Ich sehe Sternchen*

Ein Poetry Slam in der Landeszentrale war schon lange unser Ziel. Dass es jetzt ein queerer Poetry Slam geworden ist, macht es nur noch besser für die politische Bildung. Wer von anderen Lebensumständen, Entwicklungen und auch Problemen weiß, urteilt vielleicht weniger schnell über andere.

Wir sind ein Ort der Begegnungen und der Wissensvermittlung. Der beste Nebeneffekt dabei ist, dass wir selbst immer wieder Neues dazulernen. In den letzten Wochen haben wir uns viel mit queeren Themen beschäftigt, weil der Umgang mit Minderheiten und Toleranz wichtige Aussagen über den Zustand demokratischer Gesellschaften geben können. 

Wir haben deshalb eine Ausstellung entwickelt, ein Begleitbuch dazu geschrieben und Veranstaltungen geplant. Unter anderem auch einen Poetry Slam. Ein typischer Slam ist witzig, ernst, lyrisch, privat und häufig auch politisch. Immer mehr queere Menschen haben diese Ausdrucksform für sich entdeckt und berichten aus ihren Lebenswelten. Ihre Texte handeln häufig von Akzeptanz und Respekt.

Eigentlich selbstverständliche Dinge. Es gehört viel Mut dazu, sich auf eine Bühne zu stellen und etwas von sich preiszugeben. Unsere Vortragenden Sven Hensel, Vivien Mügge, Stef und Veronika Rieger haben das am 26. August bei unserem ersten Poetry Slam ganz großartig gemacht. Sie haben uns amüsiert, gerührt und zum Nachdenken gebracht. Für sie und aus den Erfahrungen der letzten Wochen habe ich deshalb auch einen kleinen Text geschrieben. Es fängt mit kleinen Dingen an und sei es ein Sternchen.

Ich sehe Sternchen*
 
Ich sehe Sternchen und soll doch Bindestriche nehmen – sagt der Duden.
Ich bin cis (gerade gelernt) und hetero (laaangweilig) – finde mich so aber völlig ok.
Für andere ist das nicht so einfach – wie gemein.
 
Es gibt mehr – voll interessant, spannend, das wusste ich ja gar nicht.
Das sollten andere auch wissen, damit sie es auch spannend finden und interessant
und und und und nicht mehr so komisch gucken.
So mit der Nase rümpfen, verächtlich lachen, es besser wissen, obwohl sie wenig wissen, manchmal gar nichts.
 
„Ja, ja Regenbogen und so“, sagte heute jemand am Telefon als sie fragte, was das für eine Veranstaltung sei.
Sie ist heute nicht hier.
 
Ich sehe Sternchen. Und manchmal schreibe ich sie auch. Weil es wichtig ist.
Weil ich will, dass die Leute wissen, verstehen, begreifen – nicht mehr mit der Nase rümpfen,
verächtlich lachen und es besser wissen – wollen.
 
Ich weiß jetzt, dass der Regenbogen einen Streifen hat, der violett heißt und nicht lila.
Ich weiß was trans bedeutet und binär, gender und Regenbogenfamilie. 
Familie – das ist schön.
 
Ein (meist) verrückter Haufen, alle unterschiedlich, alle irgendwie zusammen,
manchmal gewählt, manchmal unfreiwillig, aber unweigerlich auf dem gleichen Planeten.
Und von dem aus sehen wir ALLE Sternchen.

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Katrin Marx

Katrin Marx ist Publikationsreferentin in der Landeszentrale.

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