Preußen

Wenn heute von Preußen die Rede ist, dann wird damit im engeren Sinne ein Staat beschrieben, der sich vom Königreich Preußen zu einer einflussreichen Macht in Europa und zum größten Land im Deutschen Reich entwickelte. Wichtige Jahreszahlen markieren den Aufstieg und sein Ende:

  • 1701 Gründung des Königreiches Preußen
  • 1740-1763 kriegerische Eroberungen unter Friedrich dem Großen
  • 1871-1918 Gründung des Deutschen Kaiserreiches unter preußischer Führung und sein Ende
  • 1918-1933 Bildung des Freistaats Preußen in der Weimarer Republik
  • 1933-1945 zentrale Rolle in der Propaganda und Verwaltung des Nationalsozialismus
  • 1947 Auflösung Preußens durch die alliierten Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Geschichte Preußens - und die Geschichte Brandenburgs - sind eng mit der Herrschaft der Hohenzollern verflochten. Unter ihnen entstand das Königreich Preußen, dessen Kernland Brandenburg war. Die Adelsfamilie blieb von 1415 bis 1918 an der Macht. Aus ihr stammen bekannte preußische Könige wie Friedrich der Große und die beiden deutschen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. Ihre Politik und viele der ihnen zugeschriebenen Eigenschaften haben bis heute Spuren im gesellschaftlichen Gedächtnis in Deutschland hinterlassen.

Mit Preußen werden ganz unterschiedliche Traditionen verbunden. Auf der einen Seite steht der „preußische Militarismus“ mit seinem Machtanspruch und einer Gesellschaft, die sehr stark vom Militär geprägt war. Auf der anderen Seite werden die so genannten preußischen Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit und Toleranz betont. Die Könige Preußens waren von 1871 an zugleich auch Kaiser des Deutschen Reiches.

In der Zeit der Hohenzollern kamen viele Neusiedler aus ganz Europa nach Preußen. Die wohl bekanntesten sind die Hugenotten, die vor religiöser Verfolgung aus Frankreich in großer Zahl nach Brandenburg flohen. Die neuen Bewohnerinnen und Bewohner brachten ihr Handwerk, Wissen, Kunst, Geschick, ihre Traditionen und kulturellen Besonderheiten mit und veränderten das Land nachhaltig. Auch neue Kulturpflanzen, wie Spargel, Blumenkohl, Tabak und Kartoffeln kamen so nach Brandenburg.

Lesetipp

Die beiden Weltkriege bildeten einen tiefen Einschnitt in der preußisch-brandenburgischen Geschichte. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Monarchie in Deutschland abgeschafft und damit auch die Herrschaft der Hohenzollern beendet. Preußen wurde zum Freistaat, der in der Weimarer Republik als Pfeiler der Demokratie galt, aber schon 1932 der deutschen Zentralregierung unterstellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Staat Preußen aufgelöst. Aus der Verwaltungsprovinz Brandenburg entstand 1947 das Land Brandenburg (kurzzeitig "Land Mark Brandenburg"). Es wurde nach nur fünf Jahren aber wieder aufgelöst und ging in der DDR in den Bezirken Potsdam, Frankfurt/ Oder und Cottbus auf.

1990 wurden vor der deutschen Wiedervereinigung die Bezirke in der DDR aufgelöst und erneut die Länderstruktur eingeführt. Das neugegründete Land Brandenburg hat bis heute mit dem preußischen Erbe zu tun, denn auf seinem Territorium befinden sich noch viele Besitztümer der Hohenzollern.

Umstrittene Rolle der Hohenzollern

Das Land Brandenburg und die Nachkommen der ehemaligen kaiserlichen Familie der Hohenzollern streiten seit 2014 um Entschädigungszahlungen für Immobilien und Kunstgüter. Sie wurden nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone, aus der später die DDR entstand, enteignet. In Brandenburg geht es um die Summe von 1,2 Millionen Euro. Der Gerichtsprozess läuft noch. Die öffentlichen Debatten über den Fall machten deutlich, wie umstritten die Rolle der Hohenzollern in der Geschichte, insbesondere während des Nationalsozialismus, bis heute sind.
Illustration der preußischen Könige
© Anne Albert, ByeByeSea.com
Zum Weiterlesen

Herrschaftszeiten

Eine ganz kurze Geschichte Preußens

 

BLPB, Oktober 2022 

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