Habt ihr was gegen Corona?

Ja, haben wir.

Mehr Zeit zum Lesen - das war mein Wunsch. Es kam - zuerst Corona und damit eine ganze Menge Veränderungen. Ein Einblick in unsere Arbeit mit und an den Büchern, die es bei uns im Buchshop gibt.

2020 sollte anders werden. Anders als 2019 zumindest, als wir gleich an vier eigenen Publikationen arbeiteten. Deshalb wünschte ich mir mehr Zeit zum Lesen. Es gab so viele spannende neue Manuskripte und Projekte. Es kam - Corona.

Mein erster Einschnitt war die Absage der Leipziger Buchmesse. Termine mit Verlagen hielt ich telefonisch und per Mail ab. Das war etwas umständlicher, aber noch in Ordnung. Kurz darauf wurde die Publikationskonferenz, die Ende März stattfinden sollte, ebenfalls abgesagt. Eine Woche vor Beginn. Dort besprechen die 15 Landeszentralen der Bundesländer und die Bundeszentrale für politische Bildung den gemeinsamen Ankauf von Büchern. Das war jetzt schon eine echte Herausforderung.

Alles online

Vorab geht zwar immer eine große Liste an alle Referentinnen und Referenten,  in denen Vorschläge für verschiedene Bücher gemacht werden, aber der inhaltliche Austausch ist dabei unglaublich wichtig. Gibt es ähnliche (vielleicht bessere) Produkte zum Thema auf dem Markt? Erscheint in nächster Zeit etwas? Wie sind die Autoren und Autorinnen mit kritischen Punkten umgegangen, sind sie benannt, wenn ja wie? Gibt es nicht akzeptable Inhalte? Wie schätzen die Kolleginnen und Kollegen das jeweilige Buch ein?

All diese Fragen haben wir versucht, schriftlich in unsere übliche Arbeitstabelle einzupflegen. Für eine Online-Konferenz war die Zeit zu knapp und die technische Ausrüstung zu unterschiedlich. Dazu kam die Frage der Erreichbarkeit. Viele Kolleginnen und Kollegen waren bereits im Homeoffice, nur zum Teil in ihren Landeszentralen oder erst einmal gar nicht zu erreichen. Es gab jede Menge Mails, Telefonate zu ungewöhnlichen Zeiten und noch mehr Mails.

Lesetipp

Heiner Fangerau / Alfons Labisch

Pest und Corona

Die Ärzte und Medizinhistoriker Heiner Fangerau und Alfons Labisch erklären die natürlichen Ursachen sowie die sozialen, historischen und kulturellen Folgen von Pandemien.

Ich hatte in dem Fall wirklich Glück. Der Austausch unserer Technik letztes Jahr hat uns alle mit Notebooks versorgt. Das Bildungsministerium hat zudem unglaublich schnell geschaltet und dafür gesorgt, dass wir auch von Zuhause sicher auf unsere Dateien zugreifen konnten. Herzlichen Dank noch einmal an die Kolleginnen und Kollegen, die geholfen haben, hunderte Notebooks einzurichten!

Die Technik war da, Zuhause war ich auch, jetzt wieder zu den Büchern. Da unsere Veranstaltungen alle abgesagt oder verschoben werden mussten, waren unsere Webseite und unser Buchshop das Rohr nach draußen. Was liegt da also näher, als mehr Bücher als üblich bereits im Frühjahr anzukaufen?

Das Angebot der Verlage gab es her, die anderen Landeszentralen zogen mit und so konnten wir in nur zwei Monaten 20 neue Bücher ankaufen. Das entspricht etwa 75 Prozent von dem, was wir über das Jahr ankaufen. Und das bedeutete: jede Menge Absprachen mit den Verlagen und anderen Landeszentralen, Abnahme von Manuskripten und Buchumschlägen, Erteilung von Aufträgen, Koordination von Lieferungen, Einpflegen der Bücher. Und Rechnungen, jede Menge Rechnungen. Und alles online.

Geht das?

Ja, es geht, es kann aber keine Dauerlösung sein. In diesem Jahr wird es für mich keine Konferenz mehr geben, im Herbst wäre die nächste geplant gewesen. Die Buchmesse in Frankfurt wird allenfalls sehr reduziert ablaufen. Mit den Verlagen bin ich jetzt schon im Gespräch über das Herbst- und Winterprogramm. Zwischen den Landeszentralen wird gerade überlegt, wie wir es dieses Mal anstellen. Doch online, so halb online, Treffen in kleineren Rahmen? Noch hat sich keine Lösung durchgesetzt, wir sind aber im Kontakt.

Kaufen wir wegen der Pandemie schlechtere Bücher an? Nein, natürlich nicht. Dafür ist die Expertise in den einzelnen Landeszentralen und der Bundeszentrale zu hoch. Rutscht uns eventuell ein gutes Buch durch? Ja, das ist wahrscheinlicher. Persönliche Gespräche mit Verlagen und den Austausch mit den Kollegen und Kolleginnen aus den anderen Zentralen kann eine Online-Konferenz nicht ersetzen. Das muss sie auch nicht. Wichtig ist, dass wir funktionsfähig bleiben.

In den letzten Wochen haben wir gemerkt, dass die neuen Bücher sehr gut angenommen werden und die Bestellungen spürbar zunehmen. Wir informieren regelmäßig über unsere Neuerscheinungen. "Pest und Corona" von Heiner Fangerau und Alfons Labisch ist unsere neueste. Erst gestern sind die Bücher angekommen.

Bei Pandemien ist Panik ein schlechter Ratgeber. Man muss Respekt haben und man muss mit ihnen umzugehen wissen. Darüber berichtet dieses Buch, so gestalten wir unsere Arbeit. Damit wir uns hoffentlich recht bald alle wiedersehen und über die Liebe zu Büchern reden können - auch in Zeiten von Corona.

 

Katrin Marx

Katrin Marx ist Publikationsreferentin in der Landeszentrale.

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