Weltuntergang? Nein danke.

Julius Niewisch ärgert sich als CDU-Mitglied über das schlechte Abschneiden bei der Europawahl, vielmehr aber noch über die erkennbare Unfähigkeit, die Belange der jungen Menschen ernst zu nehmen. Weltuntergangsrhetorik findet er trotzdem nicht hilfreich.

Gerade war man vom Schildkröten-Trott der GroKo eingelullt, da kommt richtig Bewegung in Deutschlands Politik. Nicht zuletzt der bemerkenswerte Aufruf einer Reihe von YouTubern, den - muss man schon sagen ehemaligen? - Volksparteien den Rücken zu kehren, hat diese erst in Schockstarre versetzt und nach einigem Zögern dann ordentlich aufgescheucht.

Als CDU-Mitglied ärgere ich mich natürlich über das schlechte Abschneiden bei der Europawahl, vielmehr aber noch über die erkennbare Unfähigkeit, die Belange der jungen Menschen (man denke an Fridays for Future, Artikel 13 usw.) in unserem Land ernst zu nehmen. Wenn die Wahl eines gezeigt hat, dann dass Klimaschutz derzeit wohl das dominierende Thema der Republik ist. Aber die hysterische Weltuntergangsrhetorik der vergangenen Monate finde ich definitiv nicht hilfreich. Ich finde es (sachlich) falsch, von einem Totalversagen der Bundesregierung im Bereich Klima- und Umweltschutz zu sprechen. Und auch, dass die Bundesregierung ausdrücklich „alte“ Politik gegen die Jüngeren macht, halte ich für Unsinn. Solche Aussagen spalten die Menschen, machen Kompromisse schwierig und tragen in keiner Weise zu konstruktiven Debatten bei.

Aber dass die bisherigen Maßnahmen zu langsam Wirkung zeigen, das ist einfach Fakt. Betrachtet man die Statistiken, zeigt sich, dass zuletzt etwa 40 Prozent unseres Stroms durch Erneuerbare Energien produziert wurde (1990: 3,4%; 2010: 17,0%). Das klingt erstmal gut. Betrachtet man aber den sogenannten Bruttoendenergieverbrauch in Deutschland (also inklusive Wärme, Verkehr etc.), so betrug der Anteil erneuerbarer Energien magere 17 Prozent und steigt auch nur langsam an. Hier heißt es also: mehr Tempo!

Julius Niewisch
Julius Niewisch ist 18 Jahre alt, wohnt in Potsdam und macht gerade sein Abitur. Er ist Mitglied der CDU und als Beisitzer im Kreisvorstand Potsdam der Jungen Union aktiv.

Warum wird der Umstieg auf E-Autos für junge Menschen zum Beispiel nicht attraktiv gefördert? Zwar gibt es bereits heute eine Kaufprämie, aber bei den anhaltend hohen Preisen für Elektrofahrzeuge sind diese gerade für junge Menschen nicht erschwinglich. Dabei könnte zum Beispiel gerade die E-Auto-Prämie für Umschwung sorgen. Die Jungen und die Familien in den Großstädten, die sich in den kommenden Jahren womöglich ihr (erstes) eigenes Auto anschaffen, warum wird für die keine deutlich höhere Förderung angelegt? Vielleicht nicht mal unbedingt als Kaufprämie, sondern eben als zinsloses Darlehen oder durch Steuervorteile. So könnten kleinere, stadttaugliche Elektroautos für junge Menschen mit Umweltbewusstsein attraktiv werden, während gesteigerte Absatzzahlen mehr Innovationen (Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Gewicht) bei den Herstellern anschieben könnten und auch der Netzausbau stärker in den Fokus gerückt würde.

Alles zu laaaangsam

Und wo wir schon beim Netzausbau sind, was ist eigentlich mit dem? Zu laaaangsam möchte man rufen - trotz der Gesetzesnovelle, die es jetzt dazu aus dem Wirtschaftsministerium gibt. Das alles kostet Geld – Geld, das für sowas aber beim europäischen Musterschüler in Sachen Haushalt doch eigentlich da sein sollte, oder? Und natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Aber an manchen Stellen leben wir eben eigentlich ja schon eher im Gestern, sonst müssten wir diese Diskussion ja gar nicht führen.

Der immer drängendere Klimawandel lässt sich nicht einfach aussitzen, auch wenn da die Bedürfnisse der Menschen im Raum stehen, die vom Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Leitungen im ländlichen Raum betroffen sind. Das ist kompliziert und komplex. Und Angstmacherei und Panikgeschiebe sind niemals gute Ratgeber. Stimmt alles. Aber die nötigen Maßnahmen zu intensivieren und unseren Beitrag zur Bekämpfung der Erderwärmung zu leisten, ist mit Blick auf die Zukunft einfach Pflicht. Selbst wenn wir nur einen kleinen Teil der weltweiten Emissionen ausmachen. Das wäre echte generationengerechte Politik. Eine, die wirklich noch gestaltet. Sonst brauchen wir uns bald über nichts mehr wundern.

