Eine Frage der Methode

Neonazistische Strukturen drängen in Sportvereine und auf Schulhöfe. Was hat die Demokratie diesen Methoden entgegenzusetzen? 

Buntes Brandenburg: Zum Aktionstag „Wir für Demokratie - Tag und Nacht für Toleranz“ am 16. April boten Gemeinde und Städte von der Oberhavel bis in die Lausitz ein vielfältiges Programm, das ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen und zu einem offenen gesellschaftlichen Miteinander aufrufen sollte. Sport- und Ortsvereine, Kirchengemeinden  und freie Initiativen – an diesem Tag haben sie alle gemeinsam zu Diskussionsrunden, Demonstrationen und Festen geladen.

Ein symbolischer Akt, der sich eines großen Publikums erfreut hat und alle Beachtung verdient. Und doch ist am nächsten Tag schon wieder alles vorbei. Natürlich ist dies nicht das Ende der Fahnenstange. Rund um das Jahr finden immer wieder  Veranstaltungen statt, die es sich zum Ziel gemacht haben, Aufklärung im Sinne einer demokratischen und toleranten Gesellschaft zu vermitteln – toll! Unweigerlich folgt nun ein ‚aber‘.

Zumeist handelt es sich um offizielle Ereignisse, die auf bundesweite oder regionale Initiativen zurückgehen und einen einmaligen Event-Charakter haben. Langfristig ergeben sich insbesondere für Jugendliche nur wenig bekannte und interessante Möglichkeiten, sich dauerhaft in Organisationen einzubinden, die nicht nur einem demokratischen Auftrag folgen, sondern auch abwechslungsreiche Freizeitgestaltung bieten. Parteien? Zu Bürokratisch! Jugendclubs? Nicht zwingend politisch! Aktionsgruppen? Eher für Erwachsene!

Warum ist das nun so problematisch? Ein Blick auf den Verfassungsschutzbericht 2012 für Brandenburg gibt Aufschluss. Unter dem Motto „NPD adé“ vermeldete Innenminister Woidke einen Rückgang bei der rechten Partei, verwies jedoch warnend auf die zunehmende Bedeutung neonazistischer Organisationen und ihre Verflechtungen mit Sporteinrichtungen, der Musikszene und Internet-Netzwerken. Dort, wo Jugendliche ihre Freizeit verbringen und Interessen nachgehen, halten Neonazis mehr und mehr Einzug.

Auf den Schulhöfen werden munter Rechtsrock-CDs verteilt, in der Sporthalle wird nicht nur der Körper gestärkt, sondern auch politisches Verhalten gelenkt, und zugleich fehlt es auf demokratischer Seite an Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken oder mit adäquaten Angeboten aufzuwarten. Quo vadis, Demokratie?

Es kann zwar nicht im Bestreben der Institutionen sein, die neonazistische Rattenfänger-Methode für die eigenen Zwecke zu imitieren, aber doch sollte man sich die Frage stellen, wie man künftig -gerade bei Jugendlichen- aktiver und langfristiger  ein demokratisches und tolerantes Verständnis sicherstellen kann. Tag und Nacht für Demokratie und Toleranz, das klingt zumindest nicht gerade verlockend. Schlafen muss man ja auch mal, oder?

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Genau das ist der Punkt: Man darf es den Rechten nicht gleichtun und ebenfalls die Freizeitgestaltung der Jugendlichen politisieren. Denn man geht nicht zum Sportverein, um über irgendeine Staatsform , Partei oder Ähnliches zu reden.

Möglicherweise sollte man die Jugendlichen einfach mal darauf aufmerksam machen, dass es beim Sport (oder in der Tanzgruppe, der Schach-AG oder dem Nähkurs) tatsächlich nur um das gehen sollte und nicht um Politik in irgendeiner Form. Wer die Taktiken der Rechten kennt, kann sich dafür schützen. Ab dann muss jeder selbst entscheiden.

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