Populismus

Das Wort „Populismus“ geht auf den lateinischen Begriff „populus“ zurück, was „Volk“ bedeutet. In der Politik beschreibt das Wort den Versuch, durch Dramatisierung der politischen Lage den Zuspruch der Massen (bei Wahlen) zu gewinnen.

Populisten benutzen dafür die Technik der Vereinfachung und Reduzierung. Das heißt, komplexe, schwierige Prozesse, durch die moderne Gesellschaften geprägt sind, werden auf eine scheinbar einfache Erklärung zurückgeführt. Dabei werden jedoch Zusammenhänge ausgeblendet oder so stark reduziert, dass jedes Problem eine Lösung zu haben scheint. Dieses Angebot ist für viele Menschen gerade dann anziehend, wenn es schwierig wird, sich in einer rasant verändernden Welt zu orientieren.

Der Populismus greift Ängste in der Gesellschaft auf. Zentral ist dabei der Zweifel, ob die jeweiligen Regierungen im Sinne des Volkes handeln und in der Lage sind, mit den aktuellen Herausforderungen angemessen umzugehen. Kennzeichnend für populistische Bewegungen der Gegenwart ist die Auffassung, dass die derzeitigen Regierungen keine wirkliche Vertretung des Volkes seien, sondern zu einer abgehobenen Elite gehörten, die dem Volk gegenüber steht. Populisten sehen sich als die Stimme des einfachen Volkes, die sich dafür einsetzt, seine Interessen zu verwirklichen, indem sie gegen die Elite aufbegehrt.

Merkmale von Populismus auf einen Blick
  • Berufung auf das "Volk"
  • Alleinvertretungsanspruch für das "Volk"
  • Scharfe Gegenüberstellung von "Wir" und das "Andere"
  • Propagierung von Alternativlosigkeit
  • Konzentration auf Einzelthemen
  • Drang nach charismatischer Führung

Populismus kann in demokratischer und in extremistischer Ausprägung auftreten. Anders als der Extremismus ist der Populismus für demokratische Gesellschaften jedoch nicht unbedingt negativ. Als “Stimme des Volkes" können populistische Forderungen Impulse setzen und so Eingang in demokratische Entscheidungsprozesse finden.

In der Zielsetzung sind Unterschiede festzustellen. Linke Populisten haben das Ziel, weniger privilegierte Bevölkerungsschichten stärker in gesellschaftspolitische Prozesse einzubinden. Rechte Populisten mobilisieren vor allem gegen "Fremde" und für das "eigene Volk". Politikwissenschaftler sprechen darüber hinaus auch von einem Populismus der Mitte, etwa wenn sich aus Parteien heraus größere Bewegungen und Initiativen entwickeln. Politische Eliten, so der Berliner Politologe Wolfgang Merkel, wollten damit der Bevölkerung signalisieren: Wir sind nicht wie die anderen Parteien. Als Beispiel für Deutschland nannte er den, letztlich nicht erfolgreichen, Versuch der Linkenpolitikerin Sahra Wagenknecht, mit der Inititative "Aufstehen" eine neue linke Sammelbewegung zu schaffen. Die führenden Personen dieser Bewegungen distanzieren sich von ihren ursprünglichen Parteien, instrumentalisieren die Emotionen gegen die Partei und führen diese dann im Falle eines Erfolges autoritär. Als ein Beispiel gilt für viele der ehemalige Sozialist und jetzige französische Staatspräsident Emmanuel Macron.

Für die Verbreitung populistischer Botschaften werden derzeit vor allem die Sozialen Medien genutzt. Die dort vorherrschende inhaltliche Verkürzung ist geeignet, Sachverhalte so „simpel“ erscheinen zu lassen, wie es von Populisten gewünscht ist. Gekoppelt mit einer starken Bildsprache sprechen sie emotional an und können eine große Wirkung entfalten, indem sie zehntausende Male geteilt werden. Geht etwas über die Grenzen des Grundgesetzes hinaus, wird es also extremistisch, kann es auch wesentlich leichter zurückgenommen und gelöscht werden. Die Botschaften sind jedoch im öffentlichen Raum platziert worden. Wenn sie den Weg in die Köpfe der Menschen finden, haben sie das Potential, das  gesellschaftliche Miteinander grundlegend zu verändern.
 

#kurzerklärt: So erobern Populisten Europa:

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BLPB, Juni 2021

Linktipps

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  • Rechtspopulismus: Was Sorgen blau macht

    Fünf Denkfehler, die materielle Zukunftsängste in ein AfD-kompatibles Ressentiment verwandeln (derFreitag, 8.06.21)

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    Der Populismus verliert in Deutschland an Kraft, das zeigt das Populismusbarometer der Bertelsmann Stiftung und des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) vom Herbst 2020.

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