Weimarer Republik

Von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus

Eine soziale und ökonomische Neugestaltung der Provinz und die ersten direkten Wahlen zum brandenburgischen Provinziallandtag prägten die Anfangsjahre der Weimarer Republik. Infolge der Weltwirtschaftskrise 1929, die auch in Brandenburg verheerende Folgen hatte, gewannen die Nationalsozialisten an Zuspruch. Nach ihrer Machtübernahme 1933 verloren die Länder ihre Selbstständigkeit, die Landesparlamente wurden abgeschafft.

Brandenburg Weimarer Republik Karte 1920 - 1945
© retalic | Anja Gollor, Henry Hajdu

Die Karte zeigt diese Entwicklung Preußens bis zum Ende des 2. Weltkriegs.

Schon vor Ausbruch des Krieges waren in einigen Kommunen Brandenburgs die finanziellen Mittel knapp, so dass soziale Aufgaben nicht mehr angemessen erfüllt werden konnten. Die Massenarmut und der Wohnungsmangel wurden gegen Ende des Krieges noch größer. Die Gegensätze zwischen der linken Anhängerschaft und den Unterstützerinnen und Unterstützern eines nationalistischen Staates blieben auch nach dem Ende der Monarchie und des Ersten Weltkrieges bestehen.

Laut dem im Jahr 1919 abgeschlossenen Versailler Vertrag musste Preußen den Großteil der Provinz Posen, Westpreußen, Oberschlesien, Eupen-Malmedy, Nordschleswig und das Memelgebiet abgeben. Durch die im Versailler Vertrag neu festgelegte Ostgrenze wurde Brandenburg fortan zu einem Grenzland. Noch bis 1920 kam es an der Grenze zu Polen, zum Beispiel in den Grenzkreisen zwischen Arnswalde und Schwiebus, zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen. Durch den Aufbau paramilitärischer Verbünde und den Einfluss der Reichswehr erlitt die politische Ordnung in den strukturschwachen Gebieten erheblichen Schaden.

Lesetipp

Erste Wahlen und Neugestaltung der Provinz

Schon ein Jahr darauf gab es die ersten direkten Wahlen zum brandenburgischen Provinziallandtag, deren Ergebnis abermals die polarisierte Stimmung in der märkischen Gesellschaft widerspiegelte. Dabei verteilten sich die Stimmen fast gleichmäßig auf das linke und das konservative Lager.

Mit dem Erlass des Groß-Berlin-Gesetzes 1920 veränderte sich die Bevölkerungsstruktur Brandenburgs stark. Das Gesetz sah eine soziale und ökonomische Neugestaltung der Provinz vor. Demnach sollten Gemeinwesen zusammengeschlossen werden, um strukturellen Problemen vorzubeugen. Die direkte Folge war eine Erweiterung des Berliner Großraums, wofür sich – anders als die brandenburgische Provinz – vor allem Berliner Vorortgemeinden aussprachen. Der Verlust der Gebietsfläche umfasste zwar lediglich zwei Prozent, die Zuordnung einiger Gemeinden zu Berlin führte jedoch dazu, dass die Provinz rund 1,9 Millionen Menschen und beinahe zwei Drittel ihrer Steuereinnahmen verlor. Eine Ausgleichszahlung für diesen Verlust an Steuern erhielt sie nicht.

Weltwirtschaftskrise

Schätzungen zufolge sind im Verlauf des Ersten Weltkriegs etwa 120.000 Brandenburgerinnen und Brandenburger gefallen. Zu den 56.000 Kriegsgeschädigten kamen 25.000 Kriegerwitwen und circa 50.000 Waisen. Die vielen Kriegsgefallenen fehlten nicht nur in den Familien, sondern auch als Arbeitskraft und als Steuerzahler. Die Neuordnung des Landes Brandenburgs im Jahr 1920 stellte eine zusätzliche Belastung dar. Die Industrialisierungswelle, die noch zu Zeiten des Kaiserreiches für reichlich Bevölkerungswachstum sorgte, war in den Kreisen Niederbarnim und Teltow bereits wieder vorbei, sie verwandelten sich in Agrarzonen.

Laut einer Volkszählung aus dem Jahr 1925 lebten etwa 1.1 Millionen Brandenburgerinnen und Brandenburger in städtischen Gemeinden und 1.5 Millionen auf dem Land.

Ein Million-Markschein als Rechnungsblock. Findige Leute benutzen die Rückseite des Einmillionenscheines zum Schreiben; ein neuer Block würde Milliarden kosten.

Oktober 1923: Die Rückseite von Einmillionenscheinen wird als Notizblock genutzt, ein neuer Block würde Milliarden kosten.

Neben geringen Löhnen und fehlenden Steuereinnahmen destabilisierte auch die beginnende Weltwirtschaftskrise die Gesellschaft. Die Deflation nach 1928 traf vor allem die Kleinbauern. Auch die brandenburgische Industrie erlitt großen Schaden. Die Lausitzer Tuchindustrie und der gesamte Maschinenbau mussten unter dem wirtschaftlichen Druck ihre Produktion einstellen. Die Steuereinkünfte gingen um 20 Prozent zurück und fielen damit auf ein noch geringeres Niveau als zuvor. Die Arbeitslosenquote in Städten wie Brandenburg, Frankfurt (Oder) und Cottbus stieg bis 1933 auf 21 bis 33 Prozent.

Machtübernahme der NSDAP

In dieser Krisensituation konnte die NSDAP mit ihren Parolen von nationaler Erneuerung und öffentlicher Sicherheit und ihren Angriffen auf das Judentum, den Bolschewismus und den Kapitalismus große Teile der Bevölkerung von sich überzeugen. Bei den Reichstagswahlen 1933 erhielt die Partei unter Hitler von den brandenburgischen Wählerinnen und Wählern 53,2 Prozent der Stimmen. Vier Jahre zuvor hatte sie bei den Wahlen zum brandenburgischen Provinziallandtag mit 5,6 Prozent noch deutlich weniger Stimmen erhalten.

Am 21. März 1933 wurde in Potsdam der erste Reichstag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten eröffnet. Ganz bewusst hatten sie die Stadt als Traditionsort preußischer Geschichte für die feierliche Konstituierung ausgewählt.

Schon kurze Zeit nach ihrer Machtergreifung begannen die Nationalsozialisten mit der Gleichschaltung der Länder. In der Folge verloren diese ihre Selbstständigkeit. Mit dem „Vorläufigen Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ wollten die Nationalsozialisten regimekritische Minister, Landtagsabgeordnete und Staatsbeamte aus ihren Posten entfernen und die staatliche Macht zentralisieren. Ein Jahr später schafften sie mit dem „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ die Länderparlamente und damit die noch verbliebenen föderalen Strukturen ab.

Lesetipp

BLPB, Oktober 2022

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