Ins Horn geblasen

Der 3. Oktober 1990 steht als Symbol für einige der glücklichsten und aufregendsten Monate der deutschen Geschichte. Wofür steht der 3. Oktober 2020? In der Landeshauptstadt lädt ein Rundgang zum Feiern und Nachdenken ein. „Deutschland ist eins: vieles“, ist dabei zu lesen. Mir gefällt das Wort „vieles“ an dieser Stelle, weil es Raum lässt für eigene Gedanken.

“Trau’ keinem über 30” hieß ein bekannter Slogan in den stürmischen westdeutschen 1968er Jahren. Jetzt ist es passiert. Das wiedervereinigte Deutschland wird 30. Das 1990 neu gegründete Brandenburg auch. Hm, und nun?

Das Wort Jubiläum leitet sich aus dem hebräischen Wort für “Widderhorn” her, in das vor Jahrhunderten zu Freudenereignissen geblasen wurde. Was verkündet das Horn in diesem Jahr?

Unter den Ende 20- bis Anfang 30-Jährigen herrscht Aufbruchstimmung. “Macht Platz” und euch nicht dicke, ruft etwa Madeleine Hofmann in Richtung Eltern. Gebt unseren Eltern und Großeltern mehr gedanklichen Raum, fordert hingegen das ostdeutsche Nachwendekind Valerie Schönian.

Alles läuft schief, in Brandenburg und überhaupt, heißt es wiederum in einigen Kommentaren auf unserer Webseite und den sozialen Medien. Es sind viele Hörner, die derzeit erklingen, mit ganz verschiedenen Tönen.

Der 3. Oktober 1990 steht als Symbol für einige der glücklichsten und aufregendsten Monate der deutschen Geschichte. Wofür steht der 3. Oktober 2020? In vielen Wortmeldungen, die uns erreichen, stecken momentan viele Fragen, Unsicherheit, wem kann man trauen und worauf sich verlassen?

Ein Blick in die letzten 30 Jahre kann durchaus Zuversicht schaffen. In den neuen Bundesländern steht die Friedliche Revolution bis heute für eine Bauklötzer-Staunen-Leistung. Das waren wirklich wir? Ja, wart Ihr.

Und weil wir in Brandenburg sind: Wie viele Menschen haben die Neugründung erlebt und mitgestaltet? Wer kam aus dem Westen Deutschlands und blieb, wer ging in die umgekehrte Richtung? Bei wem überwiegen Verletzungen, wer freut sich eher?

Brandenburg ist in diesem Jahr das Gastgeberland für die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit. In der Landeshauptstadt lädt ein Rundgang zum Feiern und Nachdenken ein. „Deutschland ist eins: vieles“, ist dabei zu lesen.

Mir gefällt das Wort „vieles“ an dieser Stelle. Weil es Raum lässt für eigene Gedanken, offen ist für das, was jenseits der 30 kommt und Perspektiven schafft für diejenigen, die sich am 3. Oktober 2050 vielleicht auch die Frage stellen: Was verkündet das Horn?

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Jana Steinke
Dr. Jana Steinke ist stellvertretende Leiterin der Landeszentrale. Sie leitet den Bereich Webkommunikation/ Digitale Bildung und interessiert sich für alles, was Menschen miteinander ins Gespräch bringt.

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