Wolfskinder

Als Wolfskinder wurden die Kinder bezeichnet und häufig auch beschimpft, die am Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Flucht aus Ostpreußen, Polen, Litauen und Russland auf sich allein gestellt waren. Vertrieben aus der Heimat, elternlos und ohne Verwandte zogen sie durch das Land auf der Suche nach Nahrung und Obdach. Viele waren durch Kriegerlebnisse schwer traumatisiert, unterernährt, krank und besaßen keine richtige Kleidung als Schutz vor der Witterung. Sie mussten stehlen, um zu überleben, bevor sie nach Kriegsende in Heimen und in Pflegefamilien untergebracht wurden.

In der Wissenschaft, aber auch umgangssprachlich werden als Wolfskinder oder auch "wilde Kinder" ganz allgemein Menschen bezeichnet, die in jungen Jahren isoliert von jeglicher menschlicher Sozialisation aufgewachsen sind. Oft handelt es sich um verwahrloste und stark vernachlässigte Kinder, die schweren körperlichen und seelischen Misshandlungen ausgesetzt waren.

Die häufig anzutreffende Meinung, dass "Wolfskinder" von Tieren aufgezogen wurden - wie etwa Romulus und Remus, die angeblichen Gründer Roms - ist indessen wissenschaftlich nicht belegt. 

"Wolfskinder" in Brandenburg: Im April 1949 entstand in Kyritz, einer kleinen Stadt in der Prignitz, ein Kinder- und Jugenddorf. Die Kinder und Jugendlichen, die hier einzogen, waren im Herbst 1947/48 mit Transporten aus Königsberg (heute Kalininigrad) in die Sowjetische Besatzungszone gekommen. Sie wurden isoliert, damit die übrige deutsche Bevölkerung nicht sah, wie schlimm ihr Zustand war. Abgemagert und heruntergekommen, das passte nicht zum Bild von einer strahlenden Sowjetunion, dass der Bevölkerung vermittelt werden sollte. Das Schicksal dieser Kinder wurde in der DDR und viele Jahre später verschwiegen.

Ruth Leiserowitz hat sich auf Spurensuche gemacht:
Von Ostpreußen nach Kyritz. Wolfskinder auf dem Weg nach Brandenburg.

Landeszentrale, Juli 2013
 

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