Tag von Potsdam

Am 21. März 1933 wurde in der Garnisonkirche in Potsdam der erste Reichstag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten eröffnet. Dieser Tag ging als „Tag von Potsdam“ in die Geschichte ein. Vor der Garnisonkirche in Potsdam verneigte sich Reichskanzler Adolf Hitler vor Reichspräsident Paul von Hindenburg. Der Handschlag der beiden Männer gilt als Symbol für den Bund zwischen dem „neuen“ und dem „alten“ Deutschland, der an diesem Tag von den Nationalsozialisten medienwirksam in Szene gesetzt wurde. Das Datum, der 21. März, unterstrich diesen Gedanken, denn an diesem Tag hatte sich im Jahr 1871 der erste Reichstag des Deutschen Kaiserreichs konstituiert.

Der 21. März ist jedoch nicht nur ein historisches Datum. Er ist gegenwärtig auch ein Symbol für die Auseinandersetzungen um die „richtige“ Erinnerung an den Nationalsozialismus. Während Historiker die Hintergründe des „Handschlag-Fotos“ erforschen und auf diese Weise den Grad der Inszenierung sowie die Bedeutung des Tages in der Herausbildung der nationalsozialistischen Diktatur offenlegen, stellen sich für die brandenburgische Landespolitik und die Potsdamer Bürger auch ganz praktische Fragen im Umgang mit Geschichte. Soll und darf man die Garnisonskirche wieder aufbauen? Welche Signale würde ein Wiederaufbau senden? Würde die Garnisonkirche sich zum bundesweiten Wallfahrtsort für Rechtsextreme entwickeln?

Die Debatte darüber ist in Potsdam noch nicht abgeschlossen. Sie bewegt sich zwischen der Verantwortung gegenüber der Vergangenheit auf der einen und dem Unbehagen gegenüber der Geschichte auf der anderen Seite. Denn letztlich hat Hitler die Macht nicht an sich gerissen, sondern sie wurde ihm in Potsdam von der preußischen Elite in die Hände gelegt.

Die Garnisonkirche, in der damals die Preußenkönige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. begraben lagen, wurde ausgewählt, weil das Reichstagsgebäude in Berlin wenige Wochen zuvor beim so genannten Reichstagsbrand niedergebrannt war. Bei Bombardierungen brannte die Kirche 1945 nieder, die Ruine wurde 1968 auf Beschluss der SED gesprengt. Am 14. April 2005 - 60 Jahre nach der Zerstörung - wurde der Grundstein für den Wiederaufbau als Symbol für Versöhnung und gegen Krieg gelegt. Das Ziel ist, das historische Gotteshaus bis zum 31. Oktober 2017, dem 500. Jahrestag der Reformation, wieder zu eröffnen.

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