Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Brandenburg 1924 bis 1933

Nach den Unruhen von 1923 entstand das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als überparteiliche Organisation zum Schutz der ersten deutschen Demokratie. Seine Mitglieder wurden dabei häufig Opfer von Gewalt. Gemeinsam mit dem Historiker Hans-Rainer Sandvoß beleuchten wir seine Geschichte – mit besonderem Blick auf Brandenburg.

In der Veranstaltung "Schutztruppe der Republik. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold " in der Landeszentrale am 14.01.2026
© BLPB

Am 14. Januar 2026 war der Politikwissenschaftler und Historiker Dr. Hans-Rainer Sandvoß zu Gast in der Landeszentrale. Als Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand forschte er zum Arbeiterwiderstand und zum religiösen Widerstand in Berlin gegen die nationalsozialistische Diktatur zwischen 1933 und 1945. 

In seinem Vortrag beleuchtete er, wie das Reichsbanner entstand, welche Ziele es verfolgte und welche Personen das Reichsbanner prägten. Historische Bilder veranschaulichten seine Ausführungen. Im anschließenden Gespräch richteten wir den Blick auf  Brandenburg. Welche Rolle spielte das Reichsbanner hier, welchen Herausforderungen begegnete es in der Region und welche Unterschiede gab es zwischen den städtischen Zentren und der ländlichen Umgebung?

„Und die Reichsbanner-Leute selber erzählten, die Leute in den Dörfern waren oft derartig desinformiert oder gar nicht informiert, die wussten gar nicht, dass es auch ein Parteiensystem gab und dass man diskutieren konnte." (Hans-Rainer Sandvoß)

„Der hört seine vor Schmerzen schreiende Frau und derjenige, der ihm helfen kann, verweigert ihm das, weil er Reichsbanner-Mann ist. Und dann geht dieser Mann diesen schweren Weg stundenlang über Landstraßen und holt einen Arzt. Was für eine Grausamkeit dahintergesteckt hat! Wenn Sie alles vergessen, was ich Ihnen heute erzähle, merken Sie sich diese Geschichte und Sie wissen, was das für ein politisches Milieu auf dem Land ist, wogegen das Reichsbanner angekämpft hat." (Hans-Rainer Sandvoß)

Dr. Hans-Rainer Sandvoß zeigte, was das Reichsbanner ausgemacht hat und mit welchen Herausforderungen und Schwierigkeiten es konfrontiert war.   

Einblicke in die Geschichte des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold

  • Nach dem Krisenjahr 1923 entstand aus republikanischen Kreisen von SPD, Zentrumspartei und DDP eine überparteiliche Organisation, die die Weimarer Republik aktiv verteidigen wollte („Schutztruppe der Republik“).
     
  • Das Reichsbanner war unbewaffnet und nicht militarisiert. Dies wurde in den letzten Jahren der Weimarer Republik immer mehr zum Nachteil, als Extremisten und Republikfeinde zunehmend gewalttätig auftraten.
     
  • Mit Großkundgebungen machten die Reichsbanner-Leute die Republik öffentlich sichtbar und ehrten symbolisch eigene Opfer. Zudem übernahmen sie den Saal- und Demonstrationsschutz zu politischen Veranstaltungen. Eine Hauptaufgabe war der sogenannte „Landeinsatz“. Reichsbanner-Mitglieder fuhren an Wochenenden über die Dörfer, um dort Flugblätter zu verteilen und den republikanischen Gedanken zu verbreiten.
     
  • Das Reichsbanner litt unter einer Justiz, die „auf dem rechten Auge blind“ war. Oft wurden Reichsbanner-Mitglieder, die Opfer von Übergriffen wurden, selbst verurteilt.
     
  • Trotz des Verbots im März 1933 blieben viele Reichsbanner-Leute im sozialdemokratisch-republikanischen Widerstand aktiv; in Berlin hielt sich eine eigenständige Gruppe bis März 1939.

 

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Livestream: "Schutztruppe der Republik. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Brandenburg 1924 bis 1933. 

Fragen und Kommentare aus dem Publikum 

Warum hat das Reichsbanner/Eiserne Front trotz zahlenmäßiger Überlegenheit ihre Anhänger bis 1933/34 unbewaffnet gehalten und warum haben die demokratischen Parteien nicht spätestens 1930/31 erkannt, dass sie ihre Anhänger bewaffnen müssen, um überhaupt eine Chance zu haben?

Die Bewaffnung ihrer Anhänger widersprach der demokratischen Auffassung der Reichsbanner-Leute, dass Macht und Gewalt beim Staat liegen und Konflikte politisch durch Streit und Diskussion ausgetragen werden. Ganz ohne Bezug zu Waffen blieb es jedoch nicht. Im Umfeld des Reichsbanners gab es Schießsport und Waffenkunde, vereinzelt besaßen Mitglieder auch Waffen, aber eben nicht in großer Zahl. Eine offene, massenhafte Bewaffnung hätte zudem wahrscheinlich ein Verbot nach sich gezogen. Stattdessen setzte man stark auf die Kooperation mit der Schutzpolizei und hoffte auf einen „Tag X“, an dem Reichsbanner-Leute im Ernstfall von staatlicher Seite bewaffnet und eingesetzt würden. 


Gab es im Reichsbanner auch parteilose Mitglieder und welche Rolle spielten sie?

Auch parteilose Arbeitersportler waren beteiligt, als sich in der Schlussphase der Weimarer Republik die Eiserne Front aus Arbeitersport, Gewerkschaften und Reichsbanner formierte. Die Bewegung zog zudem zahlreiche Parteilose an, insbesondere in Berlin im ersten Halbjahr 1932 bis zum 20. Juli 1932, die sich dort engagierten. Insgesamt stellte jedoch die parteipolitisch gebundene Mitgliedschaft die Mehrheit. 


Ich sehe das Bild mit den Leuten auf dem LKW und dem Idealismus, der geherrscht hat, praktisch durch breite Bevölkerungsschichten. Wie kann man einen solchen Idealismus heute wieder wecken?

Die Ursache des fehlenden Idealismus liegt vor allem im Niedergang der Arbeiterbewegung. In der Weimarer Republik war sie nicht nur eine politische Kraft, sondern auch eine Kulturorganisation mit Freidenkern, Volksbühnen, Mietervereinen und vieles andere mehr. Dadurch wurden Werte und ein positives Menschenbild in die Arbeiterschaft getragen. Dabei reicht Bildung allein nicht aus, um die Jugend zu gewinnen, denn in der Weimarer Republik hatten Volksschüler teils mehr politisches Bewusstsein und Anstand als höhere Schichten, besonders im Adel. 

Lesetipp

Volker Ullrich

Schicksalsstunden einer Demokratie

Volker Ullrich analysiert die entscheidenden Momente, die zum Untergang der Weimarer Republik führten. Er zeigt, wie ungenutzte Chancen und verspielte Alternativen das Schicksal der ersten deutschen Demokratie prägten. Ein eindringlicher Appell der besorgniserregende Parallelen zur heutigen politischen Lage aufzeigt.

BLPB, März 2026

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