Verschwörungstheorien

Der Begriff "Verschwörungstheorie" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Philosophen und Soziologen Karl Popper in seinem Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" geprägt und populär. Im englischsprachigen Raum ist der Begriff schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

Verschwörungstheorien behaupten, eine Verschwörung stecke hinter politischen und gesellschaftlichen Ereignissen. Dafür blenden sie alle dagegensprechenden Fakten aus. Eine Theorie im wissenschaftlichen Sinne sind sie daher nicht, da die Behauptungen, die dabei aufgestellt werden, nicht darauf gerichtet sind, geprüft und auch widerlegt zu werden. Treffender ist es deshalb, von Verschwörungserzählungen zu sprechen.

Veranstaltungstipp

Anspruch auf die Wahrheit

Verschwörungserzählungen erheben den Anspruch, die klare und einfache Wahrheit hinter den "offiziellen" Erklärungen über politische, religiöse und gesellschaftliche Ereignisse in der Welt zu kennen und zu erzählen. Vor allem in Krisenzeiten, wenn viele Menschen Unsicherheit verspüren und Staat und Politik keine stabile Orientierung zu bieten scheinen, wächst der Glaube an Verschwörungsszenarien. Im Internet und in den sozialen Medien verbreiten sich die Behauptungen dazu rasend schnell.

Die Beispiele für Verschwörungserzählungen sind in der Geschichte und in der Gegenwart zahlreich. Aus der jüngeren Politik gehören dazu etwa Deutungen zu den Terroranschlägen wie die vom 11. September 2001 in den USA oder die Behauptungen zur Entstehung und Verbreitung des Coronavirus. Nicht immer sind dabei die Urheber so genau auszumachen wie etwa in der Person des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der die Verbreitung von Verschwörungsgedanken gezielt als Mittel seiner Politik einsetzte.

Geheimnisse

Der sogenannte Deep State (Tiefer Staat) ist ein bekanntes Motiv in aktuellen Verschwörungserzählungen. Dabei wird behauptet, es würde geheime Verschwörungskreise innerhalb des Staates geben, die eigene, zumeist dunkle Ziele verfolgen. In Deutschland ist zum Beispiel der Glaube an ein Komplott der Medien und Regierungsparteien gegen die eigene Bevölkerung ein verbreitetes Argument in rechten Protestbewegungen und Parteien. Darin wird behauptet, die Regierung wolle die deutsche Bevölkerung durch das gezielte Einlassen von Geflüchteten "austauschen". Bill Gates geriet in den Mittelpunkt einer Verschwörungserzählung, die in Deutschland, Europa und weltweit eine zahlreiche Anhängerschaft gefunden hat, indem sie behauptet, der Gründer von Microsoft versuche, das Bevölkerungswachstum durch manipulierte Impfstoffe zu kontrollieren.

Die Zahl der Menschen, die an solche und andere Verschwörungserzählungen glaubt, wächst. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Verschwörungserzählung als Orientierungshilfe

„Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten“, so der Historiker Wolfgang Wippermann in einer Studie von 2007. Demzufolge erhält Verschwörungsdenken in Krisenzeiten Auftrieb. Was dabei genau als Krise zu bezeichnen ist oder welche Faktoren zentral für den Glauben an Verschwörungen sind, ist in der Forschung jedoch nicht eindeutig geklärt. Während die einen vor allem die großen, kollektiven Krisen in den Blick nehmen wie Kriege, Revolutionen oder schwere politische und wirtschaftliche Unruhen, sehen andere individuelle Gründe im Vordergrund. 

Eine Erklärung geht davon aus, dass es immer schwieriger für den Einzelnen wird, sich in einer komplexen und zunehmend vernetzten Welt zurecht zu finden. Klarheit und Orientierung gehen verloren. Das Bedürfnis nach Antworten und einfachen Lösungen wächst. Ansonsten entsteht bei einem Menschen das Gefühl, dass seine Umwelt aus dem Gleichgewicht gerät. In diese psychologische Lücke stoßen Verschwörungserzählungen. Sie geben vermeintlich klare Antworten. Fakten und Argumente, die dann gegen diese Theorie sprechen, werden von den Betreffenden ausgeblendet. 

Anonyme Kräfte im Hintergrund

Psychologen haben festgestellt, dass der Glaube an Verschwörungserzählungen dann zunimmt, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie ihr Leben nicht mehr selbstbestimmen können, sondern statt dessen anonyme Mächte im Geheimen die Kontrolle darüber übernommen haben.

"Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Eine andere Erklärung leitet die Akzeptanz von Verschwörungserzählungen aus der menschlichen Entwicklungsgeschichte her. Im Laufe der Evolution habe der Mensch gelernt, in kleinen Gruppengefügen zu kommunizieren. Es entsteht eine Abgrenzung und gewisse Skepsis gegenüber anderen Gruppen. Deshalb vermuten Vertreter von Verschwörungserzählungen hinter globalen Veränderungen eher unbeliebte (fremde) Gruppen, als eine viel umfangreichere Erklärung.

Als Zielscheibe von Verdächtigungen eignet sich fast jede Minderheit, egal ob religiöse Gruppen oder politisch-ideologische Gegner. Ein besonders hohes Verschwörungspotential richtet sich gegen jüdische Menschen. Der Antisemitismus von heute gründet sich auf zahlreiche Verschwörungserzählungen, die sich bis ins Mittelalter zurück verfolgen lassen. Der Holocaust steht beispiellos für die Wirksamkeit dieser Weltvorstellungen.

Lesetipp

Misstrauen als Quelle

Verschwörungserzählungen der Gegenwart nutzen das wachsende Misstrauen vieler Menschen gegenüber der Arbeit offizieller Institutionen. Der weltweite Abhörskandal des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA befeuert in Deutschland ebenso wie die Arbeit des Verfassungsschutzes im Fall der rechtsterrroristischen Vereinung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) das grundsätzliche Misstrauen gegenüber diesen Einrichtungen. Auch die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten bietet Platz für Verschwörungserzählungen. Der Begriff von der "Lügenpresse" steht hier für die Überzeugung, dass die Medien bewusst Falschinformationen über politische Sachverhalte geben würden.

Menschen, die leicht empfänglich für solche Verschwörungstheorien sind, fühlen sich psychologischen Untersuchungen zufolge oft machtlos, vom Staat benachteiligt und gefühlsmäßig sprachlos. Sie besitzen ein grundsätzliches Misstrauen. Glaubt man erst einmal an eine Verschwörung, ist die Schwelle leicht überwunden, auch weiteren Angeboten von scheinbar einfachen Lösungen komplexer Probleme zu folgen.

Was tun?

Wie man diesen Verschwörungstheorien entgegenwirken kann, ist umstritten.Während einige meinen, es sei besser, sie zu ignorieren, da gerade im Internet so genannte Trolle (meist anonym agierende Personen, deren einziges Ziele darin besteht, emotional zu stören und zu provozieren), durch Aufmerksamkeit erst groß würden, sprechen sich andere dafür aus, sie durch Fakten zu widerlegen.

Hilfestellung für den Alltag

Was man gegen Verschwörungserzählungen tun kann
Flyer und Plakat der bpb

Die Auseinandersetzung mit Menschen, die an Verschwörungen glauben, ist nicht leicht, denn oft bieten sie eine Fülle an Details auf, die in ihrer Einzelheit möglicherweise wahr sind, aber dann so aus dem Zusammenhang gerissen werden, dass sie in die eigene Theorie passen. Auffällig in dieser Argumentationsweise ist, dass sie die andere Seite offensiv kritisiert, ohne die eigene Theorie mit belegbaren Argumenten zu verteidigen.

Wer an Verschwörungserzählungen glaubt, empfindet das politische System oft als undemokratisch. Hier könnten vorbeugende Maßnahmen ansetzen, so dass Verschwörungsgedanken gar nicht erst entstehen. Vertrauen kann beispielsweise durch Transparenz der staatlichen, politischen und medialen Arbeitsprozesse geschaffen oder im besten Falle sogar wiedererlangt werden. Gelingt dies nicht, wird die Popularität von Verschwörungserzählungen vor allem durch das Internet wohl noch zunehmen.

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Die Bundesrepublik ist eine GmbH? Wir sind alle nur Personal? Es gibt eine geheime Weltregierung? Und wir werden durch Chemtrails vergiftet? Mirko Drotschmann geht für euch populären Verschwörungstheorien auf den Grund.

BLPB 2016 (zuletzt akualisiert März 2021)

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Kommentare

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Na da bin ich ja gespannt was in Sachen "Verschwörungstheorien" heraus kommt, wenn die "Bundesregierung" auf die Anfragen bezüglich des "gelben Schein´s" (Staatsangehörigkeitsausweis) antwortet. ;-)

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