Globalisierung

Der Begriff "Globalisierung" bezeichnet einen weltweiten Verflechtungsprozess: im Handel, auf den Finanzmärkten, in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, Bildung, Migration und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Insbesondere die Bewertung der Globalisierung und ihrer Folgen sind umstritten.

Bislang konnte noch nicht abschließend nachgewiesen werden, wer den Begriff erfunden hat und wann er zum ersten Mal benutzt wurde. In der Literatur und in Internetquellen werden verschiedene Daten genannt. Der Begriff war jedoch in den Wirtschafts-und Sozialwissenschaften schon in den 1960er Jahren weit verbreitet.

Eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Konzepts und der Verbreitung des Begriffs "Globalisierung" über Fachkreise hinaus spielte der deutsch-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Theodore Levitt, der an der US-amerikanischen Harvard- Universität lehrte.

Als der Kalte Krieg und mit ihm die Teilung der Welt in feindliche Blöcke Ende der 1980er Jahre aufhörte, bestand die Auffassung, dass es nun ungeahnte Möglichkeiten in einer ungeteilten Welt geben werde. Mit Levitts ökonomischen Arbeiten stand der passende Begriff zur Verfügung, um die weltumspannenden Prozesse zu beschreiben.

Das Wort "global" bedeutet so viel wie "die ganze Erde betreffend". Es leitet sich aus dem lateinischen Wort "globus" für Erdkugel oder Kugel her.

Globalisierung hat eine lange Geschichte. Sie fand und findet auf mehreren Ebenen und in mehreren Richtungen statt.

  • Räumliche Dimension: Das heißt, Globalisierung kann tendenziell den gesamten Globus umfassen.
  • Zeitliche Dimension: Bereits die sogenannten Entdeckungsreisen seit dem 16. Jahrhundert, der Ausbau weltumspannender Handelsnetzwerke und die Gründung der Kolonialreiche europäischer Großmächte können als Schritte zur heute so genannten Globalisierung aufgefasst werden.
  • Materielle Dimension, die sich in Waren, Dienstleistungen und auch in der Organisation des Weltmarktes widerspiegelt.

Die Herausbildung eines Weltmarktes im Verlauf des 19. Jahrhunderts zählte zu den entscheidenden Schritten auf dem Weg zur Globalisierung. Faktisch blieb keine Region der Erde von Handelsbeziehungen unberührt. Um die Öffnung geschlossener Märkte wie Japan und China wurden Kriege geführt.

Der Weltmarkt vereinigte aber nicht nur die Welt, sondern teilte sie auch: zum Beispiel in Regionen der Produktionsstätten, in Regionen der Rohstofflieferanten und in Regionen der Kapitalgeber. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war deutlich, wo die Produktionsorte standen: in Europa, Nordamerika und Japan. Heute wird überwiegend in Süd- und Ostasien produziert. Das meiste Geld gibt es immer noch in Europa und Nordamerika. Aber China, das zu einer Wirtschaftsgroßmacht geworden ist, entwickelt sich zum großen Kapitaleigner.

Die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) folgt der geschichtlichen Darstellung des US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Joseph Stiglitz. Dieser hebt in seinem Buch Die Schatten der Globalisierung die enorme Senkung der Transport- und Kommunikationskosten hervor sowie die Beseitigung künstlicher Schranken für den ungehinderten grenzüberschreitenden Strom von Gütern, Dienstleistungen, Kapital, Wissen und auch Menschen. Im Ergebnis hätten sich Länder und Völker der Welt eng verflochten.

Aus dieser Definition geht allerdings nicht hervor, wer in diesem Prozess der Verflochtene und wer der Verflechter ist. Denn Globalisierung ist kein passiver, täterloser Vorgang, sie schafft Gewinner und Verlierer.

Schatten der Globalisierung
Globalisierungsverlierer sind in den sogenannten reichen wie armen Staaten zu finden, etwa wenn Arbeiterinnen und Arbeiter in Deutschland ihre Jobs verlieren, weil die Produktion in andere Länder verlagert wird. Abgelegte Textilien, einst für europäische Handelsunternehmen in Ost- oder Südasien hergestellt, werden eingesammelt und ballenweise nach Afrika verschifft und dort ein zweites Mal verkauft; dort verhindern sie die Entwicklung einer eigenen Textilproduktion oder zerstören – wie in Tansania – bereits vorhandene Strukturen.

Gegenbewegungen

Gegenbewegungen zur Globalisierung gibt es, seit sich die wirtschaftlichen und politischen Netzwerke, die an der Globalisierung am meisten interessiert sind, organisierten. Bereits 1975 bildete sich eine Gruppe von sieben industriestarken Staaten, die so genannten „G7-Staaten“: Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannen, USA. Diese haben einen Anteil von 10 Prozent an der Weltbevölkerung und erwirtschaften 45 Prozent des Bruttonationaleinkommens der Welt.

Als größerer Verbund trat die Runde der G20-Staaten auf. Der informelle Zusammenschluss der 20 leistungsfähigsten Nationen existiert seit 1999 und repräsentiert 64 Prozent der Weltbevölkerung und 88 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das weltweit erzeugt wird. 19 Staaten und die EU gehören diesem Verbund an. Er versteht sich nach dem Beschluss ihrer Staats- und Regierungschefs auf dem G20-Gipfel von Pittsburgh im September 2009 als das zentrale Forum für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Nach Auffassung von Globalisierungskritikern werden die G-Staaten weder ihrer Rolle in der Entwicklungspolitik noch in der Klima- und Umweltpolitik gerecht. Statt „Wohlstand für alle“ bedeute Globalisierung ein weiteres Aufspreizen der Schere zwischen Arm und Reich. Statt globaler Klimapolitik bedeute sie globale Erwärmung und unumkehrbaren Klimawandel.

Zuletzt hat der Ausbruch der so genannten Corona-Pandemie die Notwendigkeit gezeigt, den Sinn nationalstaatlicher Politik in einer global verflochtenen Welt kritisch zu hinterfragen. Einerseits beförderte der weltweite Handels- und Reiseverkehr die Ausbreitung des Covid19-Virus über die gesamte Welt. Andererseits führten die Lockdowns in den betroffenen Staaten schnell zu Lieferengpässen und Produktionseinstellungen, weil Liefer- und Absatzketten zusammenbrachen.

Lesetipp

BLPB, August 2020

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