Parallelgesellschaft

Der Begriff Parallelgesellschaft ist ein in der politischen und medialen Debatte seit einiger Zeit verwendeter Begriff, der für die Abschottung bestimmter Bevölkerungsgruppen von der Mehrheitsgesellschaft verwendet wird. Diese freiwillige Abgrenzung vom Rest der Gesellschaft erfolgt durch religiöse, kulturelle, räumliche, soziale und wirtschaftliche Segregation sowie durch die Ausbildung eigener Institutionen, wie Vereinen, Bildungsstätten und Kultureinrichtungen. Die Mitglieder einer Parallelgesellschaft grenzen damit ihre Lebenswelt von der Mehrheitsgesellschaft ab und stellen auch ihre Kommunikation mit dieser größtenteils ein.  

Obwohl sich der Begriff nicht zwangsläufig auf den Zuwanderungsstatus bezieht, sondern auf sozialen Faktoren beruhen kann, wird das Phänomen  in Deutschland besonders mit Bezug auf  türkischstämmige Migranten diskutiert. Die (vermeintliche) Bildung von türkischen Parallelgesellschaften in den Städten wird dabei als Zeichen für fehlgeschlagene Integration gewertet.

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Deutschland Einwanderungsland
Begriffe-Fakten-Kontroversen

Laut dem Politikwissenschaftler Stefan Rother konnten solche Behauptungen bisher allerdings empirisch nicht belegt werden. In einer Studie des Zentrums für Türkeistudien gibt es zwar vereinzelt Hinweise auf die Herausbildung ethnisch verdichteter Wohnquartiere sowie Segregationstendenzen bei Personen mit schlechten Deutschkenntnissen, geringem Bildungsstand sowie unter den Migranten, die über 60 Jahre alt sind. Von sich entwickelnden Parallelgesellschaften kann aber nicht gesprochen werden. Fraglich ist auch, ob es sich bei der beobachteten Abgrenzung um freiwillige Handlungen handelt oder ob sie nicht ebenfalls die Folge von Ausgrenzungen durch die Mehrheitsgesellschaft sind.  
 

jh, November 2013

Unter Verwendung von: Matter, Max (2013): Sinti und Roma. In: Meier-Braun, Karl-Heinz/ Weber, Reinhold (Hrsg.): Deutschland Einwanderungsland. Begriffe-Fakten-Kontroversen. Stuttgart.

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