Auf die Reime, fertig, los

Der mittlerweile zweite Poetry Slam findet heute Abend bei uns statt. Poesie in der politischen Bildung? Gerade dort, sagen wir. Denn es geht um persönliche Geschichten, gesellschaftliche Themen, widerstreitende Emotionen und darum, über all das miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein Poetry Slam ist eine Veranstaltung, bei der verschiedene Künstlerinnen und Künstler mit selbstgeschriebenen Beiträgen gegeneinander antreten. Das Publikum kürt durch Applaus einen Sieger oder eine Siegerin.

Es gibt wenige Regeln: Der Text muss selbst geschrieben sein, es dürfen eigentlich keine Requisiten oder Instrumente benutzt werden (wovon manchmal abgewichen wird) und bei den meisten Slams gibt es ein Zeitlimit. Die Texte können frei vorgetragen oder abgelesen werden. Wichtig ist, dass ein Beitrag nicht Slam heißt. Slam ist immer die Veranstaltung, der Beitrag heißt Beitrag oder schlicht und einfach Text.

Dichterwettbewerbe gibt es schon lange, zum Beispiel als „offene Bühne“ oder „offene Mikro“ Abende. Die ersten Poetry Slams fanden in den 1980er Jahren in Chicago statt und verteilten sich dann schnell in alle Welt. Deutschland hat eine der größten und aktivsten Szenen. Seit 2016 stehen deutschsprachige Poetry Slams sogar im Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Warum lieben bis heute so viele Menschen Poetry Slams? Das Faszinierende an ihnen ist wohl, dass niemand weiß, welche Emotionen das Feuerwerk an Wortkreativität auslöst. Viele Beiträge berühren, man denkt nach, sieht Dinge aus einem bis dahin unbekannten Winkel, nimmt andere Positionen ein und kann das dann mit Applaus honorieren. All das beschäftigt uns auch in der politischen Bildung, naja, am Applaus arbeiten wir noch.

Für die Vortragenden ist es eine Ausdrucksform. Eine, die ich auch für mich entdeckt habe. Die kann ganz verschieden sein. Reimen muss sich nichts, es kann aber. Ich persönlich bin kein großer Freund von streng gereimter Prosa und mag die freien Texte lieber.

Für unseren zweiten Poetry Slam haben wir das Oberthema Poetry for Future gewählt. Darauf sind wir nicht selbst gekommen, sondern der wunderbare Satyr Verlag aus Berlin hat eine Anthologie herausgegeben, eine Textsammlung, die sich mit dem Klimawandel, der Umwelt und unserem Umgang mit Ressourcen und der Natur beschäftigen.

Mir kamen da sofort Ideen, die ich auch aufgeschrieben habe. Aus Freude am Schreiben und Teilen und weil mich das Thema, wie so viele andere auch, umtreibt. Ich konnte mich sogar selbst überreden, etwas zu reimen. Zu sehen auf unserer Facebook-Seite:

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Und hier auch noch ein Beispiel für einen freien Text. Reime sich was kann, oder auch nicht…

In einem Land vor unserer Zeit

Es war einmal… vor wirklich wirklich langer Zeit.
Also wirklich lange lange her… alles ok.
Dinos ziemlich groß, aber satt; Meere wirklich voll, aber sauber.
Vulkane aktiv, aber das Leben lebte.
Bis zum großen Knall und alles wurde dunkel.

Es war einmal… vor wirklich langer Zeit.
Also wirklich lange her… alles wieder ok.
Die Wälder satt und üppig, die Mammuts wollig und glücklich.
Der Säbelzahntiger fraß, was er brauchte, aber nicht to go.
Bis zum großen Eis und alles wurde kalt und weiß.

Es war einmal… vor gar nicht so langer Zeit.
Wirklich nicht so sehr lange her.
Da war es auch kalt, manchmal monatelang
und ganze Wälder verschwanden in den Kaminen und Öfen.

Es war einmal… gar nicht lange her, da war das Rad genug.
Aber es sollte sich schneller und schneller drehen.
Es brauchte Kohle und Öl und ring auf in Rauch, Rauch, Rauch.

Es war einmal… vor 35 Jahren.
Ignoranz, Unwissenheit, Arroganz und ein Leuchten in der Nacht.
Und ein halber Kontinent verseucht.

Es war einmal… vor 20 Jahren.
Das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung.
Es folgten 19 wärmere und wir schließen die Augen, stellen uns taub.

Es WIRD einmal… die Zeit kommen, in der wir begreifen, dass wir endlich sind.
Wie Öl, wie Gas, wie du, wie ich, wie alles.
Alles wird still.
In einem Land nach unserer Zeit.

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Katrin Marx

Katrin Marx ist Publikationsreferentin in der Landeszentrale.

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