Neue Rechte, Die

Der Begriff Neue Rechte steht für einen neuen Typ des Rechtsextremismus, der häufig auch als Rechtspopulismus bezeichnet wird. Dabei agiert die sogenannte Neue Rechte sowohl in der rechten Szene, schlägt aber auch die Brücke zur gesellschaftlichen Mitte. In Deutschland wurde der Begriff Ende der achtziger Jahre von dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie geprägt, um damit die aufstrebende Republikanische Partei (REP) von der "alten Rechten", namentlich der NPD und der DVU, zu unterscheiden. Der Aufstieg der Republikaner wurde in diesem Zusammenhang auch als Zeichen für eine europaweite Stärkung des Rechtsextremismus gesehen.

Im Selbstverständnis der Neuen Rechten grenzten sich diese durch eine "neue", zukunftsgewandte Ideologie von der Erinnerung an Faschismus und Nationalsozialismus wie sie von der NPD vertreten wurde, ab. Der "neue" Kern war demzufolge das Konzept des Ethnopluralismus. Dabei geht es um die Verschiedenartigkeit von Kulturen und um das vermeintliche Recht jedes Volkes auf seine Identität. In Deutschland drückt sich dies unter anderem in der fremdenfeindlichen Formel "Deutschland den Deutschen" aus. Inzwischen findet sich dieser Gedanke aber in allen Programmen des europäischen Rechtsextremismus.

Vertreter der Neuen Rechten verstehen sich innerhalb der extremen Rechten der Gegenwart als Modernisierer gegenüber den Traditonalisten. Modernisierer und Traditionalisten lassen sich anhand bestimmter Merkmale unterscheiden. 

Die sogenannte Identitäre Bewegung (Selbstbezeichnung: IB) spielt eine besondere Rolle in der Neuen Rechten-Szene der Gegenwart. Mit schrillen Aktionen wie der Besetzung des Brandenburger Tors in Berlin sucht sie seit einiger Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit. Ihre Vertreter verbreiten die Parole vom sogenannten Großen Austausch, also der angeblichen Ersetzung des ethnisch deutschen Volkes durch "Fremde". Die "Identitären" werden in mehreren Bundesländern, darunter Brandenburg, von den jeweiligen Verfassungsschutzämtern beoabachtet.

Aktuell nutzt die Neue Rechte die Flüchtlingsthematik für eine Verbreitung ihrer fremdenfeindlichen, rassistischen Ideen. Sie schürt gezielt die Ängste der bürgerlichen Mitte, um Sorgen und Abwehrhaltungen auf Migranten und geflüchtete Menschen zu lenken.

Lesetipp

Wichtigstes Organ der "Neuen Rechten" in Deutschland ist die Wochenzeitung "Junge Freiheit". Götz Kubitschek, der zur Zeit als einer der wichtigsten geistigen Köpfe der "neuen Rechten" gilt, stammt aus dem Autorenkreis der Zeitung. Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit anderen das Institut für Staatspolitik (IfS). Es gilt als "Denkfabrik" der Neuen Rechten und veranstaltet regelmäßige Bildungsakademien für die Schulung junger Menschen aus der rechten Szene. Im Internet gehört der Blog "Jouwatch" zu den einflussreichen Plattformen der "Neuen Rechten".

Lesetipp

kb, April 2013 (zuletzt bearbeitet von BLPB, Oktober 2018).
Quellen: Richard Stöß, Die neue Rechte in der Bundesrepublik, 2007 und Margret Feit: Die „Neue Rechte“ in der Bundesrepublik. Organisation – Ideologie – Struktur. Fankfurt/Main 1987.

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Kommentare

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Die Angabe, dass die "Junge Freiheit" eine Tageszeitung sei, stimmt nicht. Seit 1994 erscheint das Blatt als Wochenzeitung, zuvor als Monatszeitung.

