Rassismus

Leichte Sprache: Rassismus

Rassismus ist eine Form der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF). Der Kerngedanke von Rassismus besteht in der Annahme, dass es aufgrund genetischer und ethnischer Merkmale, wie etwa der Hautfarbe oder Augenform, unterschiedliche Kategorien von Menschen gibt und sich daraus eine Abstufung zwischen ihnen ableiten lässt.

Rassismus basiert auf der falschen Annahme, dass es Menschenrassen gibt. Diese Idee wurde von Menschen erfunden, um eine Hierarchie zwischen Menschengruppen zu schaffen, in der weiße Menschen ganz oben waren. Rassentheorien wurden und werden genutzt, um Sklaverei, Kolonialismus, wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdrückung in anderen Teilen der Welt zu rechtfertigen. So schreibt die deutsche Aktivistin Tupoka Ogette in ihrem Buch: „exit Racism“: „Die Europäer [...] wurden Rassisten, um Menschen für ihren eigenen Profit versklaven zu können. Sie brauchten eine ideologische Untermauerung; eine moralische Legitimierung ihrer weltweiten Plünderungsindustrie.“

Auch die Ideologie des Nationalsozialismus teilt Menschen willkürlich in „Rassen“ ein. Sie bildete eine Grundlage für den systematischen Mord an 6 Millionen Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs.

Der Begriff „Rasse“ im Grundgesetz

In Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es, dass niemand wegen seiner „Rasse“ benachteiligt werden darf. Inzwischen ist jedoch lange bekannt, dass es keine „Rassen“ gibt. Daher gab es immer wieder die Forderung, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen. Es gibt jedoch auch andere Stimmen, die sich gegen die Streichung des Begriffs aus dem Grundgesetz aussprechen. Sie befürchten, dass es im Fall einer Streichung noch schwieriger wird, über Rassismus zu sprechen oder verweisen darauf, dass der Rechtsbegriff „Rasse“ ein notwendiges Instrument sei, um Rassismus antidiskriminierungsrechtlich angehen zu können. Im Land Brandenburg wurde der Begriff „Rasse“ bereits im Jahr 2013 aus der Landesverfassung gestrichen. Darin heißt es nun in Artikel 12: „Niemand darf […] aus rassistischen Gründen bevorzugt oder benachteiligt werden.“

Auch heute steckt Rassismus noch breit in unserer Gesellschaft. Der Begriff des Alltagsrassismus weist zum Beispiel darauf hin, dass es ganz alltägliche Diskriminierungen sind, die Schwarze Menschen durch weiße erfahren.

Die deutsche Journalistin und Autorin Alice Hasters machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass nicht nur Nazis rassistisch sind. Rassismus müsse auch nicht erst bekämpft werden, wenn er in radikaler Form auftritt. Rassismus, so Hasters, beginne schon viel früher, zum Beispiel, wenn weiße Menschen Schwarzen Menschen ungefragt in die Haare fassen, sie als allererstes fragen, wo sie herkommen oder ihre Hautfarbe mit allen möglichen Dingen vergleichen, die braun oder schwarz sind (siehe dazu ihr Buch: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“).

Lesetipp

Hinzu kommt, dass Rassismus innerhalb unserer Gesellschaft nicht nur ein individuelles Fehlverhalten ist, sondern auch in den Strukturen öffentlicher und privater Institutionen verankert sein kann. Man spricht hier von institutionellem oder strukturellem Rassismus. Dieser zeigt sich Studien zufolge beispielsweise auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, im Bildungs-, Gesundheits-, Ausbildungs- oder Justizsystem, wo Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft rassistisch diskriminiert werden.

Für den Begriff Rassismus gibt es mehrere Definitionen, die alle auf den Kern von Rassismus verweisen: den Glauben an eine von der Natur vorgegebene Ungleichheit von Menschen.

Erklärung der UNESCO

 

In einer Erklärung der UNESCO von 1995 heißt es: „Rassismus ist der Glaube, daß menschliche Populationen sich in genetisch bedingten Merkmalen von sozialem Wert unterscheiden, so daß bestimmte Gruppen gegenüber anderen höherwertig oder minderwertig sind.“

Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz

 

Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz definiert Rassismus als „die Überzeugung, dass ein Beweggrund wie Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationale oder ethnische Herkunft die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt.“

Autorin und Antirassismus-Aktivistin Noah Sow

 

Die deutsche Autorin und Anti-Rassismus Aktivistin Noah Sow fasst den Begriff weiter. In ihrem Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ schreibt sie: „Rassismus [ist] zudem auch der Glaube, dass Menschen aufgrund ihrer genetisch bedingten und als ethnisch interpretierbaren Merkmale bestimmte Prädispositionen (Veranlagungen) jedweder Art haben.“ Für Sow ist Rassismus also nicht erst die negative Reaktion auf einen angeblichen Unterschied, sondern bereits die Behauptung des Unterschieds.

Rassismus in der Sprache

Rassismus drückt sich in vielfacher Hinsicht aus, auch in unserer Sprache. Wie beachtlich der Einfluss von Sprache auf unsere Gedanken und Handlungen sein kann, haben unter anderem verschiedene Untersuchungen zur Wirkung von Antisemitismus gezeigt. Im Umgang mit Rassismus kann ein achtsamer Umgang mit den Begriffen Schwarz und weiß auf ein Kernproblem hinweisen, denn es geht darum, Zuschreibungen durch Selbstbezeichnungen zu ersetzen. Zum Beispiel wird das Wort Schwarz in der Selbstbezeichnung Schwarzer Menschen großgeschrieben, um deutlich zu machen, dass es keine Hautfarbe ist und sich nicht auf eine biologische „Rasse“ bezieht. Weiß wird kursiv geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich hier ebenfalls nicht um eine biologische „Rasse“ oder eine tatsächliche Farbe handelt.

Lesetipp

Im Land Brandenburg tragen über 60 Schulen den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Um den Titel zu erwerben, müssen sich mindestens 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulbedienstete durch ihre Unterschrift zu den Grundsätzen des Programms bekennen sowie langfristig mit Aktionen und Projekten an der Schule gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus ein Zeichen setzen.

Welche Bedeutung der Kampf gegen den Rassismus im Land Brandenburg hat, zeigt der Landtag in einer Abstimmung am 22. November 2013. Einstimmig beschlossen die Abgeordneten, eine Antirassismus-Klausel in die Landesverfassung aufzunehmen.

Die Vereinten Nationen (UNO) haben den 21. März zum “Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung” erklärt.

BLPB, Juli 2020

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