Die globale Weltordnung verändert sich. Staaten wie China, Russland und die USA stellen Deutschland und Europa vor neue Herausforderungen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Herfried Münkler haben wir über die aktuellen Umbrüche und politischen Herausforderungen und was sie für das Selbstverständnis Deutschlands bedeuten, gesprochen.
Am 4. Februar 2026 war der Politikwissenschaftler und Autor des Buches „Macht im Umbruch“, Prof. Dr. Herfried Münkler, in der Landeszentrale zu Gast. Im Mittelpunkt unseres Gesprächs standen die Fragen, wie sich die internationale Ordnung verändert und welche Folgen das für Europa hat. Mit Blick auf die Europäische Union diskutierten wir, was die Voraussetzungen für eine auf internationaler Bühne handlungsfähige EU sind. Im Anschluss konnte das Publikum eigene Fragen an Prof. Dr. Münkler stellen.
„In einem System wie dem der Dreien, mit dem wir zurzeit konfrontiert sind, wird gewissermaßen schnell Schach gespielt. Da muss man innerhalb kürzester Zeit ziehen oder man hat das Spiel verloren.“ Prof. Dr. Herfried Münkler
Prof. Dr. Herfried Münkler erklärt, warum die derzeitige internationale Ordnung eigentlich keine Ordnung ist und was dies für die EU und Deutschland bedeutet.
„Also im Augenblick würde ich das Wort Ordnung nicht gebrauchen wollen, sondern sagen, es ist eine gewaltaffine Unordnung. Es kann ja sein, dass jetzt schon oder in fünf Minuten in irgendeiner Weise von der Abraham Lincoln, amerikanische Kampfbomber aufsteigen und bestimmte Positionen im Iran angreifen.“ Prof. Dr. Herfried Münkler
Wichtige Punkte der Diskussion
- Unter Trump ziehen sich die USA zunehmend aus der Rolle als Hüter der globalen Ordnung zurück.
- Die regelgebundene- und wertebasierte Ordnung stellte sich als hoch fragil heraus, weil es keinen verlässlichen „Hüter“ gibt und die Anerkennung von Schiedsgerichten nicht funktioniert. Weder China noch Russland noch die USA sind dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beigetreten.
- Für eine stabile machtbasierte Weltordnung braucht es fünf Mächte. Neben den USA, China und Russland müssen Europa und Indien dabei sein, wobei sich hinter Europa gewissermaßen alle Anhänger des demokratischen Rechtsstaats versammeln.
- Das Einstimmigkeitsprinzip innerhalb der EU schränkt deren Handlungsfähigkeit ein.
- Um mit den drei Imperien (USA, China, Russland) Schritt zu halten, braucht es in der EU eine Hierarchisierung, das heißt eine Koalition der Willigen und der Fähigen. Zusätzlich muss man darüber nachdenken, wie die EU resilienter, also widerstandsfähiger, werden kann.
Fragen und Kommentare aus dem Publikum
Welche Rolle spielen Internet und soziale Medien für Trump, die MAGA-Bewegung und den Trumpismus?
Die Entwicklung sei bedenklich, es handele sich um eine Frage, die die Zukunft unserer Demokratie betreffe. Internetkommunikation sei nicht nachhaltig und das Internet zudem der Ort der Verbreitung von Desinformationen. Das alles spiele auch in der Sicherheitspolitik eine Rolle, nämlich im Bereich dessen, was man hybride Kriegführung nennt. Mehr Digitalisierung erhöhe zudem die Verwundbarkeit, daher brauche es stärkere Resilienz und Schutz kritischer Infrastruktur.
Wäre es nicht möglich, dass irgendwann die Finanzindustrie dem Trump-Regime ein Ende macht?
Die Annahme, dass wirtschaftliche Macht politische Macht begrenzen kann, sei verbreitet gewesen. Beispielsweise habe man geglaubt, dass die Oligarchen in Russland einen großen Einfluss hätten, aber eigentlich hätten alle verloren und es seien nur noch die Oligarchen in Russland, die ganz strikt auf Putins-Linie sind. In den USA wiederum hätten die Universitäten, Anwaltskanzleien und Tech-Unternehmer nachgegeben. Gegenwärtig schlage die politische Macht die wirtschaftliche Macht.
Nehmen wir Grönland oder Venezuela. Wir können ja täglich dieses Ballett erleben, was dann außenpolitisch gemacht wird. Wie würden Sie sich verhalten oder Sie als Berater, was würden Sie dem Bundeskanzler raten? Wie soll man sich verhalten?
Hier komme es darauf an, Zeit zu gewinnen. Diese werde benötigt, um Abhängigkeiten zu verringern und zugleich Fähigkeiten aufzubauen, die Europa unabhängiger von den USA machten. Über die eigene Strategie solle dabei nicht zu offen gesprochen werden, da andere Akteure genau zuhörten. Zugleich liege darin auch eine Verwundbarkeit der Demokratie: Häufig werde lange diskutiert, bevor gehandelt werde. Ob man sich diese Form der Selbstvergewisserung künftig noch leisten könne, müsse sich zeigen.
BLPB, März 2025
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