Gedenktag: 9. November

Der 9. November wird oft als "Schicksalstag" der Deutschen bezeichnet, weil an diesem Tag Ereignisse stattfanden, die die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts in entscheidender Weise geprägt haben. Dieser Begriff verdeckt jedoch die Tatsache, dass es Menschen waren, die eben diese Geschichte "gemacht" haben. Die damit verbundene mystische Verklärung sollte daher kritisch gesehen werden, denn mit Schicksal haben die Ereignisse wohl am wenigsten zu tun.

Immer wieder taucht auch  der Vorschlag auf, den 9. November als deutschen Nationalfeiertag zu begehen. Bereits ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt indessen, wie zwiespältig diese Entscheidung wäre.

In der gegenwärtigen öffentlichen Erinnerung stehen vor allem zwei Ereignisse im Vordergrund: der 9. November 1938 und der 9. November 1989. Der eine Tag steht für Tod, Zerstörung und später Völkermord. Der andere für Freudentränen, Euphorie und Umarmungen.

1938 brannten nationalsozialistische Schlägertrupps Synagogen nieder, raubten jüdische Geschäfte aus, verprügelten, verschleppten und töteten Juden. Die deutsche Bevölkerung schaute zu, beteiligte sich, half aber auch den Opfern. Der 9. November 1938 in Berlin gilt als Symbol für diese neue Stufe des Antisemtitismus in Deutschland. Er ist als "Reichskristallnacht" in die Geschichte eingegangen. In Deutschland hat sich seit Ende der 1970er Jahre die Bezeichnung "Reichspogromnacht" dafür durchgesetzt.

Vor dem Hintergrund der bis heute weit verbreiteten antisemitischen Einstellungen in unserer Gesellschaft ist der Tag immer wieder Anlass für den kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte und ein Hinterfragen der Gegenwart. Die bisherige Erinnerungs- und Gedenkkultur wird dabei insbesondere von rechtspopulistischen Kommentaren seit einigen Jahren in Frage gestellt. So wird versucht, allein geflüchtete Menschen islamischen Glaubens für einen gestiegenen Antisemitismus verantwortlich zu machen und die Deutschen aufzurufen, sich dagegen für eine nicht näher bestimmte Freiheit einzusetzen. Dieser Kampf wird dann in eine direkte Linie mit der Erinnerung an den 9. November 1989 gestellt.

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 wird jährlich von vielen Akteuren gefeiert. Er gilt als Symbol für das Ende der deutschen Teilung, als Zeichen für den Erfolg der Friedlichen Revolution in der DDR und den Mut der ostdeutschen Zivilbevölkerung.

1938 und 1989 stehen in einer gewissen Konkurrenz zueinander, wenn es um das "richtige" öffentliche Erinnern geht. Dies zeigte sich insbesondere im so genannten Doppeljubiläumsjahr 2009/10, als sowohl 20 Jahre Friedliche Revolution als auch 20 Jahre Deutsche Einheit das Gedenken an den 9. November 1938 in der Hintergrund zu drücken drohten.

Für deutsche Rechtsextremisten ist der 9. November vor allem mit dem Jahr 1923 verbunden. Am 8. November hatte Adolf Hitler die „nationale Revolution“ ausgerufen, die den Sturz der Weimarer Republik zum Ziel hatte. Am 9. November zog ein Zug seiner Anhänger durch die Müncher Innenstadt. Nach diesem Putschversuch wurde Hitler inhaftiert. Seine Ziele setzte er 1933 dann mit legalen Mitteln durch. Der 9. November des Jahres 1923 wurde jedoch ein wichtiger Teil des Erinnerungskultes im Nationalsozialismus.

Ein deutscher Schicksalstag?

9. November 1848:  Hinrichtung von Robert Blum, Revolutionär und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung.

9. November 1918: Ende der deutschen Monarchie. Deutschland wird Republik.

9. November 1938: "Reichskristallnacht" 

9. November 1967: Studentenproteste in Hamburg gegen verkrustete Strukturen im Bildungssystem (68er-Bewegung)

9. November 1989: Fall der Berliner Mauer

BLPB, November 2013 (aktualisiert im November 2019)

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