Bücherverbrennung

Der Begriff der Bücherverbrennung ist in Deutschland eng mit dem Datum des 10. Mai 1933 verbunden. Dieser Tag wird auch als „Tag der Bücherverbrennung“ bezeichnet. Damit wird an eine nationalsozialistische Propagandaveranstaltung erinnert, die von der Deutschen Studentenschaft, einem Dachverband der Studierenden, organisiert und durchgeführt wurde. Am 10. Mai 1933 verbrannten nationalistisch und nationalsozialistisch eingestellte Studierende auf öffentlichen Plätzen in rund 20 deutschen Universitätsstädten Bücher, die nicht mehr verkauft und gelesen werden sollten. Der Tag war ein symbolischer Schritt zur Umwandlung der Universitäten in nationalsozialistische Lehranstalten.

Neben der zentral organisierten Verbrennung gab es an vielen Orten weitere Bücherverbrennungen, die zwischen März und Oktober 1933 von lokalen Akteurinnen und Akteuren organisiert wurden.

Bis heute wird mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen am 10. Mai daran erinnert.

Lesetipp

Margrid Bircken / Helmut Peitsch (Hg.)

Brennende Bücher

Die Broschüre dokumentiert ein Kolloquium zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten. Sie zeichnet die unterschiedlichen Reaktionen der seinerzeit Betroffenen nach.

Nach dem Machtantritt Adolf Hitlers begann die systematische Einschüchterung und Verfolgung Andersdenkender und rassistisch Verfolgter, an der die deutsche Bevölkerung in einem großen Ausmaß beteiligt war. Die Aktionen am 10. Mai 1933 waren neben Gesetzen, Verhaftungen und anderen Kampagnen ein Mittel zur Machtstärkung der Nationalsozialisten.

Der Tag war Teil einer mehrmonatigen Kampagne, die systematisch von den Studierenden geplant und umgesetzt wurde. Im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ erstellten sie mit Hilfe des Berliner Bibliothekars Wolfgang Herrmann „Schwarze Listen“ mit den Namen von mehr als 100 Autorinnen und Autoren. Deren Werke wurden im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie als schädlich für die geistige Gesundheit des deutschen Volkes eingestuft. Darunter waren jüdische, marxistische, sozialistische, pazifistische und ausländische Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Ihre Bücher wurden in medienwirksam inszenierten Veranstaltungen ins Feuer geworfen. Bei der bekanntesten Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 vernichteten Studierende auf dem Berliner Opernplatz vor der heutigen Humboldt-Universität über 20.000 Bände.

Bücherverbrennung 1933

11. Mai 1933: Öffentliche Verbrennung undeutscher Schriften und Bücher auf dem Opernplatz Unter den Linden in Berlin durch Studenten der Berliner Universitäten.

Insgesamt gab es zwischen März und Oktober 1933 102 nachgewiesene Bücherverbrennungen in 90 deutschen Städten. Brandenburgerinnen und Brandenburger verbrannten Bücher in Potsdam, Brandenburg an der Havel und Luckau. Mehr Informationen zu den einzelnen Ereignissen findet man unter https://verbrannte-orte.de/

Manche dieser Aktionen waren geplant und wurden auf Schulfesten oder Gelöbnisfeiern der Hitlerjugend öffentlich durchgeführt. Manche fanden spontan nach Durchsuchungen und Plünderungen von Instituten, Gewerkschaftshäusern oder Geschäften statt.

Welche Bücher von welchen Autorinnen und Autoren verbrannt wurden, hat das Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam zusammengetragen. Viele der Autorinnen und Autoren wurden nach den Bücherverbrennungen verfolgt, sind geflohen oder von Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten ermordet worden. Dass tausende Bücher aus öffentlichen Bibliotheken entfernt wurden und nicht mehr verkauft werden durften, hat eine Lücke in das kulturelle gesellschaftliche Gedächtnis gerissen, die bis heute zu merken ist. Ein Teil dieser Bücher ist vergriffen, weil sie nach dem Krieg nicht wieder gedruckt wurden, und ihre Autoren vergessen.

BLPB, Februar 2021

Linktipps

  • Digitales Bildungsmaterial

    Das Bildungsangebot wird vom Gedenk- und Informationsprojekt "Verbrannte Orte e.V." kostenlos bereitgestellt. Es wurde in Kooperation mit dem Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek entwickelt.

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