Zudem ist nicht richtig, dass der Begriff "Neue Rechte" Ende der achtziger Jahre "von dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie geprägt" wurde. Vielmehr handelt es sich bei dem Begriff um eine Eigenbezeichnung einer rechten politischen Strömung, sie war bereits in den 1970er Jahren in Frankreich etabliert und gelangte danach in die Bundesrepublik.
Leggewie übernahm die Bezeichnung lediglich und überführte sie in die Politikwissenschaft. Ihn in diesem Zusammenhang als "Präger" zu bezeichnen, ist schon ein wenig Etikettenschwindel.

Sehr geehrter Gast, die "Junge Freiheit" ist eine Wochenzeitung, das steht jetzt auch im Beitrag. Vielen Dank für den Hinweis. Ihre Anmerkungen zur Geschichte des Begriffs ergänzen den Text. Nennen Sie uns doch bitte Ihre Quelle. Wir haben uns in der Darstellung auf Richard Stöss bezogen. Ihren Kommentar haben wir zum Anlass genommen, um Leggewies Verwendung des Begriffs in Deutschland zu präzisieren, denn darum geht es im Beitrag. Dass der Begriff auch als Selbstbezeichnung in der "neuen" rechten Szene verwendet wurde und wird, wird damit nicht in Frage gestellt.

Thomas Pfeiffer von der Bundeszentrale für politische Bildung hat sich in seinem Buch "Die Neue Rechte in Deutschland" (Düsseldorf 2004) deutlich detaillierter als der doch recht oberflächlich arbeitende Stöss damit auseinandergesetzt (S. 107ff. und auch S. 119). Die Bezeichnung wurde keineswegs zuerst von der Politikwissenschaft (und Leggewie) eingeführt, sondern sehr viel früher insbesondere von Henning Eichberg und den ihm damals ideologisch Nahestehenden seit Beginn der 1970er Jahre verwendet. Interessanterweise hat die politiwissenschaftliche Übernahme seit den 1980er Jahren nicht zu mehr Klarheit der Bezeichnung beigetragen, sondern eher zu deren Ausfransung. Bei vielen heutigen Autoren wie etwa Toralf Staud wird nicht einmal klar, ob die NPD der ersten Jahre nach der Jahrtausendwende mehr Merkmale der "Neuen Rechten" aufweist oder doch jener der "Alt-Rechten"; - letzteres übrigens eine Bezeichnung, die heute weder als Selbstbezeichnung noch irgendwo gebräuchlich ist, noch ernsthaft in der Politikwissenschaft der heutigen Zeit benutzt wird. Eine Bezeichnung, die indes inzwischen inflationär gebraucht wird und längst keine richtige Trennschärfe mehr besitzt, wird letztendlich überflüssig.

Danke für Ihre pointierte Wortmeldung. Für eine grundlegende Orientierung scheint uns indessen die Unterscheidung zwischen einer "neuen" und einer "alten" Rechten auch weiterhin sinnvoll. Auch unter diesem Aspekt ist vielleicht dieses Interview mit dem von Ihnen genannten Henning Eichberg von 2010 interessant.

Für mich stellt sich nach wie vor die Frage der Trennschärfe. Gerade in der Wissenschaft macht die Verwendung von Bezeichnungen doch nur dann Sinn, wenn man das damit bezeichnete Phänomen - freilich mehr oder minder - exakt von anderen Phänomenen unterscheiden kann. Natürlich gibt es immer Schnittmengen, aber hier überwiegt recht eindeutig die (bewusst in Kauf genommene?) Verschwommenheit. Diese Verschwommenheit wird noch größer, wenn man vor beide Begriffe gleichermaßen das Wort "extrem" setzen kann, wodurch sich der Sinn der Unterscheidung noch weniger begreifen lässt. Deswegen finde ich nicht zuletzt den Hinweis von Eichberg im verlinkten Interview auf sein Verständnis der Unterscheidung von "Rechts" und "Links" sowie "Radikalismus" und "Extremismus" weitaus nachvollziehbarer. Selbstverständlich kann man auch dies für Propaganda oder eine nachträgliche Konstruktion zur Selbstentlastung halten - unbenommen - aber ich denke, die Fragen, die sich daraus ergeben und entwickelt werden (können), sind die weitaus interessanteren als jene aus dem Text von Stöss.

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