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Ich finde es falsch in dieser Art und Weise auf die Herausforderungen der Klimakrise zu reagieren. Niemand spricht von einer Hysterie. Das tun nur die rückwärtsgewandten Kommentatoren. Dass die Regierung in Sachen Klimapolitik nicht nichts tut - mag sein. Aber die Daten (etwa von ScientistsForFuture und dem IPCC) zeigen ja: mit einem Kohleausstieg selbst bis 2030, und den lehnt die Union ja vehement ab, wäre nur ein kleiner Teil dessen geschafft, was nötig wäre, um das völkerrechtlich bindende Pariser Abkommen einzuhalten. Extremer Druck ist also unerlässlich und vernichtende Kritik absolut angebracht. Es gibt ein sich schließendes Zeitfenster von jetzt noch gut 9-11 Jahren. In denen muss massiv was passieren, weil der Klimmakollaps sonst irreversibel unsere Existenzgrundlage vernichten wird. Das heißt nicht, dass in 9 Jahren die Welt untergeht, wie manch einer polemisch daraus konstruiert. Es bedeutet aber, dass das dann in 50 oder 70 Jahren passiert, wenn das nicht ernst genommen wird. Und für Maßnahmen die Paris gerecht werden, hat momentan keine Partei im Bundestag Antworten die radikal und angemessen genug wären

Erst einmal vielen Dank für den Kommentar! Die Antwort wird ein bisschen länger, weil das Thema nun mal sehr umfangreich ist

Es hat für mich nichts mit Rückwärtsgewandtheit zu tun, wenn man die immer panischere Sprache und die zunehmend radikalen und unfundierten Forderungen in der politische Debatte anspricht.
Ich halte nichts von "radikalen Lösungen" und "vernichtender Kritik". Das führt zu nichts, sondern macht dringend notwendige Kompromisse nur schwieriger als sie ohnehin schon sind. Wer nur Maximalpositionen will, der wird keine wirklich tragfähige Lösung finden.
Ein übereilter Kohleausstieg zum Beispiel hätte im Kampf gegen den Klimawandel meines Erachtens kaum einen Nutzen. Denn Strom kommt ja nicht einfach aus der Steckdose, sondern muss irgendwo auch erzeugt werden - denn kaum jemand, wir junge Menschen wohl am wenigsten, wird bereit sein auf moderne Technik wie Kühlschrank, Handy oder Computer zu verzichten. Braucht alles Strom. Erneuerbare Energien sind zwar bereits heute stark auf dem Vormarsch, aber dafür müssen sich auch Investoren finden, die Netze gebaut, die Speichermöglichkeiten (zunächst erforscht und dann) geschaffen und die Baugenehmigungen (mit den Bürgern) erteilt werden. Das ist nicht mal eben so in ein paar Jahren getan. Und selbst wenn wir radikal aus der Kohle aussteigen, wo kommt denn der Strom dann her? Aus französischem Atomstrom, der ist wenigstens klimaneutral, oder aus Polen? Ich bin mir dabei aber nicht sicher, ob die polnischen Kohlekraftwerke viel klimafreundlicher sind als die deutschen. Und natürlich aus Gas aus Russland oder Öl aus Arabien, schließlich deckt kaum ein Land in Europa heute seinen eigenen Strombedarf. Das sind nun erwiesenermaßen auch nicht die besten Alternativen.
Wie man es dreht und wendet, ein überhasteter Kohleausstieg würde eine ganze Menge Arbeitsplätze, insbesondere in der "ausblutenden", strukturschwachen Lausitz kosten und die Versorgungssicherheit in Deutschland (durchaus ein gewichtiger Standortfaktor für energieintensive Industrien) aufs Spiel setzen. Gleichzeitig würde das Problem zunächst nur ins Ausland verlagert, sodass wir Deutschen zwar mit sauberem Gewissen unsere Hände in Unschuld waschen könnten, während unsere Nachbarn aber wegen unausgegorener Entscheidungen in Zugzwang gerieten und selbst in ihrer Energiewende behindert würden. Das erscheint mir nicht sinnvoll.
Und zum Thema, es braucht einfach den Druck, das Pariser Abkommen auch wirklich umzusetzen. Ich bin selbst jung, es ist auch meine Zukunft, natürlich sehe ich das genauso. Ich finde es doch ebenso nervig, dass alles scheinbar so langsam von statten geht. Dass die energetische Sanierung in Deutschland nur schleppend und meist zulasten der Mieter vollzogen wird, dass die Wende hin zur E-Mobilität verschlafen worden ist, weil die Leute vor 10 Jahren einfach keine E-Autos wollten und dass die Energieversorgung von Eigenheimen (z.B. durch Photovoltaik/kleine Windanlagen etc.) offensichtlich nicht ausreichend gefördert wird. Das kann man doch kritisieren und einfordern. Aber das ist dann eben keine "vernichtende" Kritik, kein Aufruf zur Panik, sondern konstruktiv (=aufbauend) und zielt konkret auf Maßnahmen ab. Dass der Protest von Fridays for Future zum Wachrütteln wichtig ist, ist halt einfach Fakt und ich bin wirklich froh, dass das endlich passiert. Daraus lässt sich aber keine Politik gießen, weil im Zweifel eher mit Stimmung statt mit Machbarkeit regiert wird. Und davon profitiert in meinen Augen am Ende keiner.

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