Problem der organisierten illegalen Entsorgung beschränkt sich ihm zufolge aber nicht auf diese Region. Das Netz der Müll-Mafia spannt sich über die gesamte Bundesrepublik. Unzählige Unternehmen sind darin verstrickt. Die Gewinnmargen sind laut Polizei höher als beim Drogenhandel.

Michael Billig recherchiert in Akten, beobachtet Gerichtsprozesse, erkundet illegale Deponien und trifft Informanten. Die Ergebnisse seiner Recherchen veröffentlicht er auf seinem Blog muellrausch.de und in renommierten Medien. Neben Fotografien und Videos auch Originalquellen, brisante Dokumente aus Umweltämtern, Gerichten und Polizeibehörden zu sehen. Diese Dokumente zeigen, wie die Müll-Mafia tickt. Sie bieten den seltenen Einblick in eine Branche, die ihre Geschäfte lieber unter dem Radar der Öffentlichkeit abwickelt.

Ab dem 15. Januar 2019 bis Mitte April ist die Ausstellung auf dem bündnisgrünen Flur im Landtag Brandenburg zu sehen. Der Weimarer Zeichner Matthias Seifert hat Michael Billig einen Tag lang begleitet und seine Erkundungen illegaler Abfalllager illustriert. Auch diese Arbeiten werden in der Ausstellung gezeigt.

Michael Billig (*Jg. 1978) lebt und arbeitet in Leipzig. Er stammt aus Weimar, hat im nordrhein-westfälischen Münster Kommunikationswissenschaft, Ethnologie und Kunstgeschichte studiert und anschließend eine Ausbildung zum Redakteur absolviert. Heute schreibt der Journalist vor allem über Umweltthemen und über die Abfallwirtschaft. Zu seinen Auftraggebern zählen Tageszeitungen, Publikumszeitschriften, Produktionsfirmen und Fernsehredaktionen. 2014 recherchierte er ausgestattet mit dem Stipendium „Nachhaltige Wirtschaft“ über Recycling in Deutschland. Die Geschichte zu dieser Recherche („Der große Fluff“) ist in der „Wirtschaftswoche“ erschienen.

Der Frage, wo die Reste unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft landen, geht Michael Billig schon länger nach. Sie hat ihn auch in dem Stipendium für investigativen Datenjournalismus, das im Jahr 2015 von dem Recherchezentrum Correctiv. org und der Rudolf-Augstein-Stiftung vergeben wurde, beschäftigt. Ergebnis dieser Recherche war eine Datenbank mit illegalen Abfalllagern im Bundesland Brandenburg. Unter muellparadies.de betreibt und pflegt Billig eine Web-Karte mit den schwarzen Halden.

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