Sozialdarwinismus

Der Sozialdarwinismus ist eine Ideologie aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Darwins Lehre von der Evolution durch natürliche Auslese auf die menschliche Gesellschaft anwendet. Die Verbindung von Evolution und Gesellschaft geht zurück auf den Philosophen Herbert Spencer (1820-1903), von dem auch der Begriff „survival of the fittest“ stammt. Der Sozialdarwinismus fand eine große Verbreitung und wurde von sehr unterschiedlichen Gruppen, wie Sozialisten, Liberalen und Nationalsozialisten verschieden ausgelegt.

Ernst Haeckel (1834-1919) vertrat als einer der ersten deutschen Sozialdarwinisten Ideen, die später Eingang in das nationalsozialistische Weltbild fanden. Es setzte Nation und Rasse gleich und rief zur Reinhaltung der deutschen Rasse auf.

Nach der theoretischen Übertragung der natürlichen Auslese auf die Gesellschaft folgte auch die praktische Anwendung: die Eugenik. Darwins Theorie wurde als Handlungsanweisung zur Verbesserung des Genpools der Bevölkerung gesehen. Die Eugenik ist ein Teil der Humangenetik, der Ende des 19. Jahrhunderts entstand und in im angelsächsischen Raum und Deutschland große Verbreitung fand. Die grausamste Anwendung fand die Eugenik in der so genannten Rassenhygiene des Nationalsozialismus, aber auch in Sterilisationsprogrammen anderer Länder wie Schweden.

Schlagwörter heutiger Rechtsextremer wie „Volkstod“ durch demographischen Wandel und Einwanderung greifen Ideen des Sozialdarwinismus auf. Aber auch bei gesamtgesellschaftlich diskutierten Fragen wie der Früherkennung von Behinderungen bei Säuglingen wird sozialdarwinistisch argumentiert.

Die Ideologie des Sozialdarwinismus wurde im Nationalsozialismus als Eugenik in die Tat umgesetzt. Menschen mit Behinderungen und Erbkrankheiten, psychisch Kranke und Menschen mit jüdischer Herkunft wurden ermordet, weil das nationalsozialistische Weltbild ihre Gene als gefährlich für die deutsche Rasse befand. In der „Landes-Pflegeanstalt Brandenburg a. H.“ wurden 1940 mehr als 9.000 Menschen im Programm „T4“ ermordet.

 

kb, April 2013

Quelle: Manuela Lenzen: Evolutionstheorien in den Natur- und Sozialwissenschaften. Frankfurt am Main 2003.

 

Neuen Kommentar hinzufügen

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.