Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien bieten alternative Deutungen abseits offizieller Erklärungen zu politischen, religiösen und gesellschaftlichen Ereignissen in der Welt. Dazu zählen etwa Deutungen zu Terroranschlägen wie die vom 11. September 2001. Im Gegensatz zu amerikanischen Regierungsbehörden behaupten Verschwörungstheoretiker, die US-Regierung selbst sei daran beteiligt gewesen.

Gegenwärtig ist in Deutschland der Glaube an ein Komplott der Medien und Regierungsparteien gegenüber der Bevölkerung ein verbreitetes Argument in rechten Protestbewegungen und Parteien. Insbesondere im Internet verbreiten sich Verschwörungsbehauptungen rasend schnell. Nicht immer sind dabei die Urheber so genau auszumachen wie etwa in der Person von US-Präsident Donald Trump, der die Verbreitung von Verschwörungsgedanken gezielt als Mittel seiner Politik einsetzt.

Die Gruppe von Menschen, die an solche Verschwörungstheorien glaubt, wächst. Die Gründe dafür sind vielfältig.

„Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten“, so der Historiker Wolfgang Wippermann in einer Studie von 2007. Demzufolge erhält Verschwörungsdenken in Krisenzeiten Auftrieb. Was dabei genau als Krise zu bezeichnen ist oder welche Faktoren zentral für den Glauben an Verschwörungen sind, ist in der Forschung nicht eindeutig geklärt.

Während die einen vor allem die großen, kollektiven Krisen in den Blick nehmen wie Kriege, Revolutionen oder schwere politische und wirtschaftliche Unruhen, sehen andere individuelle Gründe im Vordergrund. 

Eine Erklärung geht davon aus, dass es immer schwieriger für den Einzelnen wird, sich in einer komplexen und zunehmend vernetzeren Welt zurecht zu finden. Klarheit und Orientierung gehen verloren. Das Bedürfnis nach Antworten und einfachen Lösungen wächst. Ansonsten entsteht bei einem Menschen das Gefühl, dass seine Umwelt aus dem Gleichgewicht gerät. In diese psychologische Lücke stoßen Verschwörungstheorien. Sie geben vermeintlich klare Antworten. Fakten und Argumente, die dann gegen diese Theorie sprechen, werden von den Betreffenden ausgeblendet. 

Psychologen haben festgestellt, dass der Glaube an Verschwörungstheorien dann zunimmt, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie ihr Leben nicht mehr selbstbestimmen können, sondern statt dessen anonyme Mächte im Geheimen die Kontrolle darüber übernommen haben.

"Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Eine andere Erklärung leitet die Akzeptanz von Verschwörungstheorien aus der menschlichen Entwicklungsgeschichte her. Im Laufe der Evolution habe der Mensch gelernt, in kleinen Gruppengefügen zu kommunizieren. Es entsteht eine Abgrenzung und gewisse Skepsis gegenüber anderen Gruppen. Deshalb vermuten Vertreter von Verschwörungstheorien hinter globalen Veränderungen eher unbeliebte (fremde) Gruppen, als eine viel umfangreichere Erklärung.

Als Zielscheibe von Verdächtigungen eignet sich fast jede Minderheit, egal ob religiöse Gruppen oder politisch-ideologische Gegner. Ein besonders hohes Verschwörungspotential lastet auf der Gruppe der Juden. Der Antisemitismus von heute gründet sich auf zahlreiche Verschwörungstheorien, die sich bis ins Mittelalter zurück verfolgen lassen. Der Holocaust steht beispiellos für die Wirksamkeit dieser Weltvorstellungen.

Lesetipp

Verschwörungsideologen der Gegenwart nutzen das wachsende Misstrauen vieler Menschen gegenüber der Arbeit offizieller Institutionen. Der weltweite Abhörskandal des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA befeuert ebenso wie die undurchsichtige Arbeit des Verfassungsschutzes im NSU-Fall in Deutschland das generelle Misstrauen gegenüber diesen Einrichtungen. Auch die Arbeit von Journalisten bietet Platz für Verschwörungstheorien. Der Begriff von der "Lügenpresse" steht hier für die Überzeugung, dass die Medien bewusst Falschinformationen über politische Sachverhalte geben.

Menschen, die leicht empfänglich für solche Verschwörungstheorien sind, fühlen sich psychologischen Untersuchungen zufolge oft machtlos, vom Staat benachteiligt und gefühlsmäßig sprachlos. Sie besitzen ein grundsätzliches Misstrauen. Glaubt man erst an eine Verschwörungstheorie, ist die Schwelle leicht überwunden, auch Anhänger weiterer Angebote von scheinbar einfachen Lösungen komplexer Probleme zu werden.

Wie man diesen Verschwörungstheorien entgegenwirken kann, ist umstritten.Während einige Beobachter meinen, es sei besser, sie zu ignorieren, da gerade im Internet so genannte Trolle (meist anonym agierende Personen, deren einziges Ziele darin besteht, emotional zu stören und zu provozieren), durch Aufmerksamkeit erst groß würden, sprechen sich andere dafür aus, sie durch Fakten zu widerlegen.

Die Auseinandersetzung mit Verschwörungsideologen ist nicht leicht, denn oft bieten sie eine Fülle an Details auf, die in ihrer Einzelheit möglicherweise wahr sind, aber dann so aus dem Zusammenhang gerissen werden, dass sie in die eigene Theorie passen. Auffällig in der Argumentationsweise von Verschwörungsanhängern ist, dass sie die andere Seite eher kritisieren, als dass sie ihre eigene Theorie argumentativ verteidigen.

Vertreter von Verschwörungstheorien empfinden das politische System oft als undemokratisch. Hier könnten vorbeugende Maßnahmen ansetzen, so dass Verschwörungsgedanen gar nicht erst entstehen. Vertrauen kann beispielsweise durch Transparenz der staatlichen, politischen und medialen Arbeitsprozesse geschaffen oder im besten Falle sogar wiedererlangt werden. Gelingt dies nicht, wird die Popularität von Verschwörungstheorien vor allem durch das Internet wohl noch zunehmen.

Die Bundesrepublik ist eine GmbH? Wir sind alle nur Personal? Es gibt eine geheime Weltregierung? Und wir werden durch Chemtrails vergiftet? Mirko Drotschmann geht für euch populären Verschwörungstheorien auf den Grund.

 

LD, Juni 2016 (zuletzt bearbeitet von Landeszentrale, August 2018)

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Kommentare

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Na da bin ich ja gespannt was in Sachen "Verschwörungstheorien" heraus kommt, wenn die "Bundesregierung" auf die Anfragen bezüglich des "gelben Schein´s" (Staatsangehörigkeitsausweis) antwortet. ;-)

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