Landesfürst*In. Mensch und Amt

Analoge Schwarz-Weiß-Fotografien von Angelika und Bernd Kohlmeier

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Eine Ministerpräsidentin oder ein Ministerpräsident steht nicht nur an der Spitze der Regierung in einem Bundesland – sie sind immer auch Menschen. Das wird manchmal vergessen, wenn bei Terminen alle etwas ehrfürchtig zu der Person aufblicken, die das höchste Amt innehat.

Acht Jahre lang begleiteten die Fotokünstler Angelika und Bernd Kohlmeier elf deutsche Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten bei der Ausübung ihres Amtes. Nicht alle Anfragen der Fotografen stießen auf Begeisterung, nur aus sieben Ländern kam eine Zusage darunter auch aus Brandenburg. Entstanden ist eine Ausstellung, die vor allem die Zwischentöne einfängt.

Sie zeigen den Alltag und die Arbeit der Berufspolitikerinnen und -politiker an zum Teil skurrilen Orten. Wirkliche Ruhe oder gar eine unbeobachtete Minute sind selten. Das Tempo ist enorm, der Terminkalender oft lange im Voraus gefüllt. Was zwischen Sitzungen, Besichtigungen, Büroalltag und Auswärtsterminen passiert, sehen nur die wenigsten. Eben diese Momente sind auf den 42 Schwarz-Weiß Fotografien der Ausstellung zu sehen. Aufgenommen mit einer analogen Kamera, jedes einzelne Foto von Hand vergrößert.

In der Regel findet kein öffentlicher Termin ohne Pressebegleitung statt, die Fotos sind innerhalb kürzester Zeit in der lokalen Presse zu sehen oder werden online gepostet. Umso bemerkenswerter sind die in der Ausstellung gezeigten Bilder. Im Unterschied zu digitalen Fotos ist bei analogen Aufnahmen nicht sofort klar, was auf dem Bild zu sehen sein wird. Erst in der Dunkelkammer entwickelt sich mit dem Foto auch die Geschichte dazu. Die Kunstausstellung lädt zur Betrachtung des politischen Alltags aus einer wenig bekannten Perspektive ein.

Für die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung wurde die ursprüngliche Ausstellung um bisher unveröffentlichte Bilder erweitert. Brandenburg hatte seit 1990 drei Ministerpräsidenten. Kein anderes Bundesland hatte weniger. Alle drei – Manfred Stolpe, Matthias Platzeck und Dietmar Woidke sind in der Ausstellung vertreten. Ob in Ausschusssitzungen, bei der Besichtigung von Windrädern, Industriestandorten oder Ausstellungen – die Bilder zeigen das Amt und den Menschen dahinter.

Die Laufzeit des Projektes überschritt manche Amtszeit. Das ist wiederum das Schöne an der Demokratie: Veränderung ist ein wesentlicher Bestandteil.

Impressionen von der Ausstellungseröffnung

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Sehr geehrte Damen und Herren,
eigentlich wollte ich in meinen Onlinemgazin zur Fotografie über dieses Ausstellung berichten. Als ich den Titel gesehen habe war ich entsetzt.
"Landesfürst" Da sich nicht wenige Politiker im Osten nach wie vor wie ein Fürst verhalten ist das für mich unpassend. Um so mehr für eine offizielle Initituion zur politischen Bildung.
Dieter Horn, Eisenach, Emilienstraße 11, dieter.horn@photoschule.com

Sehr geehrter Herr Horn,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Der vollständige Titel unserer Ausstellung lautet „Landesfürst*In“. Der Untertitel „Mensch und Amt“ erläutert die weiterführende Idee der Ausstellung: Sie soll zum Nachdenken anregen über diejenigen Menschen, denen wir mittels demokratischer Entscheidungen Regierungsaufträge erteilen und entziehen können.

Das Fotografenpaar Angelika und Bernd Kohlmeier hat ihr Langzeitprojekt auch deshalb „Landesfürst*In“ genannt, weil sie auf den interessanten Punkt aufmerksam machen möchten, dass es in Deutschland seit 1949 144 Ministerpräsidenten aber nur acht Ministerpräsidentinnen gegeben hat.

Wir würden uns über Ihren Besuch in der Landeszentrale sehr freuen. Schauen Sie sich die Ausstellung gern vor Ort an.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Landeszentrale

"[...] Entstanden ist eine Mischung aus offiziellen Posen und sehr persönlichen Augenblicken. „Es sind Momente, manchmal nur zwei Sekunden, in denen der Amtsinhaber seine Rolle ausblendet und ganz er selbst ist“, sagt Angelika Kohlmeier. Das sind die Glücksmomente der Fotografen.

Die gab es bei beiden Politikern, die ansonsten in ihrem Alltagsbetrieb gezeigt werden. Platzeck etwa im Gespräch mit Schülern, Woidke im Fontanejahr in Neuruppin oder beim Besuch eines Medizintechnikbetriebes in Rathenow.

Und wie sind die beiden nun, wenn man ihnen so nahe kommt? Platzeck sehr sachlich und unaufgeregt, findet Angelika Kohlmeier. Und Woidke: sehr sympathisch und vor allem sehr, sehr groß."

Auszug aus dem Beitrag von Mathias Richter in der MAZ vom 3.05.2022

 

"[...] Kunst gepaart mit politischer Bildung 

"Ein Ministerpräsident ist ein Mensch, der auch eine verletzliche Seite hat, und kein Roboter“, das wolle man mit der Ausstellung zeigen, erläutert Martina Weyrauch, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung. „Die werden von uns bezahlt, also haben sie zu funktionieren“ – diese Denke bringe nicht weiter. „Dieses Land ist kein Dienstleistungsunternehmen, sondern das, was wir alle daraus machen.“ 

Deshalb will die Ausstellung Fotokunst und politische Bildung verknüpfen. Schautafeln vermitteln nicht nur Biografie und politische Stationen der Brandenburger Landesfürsten, sondern bringen Besuchern auch deren Alltag nahe. [...]"

Auszug aus dem Kommentar zur Ausstellung von Marion Kaufmann in den PNN vom 3.05.22

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