Populismus ist eine politische Strategie, um Menschen für sich zu gewinnen. Dafür wird die Gesellschaft in zwei Lager geteilt: unten „das Volk“, oben „die Elite“. Oft wird ein angeblich einfacher Ausweg aus gesellschaftlichen Problemen präsentiert. Für die Demokratie kann Populismus wichtige Anregungen geben, aber auch zur Gefahr werden.
Es gibt populistische Bewegungen aus allen Teilen des politischen Spektrums: von links, aus der Mitte und von rechts. Populistische Politikerinnen und Politiker behaupten, sie wüssten, was das Volk wirklich will und stellen sich bewusst gegen etablierte Parteien, Medien oder Institutionen.
Für die Demokratie kann das hilfreich, aber auch gefährlich sein. Nützlich ist: Populismus kann wichtige Debatten anstoßen, indem er Themen aufgreift, die von den regierenden Parteien übersehen werden. Dadurch gibt er den Sorgen von Menschen eine Stimme, die sich sonst nicht gehört fühlen.
Gleichzeitig stellt er eine Gefahr für die demokratische Ordnung dar: Wenn populistische Akteure demokratische Regeln in Frage stellen, Medien oder Gerichte angreifen und andere Meinungen als „Verrat am Volk” darstellen, entsteht ein Schwarz-Weiß-Denken, das die Gesellschaft in „die da oben“ und „wir hier unten“ spaltet.
In den sozialen Medien verbreiten sich populistische Botschaften schnell. Sie wirken besonders, wenn Menschen verunsichert sind, weil sie Orientierung versprechen und einfache Auswege. Eine einfache Lösung für vielschichtige gesellschaftliche Herausforderungen gibt es aber nicht.
Zum Videointerview über Populismus und seine Wirkungen mit Prof. Paula Diehl auf der Seite des MDR/360G.
- Sehhilfe
In der Politik beschreibt das Wort Populismus den Versuch, durch eine drastische Darstellung der politischen Lage Wählerinnen und Wähler zu gewinnen. Populismus kann in demokratischer und in extremistischer Ausprägung auftreten. Anders als der Extremismus ist der Populismus für demokratische Gesellschaften jedoch nicht unbedingt negativ. Als “Stimme des Volkes" können populistische Forderungen Impulse setzen und so Eingang in demokratische Entscheidungsprozesse finden.
In der Zielsetzung sind Unterschiede festzustellen. Linke Populisten haben das Ziel, weniger privilegierte Bevölkerungsschichten stärker in gesellschaftspolitische Prozesse einzubinden. Rechte Populisten mobilisieren vor allem gegen "Fremde" und für das "eigene Volk". Politikwissenschaftler sprechen darüber hinaus auch von einem Populismus der Mitte, etwa wenn sich aus Parteien heraus größere Bewegungen und Initiativen entwickeln. Politische Eliten, so der Berliner Politologe Wolfgang Merkel, wollten damit der Bevölkerung signalisieren: Wir sind nicht wie die anderen Parteien. Als Beispiel für Deutschland nannte er den, letztlich nicht erfolgreichen, Versuch der Linkenpolitikerin Sahra Wagenknecht, mit der Initiative "Aufstehen" eine neue linke Sammelbewegung zu schaffen. Die führenden Personen dieser Bewegungen distanzieren sich von ihren ursprünglichen Parteien, instrumentalisieren die Emotionen gegen die Partei und führen diese dann im Falle eines Erfolges autoritär. Als ein Beispiel gilt für viele der ehemalige Sozialist und jetzige französische Staatspräsident Emmanuel Macron.
Für die Verbreitung populistischer Botschaften werden derzeit vor allem die Sozialen Medien genutzt. Die dort vorherrschende inhaltliche Verkürzung ist geeignet, Sachverhalte so „simpel“ erscheinen zu lassen, wie es von Populisten gewünscht ist. Gekoppelt mit einer starken Bildsprache sprechen sie emotional an und können eine große Wirkung entfalten, indem sie zehntausende Male geteilt werden. Geht etwas über die Grenzen des Grundgesetzes hinaus, wird es also extremistisch, kann es auch wesentlich leichter zurückgenommen und gelöscht werden. Die Botschaften sind jedoch im öffentlichen Raum platziert worden. Wenn sie den Weg in die Köpfe der Menschen finden, haben sie das Potential, das gesellschaftliche Miteinander grundlegend zu verändern.
Merkmale von Populismus auf einen Blick
- Berufung auf das "Volk"
- Alleinvertretungsanspruch für das "Volk"
- Scharfe Gegenüberstellung von "Wir" und das "Andere"
- Propagierung von Alternativlosigkeit
- Konzentration auf Einzelthemen
- Drang nach charismatischer Führung
Weltweit gewinnen populistische Parteien an Einfluss, in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Doch was genau ist „Populismus“? In der Landeszentrale sprachen wir mit Prof. Paula Diehl über diesen umstrittenen Begriff.
BLPB, Januar 2026
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