Sommersonnenwende

Als Sonnenwende wird in der Astronomie der höchste oder tiefste Abstand der Sonne in Bezug auf den Himmelsäquator bezeichnet. Beide Ereignisse sind jedoch nicht nur aus naturwissenschaftlicher, sondern auch aus gesellschaftspolitischer Sicht von Bedeutung. Bis heute werden die Sonnenwenden aus verschiedenen Gründen in aller Welt gefeiert – der längste Tag des Jahres im Sommer am 20., 21. oder 22. Juni; der kürzeste Tag im Winter am 21. oder 22. Dezember.

Der Lauf der Sonne bestimmte in vielen Völkern der Erde den Jahresablauf. In Europa war das zum Beispiel bei den Kelten, Germanen und Slawen der Fall. Als heidnische Bräuche wurden sie vom Christentum seit der Antike verurteilt. Dennoch nutzte die katholische Kirche deren Popularität und knüpfte daran an. Vor allem das Feuer, dem eine reinigende Kraft zugeteilt wurde, kam in unterschiedlichen Facetten zum Einsatz.

Der wachsende Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts ließ die vorchristlichen Bezugspunkte wieder erstarken. Vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 wurde die Sommersonnenwende stark mit Feiern und Aufmärschen durch die SS (Schutzstaffel) instrumentalisiert. Hohen Anteil an der staatlichen Inszenierung hatte SS-Chef Heinrich Himmler, der großer Anhänger des Germanenkultes war und das deutsche Volk als Nachfahren der Germanen betrachtete.

Aktionskalender

Die Sommersonnenwende ist ein fester Bestandteil im Aktionskalender der rechtsextremen Szene.

Bis heute spiegeln sich in den Sommersonnenwendfeiern die verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Einflüsse wieder, denen sie im Laufe der Zeit unterlegen waren. So dient die Machtdemonstration der Nationalsozialisten heutzutage Neonazis oft als Vorbild für eigene Veranstaltungen zur Sommersonnenwende. Mit ihren Demonstrationen und Feiern knüpfen sie - auch wenn sie es anders deklarieren - weniger an die germanischen Bräuche, sondern an die übertriebene Inszenierung der nationalsozialistischen Sonnenwendfeiern an. Fotos von gigantischen Holzfeuern werden dann auch öffentlichkeitswirksam in den sozialen Medien verbreitet.

Doch haben viele Feste auch ihren Volksfestcharakter bewahrt, wobei von den Organisatoren in der Regel bestimmte Ziele verfolgt werden. So werden die heidnischen Traditionen der Sommersonnenwende nicht selten zu touristischen Zwecken wiederbelebt. In Brandenburg etwa werben Gegenden wie die Prignitz mit Heilkräutertouren zur Sommersonnenwende. Mystische Ursprünge spielen bei den größten Treffen der deutschen Esoteriker-Szene im Teutoburger Wald eine Rolle und moderne Themen liegen den Angeboten von Umweltschutzbünden zugrunde, die mit Kräuterlehrgängen zur Sommersonnenwende für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und den Klimawandel sensibilisieren wollen.

TP, Juni 2015

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