Klimagerechtigkeit

Klimagerechtigkeit (englisch: climate justice) ist der Sammelbegriff für Forderungen nach einer gerechten Verteilung der Folgen des Klimawandels. Dieser Ansatz entwickelte sich seit Ende der 1980er Jahre aus der internationalen Klimabewegung. Danach sollen Schäden, die als Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels entstehen, nach dem Verursacherprinzip behandelt werden. Es sollen also diejenigen Länder und Akteure zur Verantwortung gezogen werden, die den größten Ausstoß an Treibhausgasen haben und somit die Hauptverursacher für den derzeitigen Klimawandel sind.

Ungleiche Verteilung weltweit

Die Erderwärmung als Folge des Klimawandels trifft vor allem die Länder des globalen Südens - das sind Entwicklungsländer und gering industrialisierte Länder (Schwellenländer). Sie haben jedoch den geringsten Anteil am Klimawandel. Den weitaus größeren Anteil haben die Länder des so genannten globalen Nordens: ihre Lebensweise, ihr Konsum, die extensive Nutzung von Ressourcen, der hohe Energieverbrauch, Verkehr und enorme Abfallmengen erzeugen Treibhausgase, die unsere Erde zum Schwitzen bringen.

Während die starken Industrienationen Mittel haben, die Folgen des Klimawandels für sich selbst zumindest abzuschwächen, sind die am stärksten betroffenen Länder nicht in der Lage, sich zu schützen. Ob bei Überschwemmungen, Dürren oder Ernteeinbußen - ihnen fehlen die technischen, finanziellen und personellen Mittel sowie Infrastrukturen, um klimaschutztechnische Maßnahmen zu ergreifen oder sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Dazu kommt, dass die ärmeren Länder auf internationaler Ebene kaum die Stärke haben, um ihre Bedürfnisse gegenüber den reichen Industriestaaten durchzusetzen.

Umwelt- und Klimarassismus als Treiber

Eine Ursache für die ungleiche Verteilung der Klimafolgen sieht die Forschung in einer tief verwurzelten und weit verbreiteten Diskriminierung. Koloniale Denk- und Verhaltensmuster führten zu einem Umwelt- und Klimarassismus und trieben die Ungerechtigkeit voran.

"... schon jetzt sterben vor allem Schwarze Menschen, indigene Bevölkerungen und andere historisch diskriminierte Gruppen, sowie natürlich auch arme Menschen..." Matthias Quent, Soziologe und Buchautor

Um mehr Klimagerechtigkeit zu erreichen, legten die Vereinten Nationen auf dem Klimagipfel 2012 drei Ziele fest. Erstens soll das Überleben aller Staaten der Erde gesichert werden. Dafür wurde im Pariser Klimaabkommen vereinbart, dass die Erderwärmung 1,5 Grad nicht übersteigen soll. Zweitens sollen die Lasten, die durch den Klimawandel entstehen, international gerecht verteilt werden. Drittens sollen alle Länder an klimapolitischen Anpassungen beteiligt werden.

Was die Klimabewegung von der Politik erwartet

Auch aus der Klimabewegung kommen Vorschläge, wie mehr Klimagerechtigkeit erreicht werden kann. So fordert die Organisation „Debt for Climate“ den Erlass der Schulden für verarmte Länder, um den Auf- oder Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben zu können. Gesetze müssten so gestaltet werden, dass Menschenrechte, Fairness und Klimafreundlichkeit berücksichtigt werden.

In der sozialen Bewegung „Fridays for Future“ taucht der Begriff der Klimagerechtigkeit regelmäßig auf. Sie fordert zudem eine Reduktion des Massenkonsums in Industrie- und Schwellenländern, eine nachhaltige und kleinbäuerliche Landwirtschaft und ein Ende des kapitalistischen Systems.

Die Einrichtung eines „Loss and Damage“-Fonds (Verlust- und Schadenfonds) der UNO soll ab 2024 dafür sorgen, dass die von der Klimakrise am stärksten betroffenen Menschen und Länder entschädigt werden. Noch ist unklar, ob dieser Fonds die Summe von jährlich geschätzt 200 Milliarden Dollar für Klimafolgeschäden in Entwicklungsländern abdecken wird.

Lesetipp

BLPB, Februar 2023

Linktipps

Schlagworte

Neuen Kommentar hinzufügen

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.