Wahlumfragen

Wahlumfragen sind Befragungen einer Auswahl von wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger, die nach bestimmten Kriterien und Fragestellungen durchgeführt werden. Im Ergebnis werden Wahlprognosen erstellt, die ein Stimmungsbild in der Bevölkerung zeigen und Hinweise liefern, wie die Stimmungslage im Land ist, wie bestimmte Politiker bewertet werden und welche Themen die Menschen beschäftigen. Sie sind aber keine Garantie, dass die Wahl am Ende wirklich so ausgeht, wie es die Umfragen zuvor dargestellt haben.

Wahlumfragen werden nur mit einigen Wahlberechtigten durchgeführt. Damit die Befragung repräsentativ ist, das heißt, dass sie für die gesamte Bevölkerung steht, erfolgt die Auswahl der Befragten nach dem Zufallsprinzip. Damit wird sichergestellt, dass jede wahlberechtigte Person in Deutschland in die Stichprobe für eine Wahlumfrage gelangen kann. Im Schnitt werden zwischen 1.000 und 2.000 Menschen befragt.

Für Wahlumfragen gibt es verschiedene Methoden. Klassischerweise erfolgen sie über das Telefon. Es werden aber auch Onlineumfragen durchgeführt.

Insbesondere im Vorfeld von Wahlen gibt es in der Öffentlichkeit ein großes Interesse an Wahlumfragen. In Deutschland werden sie vor allem von Medien in Auftrag gegeben, die damit ihre Berichterstattung über den Wahlkampf anreichern und erweitern. Telefonumfragen werden zum Beispiel vom ZDF mit der Forschungsgruppe Wahlen, der ARD mit Infratest dimap und von Forsa für Stern und RTL durchgeführt. INSA und YouGov wenden hingegen onlinebasierte Verfahren an.

Wahlumfragen können einen Einfluss auf die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler haben. Das ist jedoch stark vom jeweiligen Umfeld abhängig. Anders als zum Beispiel in Frankreich dürfen in Deutschland auch am Wahltag noch Umfragen veröffentlicht werden.

Es kommt immer wieder vor, dass die Umfrageergebnisse vom tatsächlichen Wahlergebnis abweichen, so beispielsweise beim Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union im Juni 2016 oder den US-Präsidentschaftswahlen im November 2016. Dafür gibt es verschiedene Gründe. So kann es sein, dass bestimmte Wählergruppen an Umfragen gar nicht teilnehmen oder falsche Antworten geben

In Phasen zwischen zwei Wahlen sind Wahlumfragen für die Politik ein Weg, um aus der Bevölkerung Rückmeldung zu politischen Maßnahmen, Parteien und Politikern zu erhalten. Darüber hinaus können Wahlumfragen aber auch eine Kontrollfunktion ausüben. Das ist vor allem in politischen Systemen von Bedeutung, in denen es Zweifel an der ordnungsgemäßen Durchführung des Wahlprozesses gibt, zum Beispiel in Diktaturen oder in schwachen Demokratien. Hier kann eine starke Abweichung des Wahlergebnisses von den Wahlumfragen ein Hinweis auf Unregelmäßigkeiten sein.
 

Thorsten Faas
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Wahlumfragen - wie aussagekräftig sind sie wirklich?

Die Bundestagswahl steht kurz bevor und manch einer wüsste jetzt schon gern, wie sie ausgeht. Das Interesse an Wahlumfragen ist groß. Aber Vorsicht: Diese zeigen uns Stimmungsbilder, sind aber keine Voraussage des Wahlergebnisses, erklärt Politikwissenschaftler Thorsten Faas.

Seit einiger Zeit gibt es neben Wahlumfragen auch neue Methoden, um Wahlprognosen zu erstellen. Sie folgen einer anderen Logik als Telefon- und Onlineumfragen. Im Fokus stehen dabei vergangene Wahlen. Es geht darum, Regelmäßigkeiten herauszuarbeiten. Beispielsweise wird geprüft, wie frühere Wahlen bei einer bestimmten Wirtschaftslage, einer bestimmten Regierungsdauer und einem bestimmten Beliebtheitsgrad eines Kandidaten ausgegangen sind. Daraus lässt sich eine bestimmte Erwartung ableiten, wie eine bevorstehende Wahl ausgehen könnte. Damit erhält man einen Vergleichsmaßstab, wie eine Wahl bei traditioneller, durchschnittlicher Wirkung von bestimmten strukturellen Faktoren ausgeht. Auch gibt es inzwischen Versuche, Stimmungsbilder aus der Analyse von Tweets oder anderen Meinungsäußerungen in den sozialen Netzwerken abzuleiten.

Landeszentrale, August 2017
 

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